Chronik | Oberösterreich
31.08.2018

Pflege: „Dringendstes Problem der Gesellschaft“

ÖVP-Senioren in Oberösterreich schnürten Vorschlagspaket: Pflegepersonal und Prävention ganz vorne.

„Die Pflege der Hochbetagten wird das Mammutthema der Politik der nächsten 20 Jahre.“ Er vermeide Zurufe an die Tagespolitik, sagte Oberösterreichs Seniorenbundobmann Josef Pühringer. Aber bei der Präsentation eines Forderungskatalogs der ÖVP-Senioren lässt der frühere Landeshauptmann keinen Zweifel an der Brisanz der Thematik.

So umfassend, wie das in OÖ noch nie geschehen ist, habe man als Interessensanwalt der älteren Menschen Zahlen und Fakten zusammengetragen und analysiert, erklärte Pühringer. Dimension und Dringlichkeit des Themas zeigen Berechnungen: In Oberösterreich wird es im Jahr 2040 rund 500.000 über 60-Jährige und davon 50.000 über 85-Jährige geben. Die Zahl von aktuell 80.000 Pflegebedürftigen steigt im selben Zeitraum nach einer Studie des Landes um weitere 40.000 an.

Priorität

Aus dem Vorschlagspaket des Seniorenbundes, das zehn Kernforderungen umfasst, gibt Pühringer der Sicherstellung des Pflegepersonals die erste Priorität. „Wir können Häuser bauen, aber wenn es kein Pflegepersonal gibt, hilft das nichts“, erklärte Pühringer. Der Pflegeberufe müsse attraktiviert werden und auch als Lehrberuf angeboten werden. Um den Bedarf zu decken, bedürfe es auch weiterhin einer gezielten Migration, sagte Pühringer. An die zweite Stelle reiht er die Unterstützung pflegender Angehöriger.

Knapp 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden ganz oder teilweise von Verwandten betreut. Pühringer: „Wenn die wegbrechen, kippt das Finanzierungssystem.“ Familiäre Pflege brauche umfassende Unterstützung und Anerkennung von Pensionszeiten.

Ein großes Kapitel gehört der Prävention. Körperliche Betätigung und gesunde Lebensweise sollen Mobilität bis in höhere Alter ermöglichen. Pühringer könnte sich sogar ein Bonus-Malussystem für Versicherte vorstellen.

Verlässlichkeit

Bei der Finanzierung des Pflegesystems, für das in OÖ derzeit 473 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben werden, fordern die ÖVP-Senioren Verlässlichkeit ein. Pühringer spricht sich für eine Mischvariante aus Bundesbudget und neuer Pflegeversicherung aus. Von einer Erbschaftssteuer hält er nichts. „Diese Mittel wären für das künftig dringendste Problem der Gesellschaft viel zu wenig.“

Wolfgang Atzenhofer