20.800 Hektar umfasst der Nationalpark Kalkalpen. Etwa ein Viertel davon ist Buchenschutzwald.

© Nationalpark Kalkalpen/F. Sieghartsleitner

Chronik Oberösterreich
04/11/2021

Nationalpark Kalkalpen kämpft mit zu wenig Geld

Während die Buchenblätter austreiben und Luchse gefangen werden, wird im Park vor allem viel Organisatorisches aufgearbeitet.

von Petra Stacher

Bis zu 45 Meter hoch, am Stamm zwei Meter breit und 300 Jahre alt – teils noch älter – kann sie werden: die Rotbuche. Wenige von ihnen seien laut UNESCO in natürlicher Form erhalten. Spaziert man durch den Nationalpark Kalkalpen, fehlt dieser Eindruck aber: Denn dort reihen sich Buche für Buche aneinander. 5.252 Hektar, und damit etwa ein Viertel der gesamten Nationalparkfläche sind das weitläufigste Buchenwaldschutzgebiet der Alpen und UNESCO-Weltnaturerbe.

Die beste Zeit, um dieses zu besichtigen? Zum Beispiel jetzt. „Es beginnen gerade die Buchenblätter auszutreiben. Das ist schon eine schöne Sache“, sagt Volkhard Maier, Geschäftsführer des Nationalparks. Dieser bietet Touren durch die dichten Wälder an – kann eine Baumkrone doch bis zu 600 Quadratmeter beschatten.

"Angespannte" Lage

Schatten wirft jedoch nicht nur die Rotbuche über den Nationalpark, sondern auch der Landesrechnungshofbericht (LRH), der kürzlich Kritik an der Ausrichtung übte. „Wir stellen infrage, ob der Tourismus im Nationalpark die erste Priorität haben muss“, hieß es von LRH-Direktor Friedrich Pammer. Bezug nahm er vor allem auf das Seminarhotel Villa Sonnwend. Generell müsse der Nationalpark sparen. Die Finanzlage sei „angespannt“.

Dem stimmt Maier zu: „Jedes Jahr wird es enger, weil wir keine Indexanpassungen haben. Auch haben wir viel Infrastruktur. Das kostet“, sagt er. Dass das Thema nun publik wurde, könne helfen. Nicht ganz so freut er sich hingegen über die Kritik bezüglich der Ausrichtung.

Naturschutz, Forschung, Bildung und Erholung sind die vier Säulen des Nationalparks. „Die meisten Ressourcen setzen wir im Naturschutzbereich ein“, verteidigt Maier. Nicht immer sei das aber offensichtlich. So etwa bei der Villa Sonnwend. Während der Rechnungshof diese zum Tourismus zählt, ist es für Maier „nicht nur ein Seminarhotel, sondern ein Ort, wo Naturparkinhalte kommuniziert werden“.

Grund genug für einen runden Tisch. In Workshops mit dem Land OÖ werde nun den Punkten des Landesrechnungshofs nachgegangen. Dazu gehöre die Zuordnung der verwendeten Gelder.

Hausaufgaben

„Es geht um die Frage, was gehört zu welcher Säule“, so Maier. „Wir schauen , was man einsparen und wo die Ertragssituation verbessert werden kann. Aber auch inwieweit eine Budgeterhöhung gerechtfertigt wäre“, heißt es aus der Abteilung Naturschutz des Landes OÖ. Und speziell zur Villa Sonnwend: „Wir werden den Finanzbedarf prüfen und gegebenenfalls Alternativen in Betracht ziehen.“ Auch ein Verkauf oder eine Verpachtung an touristische Partner sei nicht ausgeschlossen.

Prinzipiell teilen sich Land und Bund – 50:50 – als Eigentümer den Nationalpark. Alle Entscheidungen gehören somit auch vom Bund abgesegnet. So auch jene der Nationalpark-Erweiterung, die seit 1997 im Landesgesetz vorgesehen ist. Demnach solle der Nationalpark auf die Gebiete der Haller Mauern und des Toten Gebirges erweitert werden. „Auch jenes Dreieck Richtung Nationalpark Gesäuse und Wildnisgebiet Dürrenstein wären sinnvoll. Man darf doch auch gescheiter werden über die 20 Jahre“, sagt Maier.

Fehlender Nachwuchs

Die Erweiterung ist jedoch einer der Punkte, der in der vergangenen Landtagssitzung nicht beschlossen wurde und das, obwohl der LRH auch diesen Umstand kritisierte. „Das wird vorerst nicht gemacht. Es braucht ein gutes Fundament für diese Erweiterung. Die Kritik des LRH zeigt, dass einige Hausaufgaben bis dahin zu machen sind“, so die Naturschutz-Abteilung des Landes. Vom Tisch sei diese aber nicht.

Freuen über die Erweiterung würden sich wohl die Luchse, die „Aushängeschilder“ des Nationalparks. Ganz problemlos läuft es aber auch hier nicht. Denn seit Jahren fehlt der Nachwuchs. Die oö. Grünen wollen neue einbürgern, die FPÖ OÖ hingegen dem Problem auf den Grund gehen. Experten beschlossen deshalb nun einen einzufangen, um per Blutabnahme feststellen zu können, ob ihnen etwas fehlt. Und genau in diesem Stadium befinde man sich, so Maier. Die Ranger sind auf der Jagd.

Zwei Kastenfallen wurden aufgestellt, um den Luchs lebend einfangen zu können. Bis ein Luchs in die Falle geht, kann es dauern. „Es is ka g’mahte Wiesn einen Luchs zu fangen“, sagt Maier. Doch wie sagt man: Unverhofft kommt oft. Während sich Land und Nationalpark mit den organisatorischen Problemen beschäftigen, lässt sich einer der Luchse vielleicht doch in die Falle bewegen.

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