Kanzler Karl Nehammer und Ministerin Susanne Raab (li.)

© Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger

Sommerfest
07/31/2022

ÖVP-Sommerfest: „Jetzt ist einfach eine blöde Zeit“

Obwohl die ÖVP in Gefahr ist, zur drittstärksten Partei abzusacken, sind die Innviertler ÖVP-Funktionäre mit der Bundespartei und Kanzler Nehammer zufrieden.

von Josef Ertl

Allein schon die Ortswahl des Sommerfestes der Innviertler ÖVP sollte Auftrieb geben. In St. Georgen bei Obernberg steht es elf zu zwei für die ÖVP im Gemeinderat. Rund 450 Funktionäre aus den Bezirken Schärding, Ried und Braunau hatten sich Montagabend im Irg-Hof versammelt, um den Reden von Kanzler Karl Nehammer, Landeshauptmann Thomas Stelzer und Klubobmann August Wöginger zu lauschen. Der „Gust“ war auch Gastgeber, in seiner Funktion als Schärdinger Bezirksparteiobmann. Für den Sighartinger war es ein Heimspiel.

Gleich zu Beginn erklärte er, wo es langgeht. „Wir haben die zweite Halbzeit gerade begonnen und wir spielen sie auch fertig. So gehört es sich, die Wähler erwarten sich das. Wir werden die Koalition über die gesamte Periode hin fortsetzen.“ Eine klare Absage an die Forderung der Opposition nach Neuwahlen. Kein Wunder, denn die Umfragewerte für die Volkspartei sind im Keller. Mit 21 bis 22 Prozentpunkten droht sie auf den dritten Platz hinter die FPÖ abzurutschen. Die SPÖ liegt mit 27 bis 29 deutlich an der Spitze.

Was sagen die Funktionäre? „Ich glaube den Umfragen nicht“, meint Franz Schasching (81), Obmann des Seniorenbundes in St. Roman, „die Presse dreht alles um. Es ist momentan eine schwierige Phase, aber wir werden das meistern.“ Ähnlich sieht es Richard Wiesinger (26), Obmann der Jungen ÖVP in Mehrnbach und Konstrukteur bei der Firma Fill in Gurten: „Die Medien machen aus jeder Kleinigkeit einen Skandal. Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.“ Nehammer sei eine positive Erscheinung.

Gerlinde Murauer ist Bäuerin in Mehrnbach und mit ihrer Tochter Carina da. „Unsere Leute stehen hinter der ÖVP“, sagt sie, „sonst wären heute nicht so viele gekommen“. Altbauer Gerhard Priewasser (67), Obmann des Seniorenbundes in Moosbach, hat eine Erklärung für die Nöte seiner Partei: „Es ist jetzt einfach eine blöde Zeit, die die Opposition nutzt. Die Leute sind sauer, weil alles teurer wird, und schieben die Schuld der Politik zu.“

Selbst Ernst Mayr (Fussl-Modestraße) ist mit der ÖVP zufrieden. „Nach den Ansprachen und dem Gespräch mit Nehammer muss ich sagen, dass die ÖVP unter Wert geschlagen wird. Unter den Türkisen sind viele Fehler gemacht worden. Die ÖVP macht keinen schlechten Job. Die Gesamtlinie der öko-sozialen Marktwirtschaft ist das richtige System für Österreich.“ Klaus Paminger, Bürgermeister in St. Aegidi, meint, dass die Gesellschaft wieder den Egoismus zurückschrauben müsse, der überall um sich gegriffen habe. „Jeder schaut nur auf sich selbst. Wir jammern auf hohem Niveau. Die Zeit ist zwar kein Honiglecken, aber Jammern brauchen wir nicht. Wir werden die Krisen bewältigen. Wir sind auf einem guten Weg. Ich bin positiv gestimmt.“

Herbert Strasser, Bürgermeister von Waldkirchen a. D.: „Es sind Fehler passiert, diese Chat-Geschichten sind kein Ruhmesblatt für die ÖVP und die damals handelnden Personen. So schlecht ist die ÖVP nicht, wie sie medial hergestellt wird.“ Strassers Nachfolger ist Engelbert Leitner. „Die Stimmungslage ist schwierig, bei den Leuten spielt alles zusammen, der Krieg, Covid, die Teuerungen. Das färbt auf die Politik ab.“

Im Irg-Hof ist die Stimmung zwar nicht euphorisch, aber gut. Die Funktionäre scharen sich um Nehammer, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Hier ist die ÖVP-Welt noch in Ordnung, in Wien weht für ihn jedoch ein anderer Wind.

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