Chronik | Oberösterreich
12.02.2014

Nach verweigerter Blutspende: Rotes Kreuz entschuldigt sich

Bei einem Krisengipfel mit der Islamischen Religionsgemeinde konnten Probleme ausgeräumt werden.

Nach dem Wirbel um eine von der Islamischen Religionsgemeinde (IRG) geplante, von einer Ärztin der Linzer Blutzentrale jedoch brüsk verweigerte, Blutspendenaktion zeigte sich das Rote Kreuz am Mittwoch um Schadensbegrenzung bemüht. "Menschen mit Migrationshintergrund sind bei uns als Blutspender jederzeit herzlich willkommen", stellte Vize-Generalsekretär Michael Opriesnig klar. Er bedaure die Verärgerung, die durch die Ablehnung von Spendenwilligen in Linz entstanden sei. "Ich entschuldige mich bei allen, die dadurch in ihren Gefühlen verletzt wurden."

Opriesnig versichert, dass für alle Menschen in Österreich die selben gesetzlich geregelten Zulassungskriterien gelten: "Diese sind völlig unabhängig von politischer Überzeugung, kulturellem Hintergrund und religiöser Einstellung."

Wie berichtet, soll die Ärztin ihre Weigerung da-mit begründet haben, dass "Menschen, die aus Ländern kommen, in denen der Islam Staatsreligion ist, meistens an Hepatitis B erkrankt" seien. Die IRG-Mitglieder fühlten sich von dieser Aussage brüskiert. Der Großteil von ihnen wurde entweder in Österreich geboren oder lebt seit Jahrzehnten im Land. "Wir haben die österreichische Staatsbürgerschaft, zahlen hier Steuern und schicken hier unsere Kinder zur Schule."

Auf besonderes Unverständnis der Linzer Religionsgemeinde stieß, dass etwa in den Blutzentralen Wien und Salzburg Spendenaktionen der Islamischen Glaubensgemeinschaft problemlos durchgeführt werden.

"Wir finden das sehr positiv – diese Menschen wollen schließlich für Österreich ihr Blut spenden", sagt Eva Menichetti, Leiterin der Blutzentrale für Wien, NÖ und das Burgenland. Um Missverständnisse zu vermeiden, werde im Vorfeld das Prozedere besprochen und Zulassungskriterien erklärt: "Grundsätzlich sind wir für alle offen." Die Zusammenarbeit funktioniere ausgezeichnet. Laut Menichetti soll es künftig bundesweit eine einheitliche Regelung im Umgang mit derartigen Fällen geben.

Dialog

In Linz kam es am Mittwochnachmittag zu einem Krisengipfel zwischen der IRG-Spitze und der Führung der Blutzentrale. In einem einstündigen Gespräch wurden die Probleme angesprochen und Lösungsansätze gesucht. Die Blutzentrale-Chefs distanzierten sich dabei von jeder diskriminierenden Haltung und entschuldigten sich ausdrücklich für die Formulierung ihrer Ärztin. "Die Angelegenheit ist damit für uns soweit aus der Welt geschafft", sagt IRG-Vorsitzender Murat Baser. Das Gespräch sei in sehr angenehmer Atmosphäre verlaufen. Mit der Zusicherung, die gescheiterte Blutspendeaktion bald nachzuholen, ging man wieder auseinander. "Dieser Dialog war sehr fruchtbar und hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig so etwas ist", betont Baser. Am 17. Februar werde noch ein Treffen mit Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger folgen.