Chronik | Oberösterreich
08.04.2018

„Überfluss ernstes Problem“

Kolumne. Silke zitiert Ed Sheeran: „Verbreite Liebe, Verständnis und positive Einstellung“

Heute im Auto habe ich ein Lied gehört, das mich schwer beeindruckt hat: „What do I know?“ von Ed Sheeran. Die Zeile, die mir als Inspiration für diese Kolumne dient, lautet „just remember, life is more than fitting in your jeans“. Also: Vergiss nicht, Leben bedeutet mehr, als in deine Jeans zu passen.

Erst heute Morgen hat sich ein lieber Freund bei mir darüber beschwert, dass er trotz meines – gar nicht so liebenswerten – Trainingsplans nicht abnimmt. Meine Eltern haben nach ein paar herrlichen gemeinsamen Feiertagen beschlossen, gleich mit der nächsten Fastenzeit durchzustarten.

Und der Bauch?

Und auch ich darf mich da nicht herausnehmen. Ich habe schon Stunden, nein, eher Tage, damit verbracht, unglücklich darüber zu sein, dass mein Bauch nicht so aussieht, wie ich das gerne hätte. In selbstbewussteren Stunden sage ich mir selbst, dass an mir wohl mehr dran ist als mein Bauch und es wirklich traurig wäre, müsste ich mich darüber definieren.

Manchmal stelle ich mir auch vor, dass ich vor den Himmelspforten stehe und noch einmal auf mein Leben zurückblicke. Würde ich nicht jede Sekunde, die ich mit Gedanken an Cellulite, Love Handles oder Reiterhosen verschwendet habe, bereuen? Ich weiß, dass ich Sie regelmäßig vor den Folgen des Übergewichtes warne. Dazu stehe ich auch zu einhundert Prozent. Natürlich sind auch die meisten normalgewichtigen Menschen deshalb normalgewichtig, weil sie eben darauf achten. Doch möchte ich heute einmal Ihren Blickwinkel etwas verändern. Was denken Sie, was bringt es Ihnen sich täglich mehrmals zu wiegen? Sie können abschätzen, wie gut Sie verdauen, wieviel Sie trinken und schwitzen. Gut. Ist es Ihre Intention, dies zu dokumentieren, dann machen Sie das bitte weiterhin. Wollen Sie den Verlauf Ihrer Gerichtsabnahme verfolgen, dann reicht einmal wöchentliches Wiegen meiner Meinung nach völlig aus. Hormonbedingte Gewichtsschwankungen von mehr als zwei Kilogramm sind durchaus möglich, weshalb viele regelmäßig in Panik verfallen. Das absolute Gewicht nimmt eine zentralen Position in sämtlichen Gedankengängen ein – und das steht ihm bei aller Schwere nicht zu.

Astronautenkost

Jede Woche besuche ich eine todkranke Patientin, die sich nur wünscht, etwas mehr essen zu können um besser bei Kräften zu sein. Immer wieder versuchen ihre Familie und ich, ihren Appetit anzuregen oder ihr Kalorien in Form von Astronautenkost zuzuführen. Ich habe eine zeitlang in Brasilien gelebt und in den Favelas in einem Frauenzentrum gearbeitet. Dort konnten Mädchen einen Beruf erlernen, essen und wurden medizinisch versorgt. Eines von ihnen hat immer die heimlich die Küchenabfälle mitgenommen, damit für ihre Geschwister und ihre Mutter eventuell auch noch etwas Nahrhaftes herauskommt. Obwohl es abgedroschen klingt, könnten wir alle uns hin und wieder daran erinnern, wie bevorzugt wir vom Leben sind, dass der Überfluss ein ernsthaftes Problem darstellt. Mit mehr Dankbarkeit und Demut würden wir vielleicht gar nicht so über die Stränge schlagen, dass wir uns Gedanken um die Jeansgröße machen müssten. Ed Sheeran hat mir auch die Schlussworte geliehen: Spread love and understanding, postivity – Verbreite Liebe, Verständnis und eine positive Einstellung!