Ein Blick ins Höllengebirge in der Region Attersee-Traunsee zeigt, wie schön der Nachthimmel auch (fast) ganz von alleine leuchten kann.

© Peter Oberransmayr

Chronik Oberösterreich
04/08/2021

Region Attersee-Traunsee wird erster "Sternenpark" Österreichs

Reduzierte Lichtverschmutzung im öffentlichen Raum. Die Gemeinden erhoffen sich dadurch Astrotourismus.

von Petra Stacher

Ein Auge schließen und das andere an das kleine Ende des Teleskops legen, staunen und wie Christina Stürmer ein Lied trällern: „Da sind Millionen Lichter in der Welt, Milliarden Farben, sie leuchten so hell, Millionen Lichter über der Stadt. Sie bringen uns sicher durch die Nacht.“

Ist man im Naturpark Attersee-Traunsee, braucht man jedoch gar kein Hilfsmittel, um diese Millionen Lichter zu sehen. Denn die Region wurde zum ersten Sternenpark Österreichs gekürt, wie Oberösterreichs Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz verkündete.

Der Nachthimmel wird in Europa jährlich um etwa sechs Prozent heller. Österreich liegt mit sechs bis acht Prozent sogar über dem Durchschnitt. „Geht das so weiter, gibt es 2040 in Österreich die ersten paar Flecken, wo man gar keinen Stern mehr mit freiem Auge sehen kann“, sagt Astronom Stefan Wallner von der Universität Wien. Zum Teil sei bereits jetzt die prominente Milchstraße nicht mehr zu sehen. Schuld daran ist die Lichtverschmutzung.

Gesunder Schlaf

Reklametafeln, falsche Straßenbeleuchtungen, zu grelles Licht oder Beleuchtungen, die vielmehr auf den Nachthimmel abzielen als auf das eigentlich zu beleuchtende Objekt – all das hat Folgen: Nachtaktive Tiere verlieren ihren Lebensraum. Pflanzen sind gezwungen, auch nachts Fotosynthese durchzuführen, was wiederum ihre Lebenszeit reduzieren kann. Und für Menschen besteht vor allem bei Licht mit hohem Blauanteil Gesundheitsgefahr, wenn die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird.

Der Naturpark Attersee-Traunsee mit den fünf Gemeinden Altmünster, Aurach am Hongar, Schörfling, Steinbach und Weyregg am Attersee sagt all dem seit Jahren den Kampf an. Nun wurde die Region belohnt: Die „International Dark Sky Association“ zertifizierte sie zum Sternenpark. 150 gibt es weltweit, 35 in Europa.

Betriebe involvieren

Dieser Status kommt jedoch nicht von irgendwo. Zahlreiche Kriterien mussten und müssen noch immer dafür umgesetzt werden. So darf etwa Außenbeleuchtung nur dann eingesetzt werden, wenn sie auch wirklich nötig ist – und nur in geringer Menge. Hat eine Außenleuchte mehr als 500 Lumen, gehört sie vollkommen abgeschirmt. Verbaut darf auch nur mehr warmes Licht werden: 3.000 Kelvin dürfen nicht überschritten werden. Beleuchtete Schilder unterliegen zudem einer Regelung hinsichtlich Farbgebung, Helligkeit, Größe und Einschaltzeiten – außerhalb der Geschäftszeiten.

„75 Prozent haben wir schon umgerüstet. Die restlichen 25 Prozent schaffen wir auch noch. Dazu zählen Betriebsbeleuchtungen. Mit diesen sind wir im Gespräch“, sagt Nicole Eder, Bürgermeisterin von Steinbach am Attersee.

Rücksicht
Auch Besucher unterliegen Verhaltensregeln, wenn sie im Sternenpark unterwegs sind. So soll man etwa keine Personen anleuchten. Und auch in die Natur soll nicht wahllos hineingeleuchtet werden.

Lampen
Taschenlampen und Stirnleuchten sollen rot oder orange sein, Campingleuchten nur dort verwendet werden, wo man „wohnt“. Bildschirme sollte man zudem auf Nacht-Modus stellen.

Alle weitere Informationen sind unter www.sternenpark.at abrufbar.

„Das Ganze wird hoffentlich große Nachahmung finden“, zeigt sich Kaineder optimistisch. Denn die Zertifizierung könne auch einen Effekt auf den sogenannten Astrotourismus haben, sei dies in Österreich vorerst ein Alleinstellungsmerkmal: So bietet der Naturpark Attersee-Traunsee etwa Naturerlebnisführungen wie „Vom Armleuchter zum Nachtschwärmer“ an. „Menschen, die Dunkelheit genießen und ihre Sinne schärfen möchten, sind bei uns richtig“, sagt Clemens Schnaitl, Manager des Naturparks.

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