Hunderte Feuerwehrleute stehen in OÖ noch bei Aufräumarbeiten im Einsatz

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Chronik Oberösterreich
06/25/2021

OÖ: Zweite Nacht des Schreckens mit verheerenden Unwetterschäden

Vor allem extremer Hagel sorgte in der Landwirtschaft und an Gebäuden für Millionenschaden.

von Wolfgang Atzenhofer

Neuerliche schwere Unwetter mit teils golfballgroßen Hagelkörnern haben ab Donnerstagabend in Oberösterreich schwere Schäden in der Landwirtschaft, an Gebäuden und Autos angerichtet. Bei den Feuerwehren wurden 952 Einsätze verbucht.

Am schlimmsten traf es die Bezirke Grieskirchen, Urfahr-Umgebung, Rohrbach und Freistadt. Die Bezirke Schärding, Braunau, Eferding, Linz-Land, Ried im Innkreis und Vöcklabruck waren durch Windböen, Hagel und Starkregen ebenfalls betroffen. Für die Feuerwehren bedeutete das auch in diesen Bezirken verstärkte Einsätze.

Schäden auch in Linz

Auch in Linz gingen teilweise Hagelkörner mit der Größe von Golfbällen nieder. 104 Feuerwehren mit rund 1.560 Freiwilligen mussten zu Überflutungen, Sturm- und Hagelschäden ausrücken. Zahllose durchlöcherte Dächer mussten provisorisch mit Planen abgedeckt, zahlreiche Straßen von umgestürzten Bäumen befreit werden, hieß es beim Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich.

In Linz hat das Unwetter vor allem im Stadtteil Pichling schwere Schäden angerichtet. Laut Berufsfeuerwehr gab es dort bei mehreren Häusern Totalschäden an den Dächern, Glashäuser wurden zerstört und viele Autos schwer beschädigt. Besonders betroffen war  das Bundesrealgymnasium in der SolarCity, wo drei Dutzend große Oberlichten vom Hagel zertrümmert wurden.

Ein Gewitter hatte am frühen Donnerstagabend auf der Welser Autobahn (A25) bei Weißkirchen (Bezirk Wels-Land) auch zu einem Serienunfall Richtung Linz geführt. Fünf Lkws, fünf Pkws und ein Kleintransporter fuhren aufeinander, in der Gegenrichtung kollidierten noch einmal zwei Pkws. Sechs Personen wurden verletzt. Die Autobahn war wegen der Aufräumarbeiten rund vier Stunden gesperrt.

Millionenschäden in der Landwirtschaft

Hart getroffen hat es vor allem die Bauern. Allein in dieser Woche entstand laut Hagelschutzversicherung durch die Reihe von Unwettern ein Schaden in der Landwirtschaft von rund 31 Millionen Euro. Schon in der Nacht auf Mittwoch haten die Unwetter laut Hagelversicherung 22 Millionen Schaden angerichtet. Ackerfrüchte, vor allem Mais und Getreide wurden in den betroffenen Regionen völlig vernichtet. Arg erwischte es auch Gemüse- und Obstbauern. Auf Hunderten Höfen wurden die Dächer zertrümmert.

Aktuelle Einsätze

Einsatzschwerpunkte am heutigen Freitag sind die Bezirke Grieskirchen und Urfahr-Umgebung. Die Feuerwehren von Grieskirchen werden mit Hubrettungsfahrzeugen aus den Nachbarbezirken unterstützt, um auf den beschädigten Dächern arbeiten zu können. Die Feuerwehren von Urfahr-Umgebung werden mit acht Hubrettungsfahrzeugen, Kranfahrzeugen und Höhenrettungstruppen aus Nachbarbezirken sowie mit Fahrzeugen und 50 Einsatzkräften aus dem Bezirk Wels-Land unterstützt.

Am Freitagvormittag waren  noch 77 Feuerwehren mit rund 1200 Feuerwehrleuten  bei über 100 Einsätzen mit der Abarbeitung der Unwetterschäden beschäftigt.

Im Rahmen einer Pressekonferenz bedankte sich Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) am Freitag in Linz bei den Feuerwehren für deren rasche Hilfe. Das Wetter erzeuge mit „schlimmen Kapriolen schwere Schäden“, sagte er. Er verwies auch auf die vom Bund zugesicherten Mittel aus dem Katastrophenfonds für Betroffene, die unverschuldet in eine Notlage geraten seien.

Grüne kritisieren mangelnden Klimaschutz

Mit einer heftigen Reaktion, die wohl auch dem in OÖ laufenden Wahlkampf für die Landtagswahlen im September geschuldet ist, ließ der grüne Umweltlandesrat Stefan Kaineder aufhorchen. „22 Millionen Euro Schaden entstanden in nur 24 Stunden in der oberösterreichischen Landwirtschaft, das ist mehr als die schwarz-blaue Ibiza-Koalition mit ihrem OÖ-Plan in den nächsten Jahren in den Klimaschutz investieren will“, sagte Kaineder.

Hagel, schwere Gewitter und Starkregen werden mehr und heftiger, das sei laut der Wissenschaft die Konsequenz für den menschengemachten Klimawandel, so Kaineder. Es brauche ambitionierte und mutige Maßnahmen im Kampf gegen die Klimakrise. „Noch immer stehen die Bagger auf den falschen Baustellen, es werden Straßen statt Schienen gebaut und wichtige Investitionen in Zukunftsprojekte werden nicht getätigt“, kritisierte Kaineder.

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