Chronik | Oberösterreich
29.05.2016

Mann drohte mit Amoklauf gegen "Asylanten"

Der 20-Jährige fiel mit nationalsozialistischem Gedankengut auf. Die Spezialeinheit Cobra hat ihn festgenommen.

Die Polizei-Spezialeinheit Cobra hat am Freitag im oberösterreichischen Bezirk Linz-Land einen 20-Jährigen verhaftet. Er soll mit einem Amoklauf gegen Asylwerber gedroht haben. Er wolle "alle Asylanten mit seiner Schrotflinte" niederschießen, drohte der Mann über mehrere Monate hinweg. Bei einer Hausdurchsuchung wurden diverse Waffen und Munition gefunden, heißt es in einer Presseaussendung der Polizei am Sonntag.

Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg

Der 20-Jährige konnte in der Nacht auf Samstag von Cobra-Beamten in der Nähe seiner Wohnung festgenommen werden. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung fand die Polizei neben Waffen auch Devotionalien aus dem Zweiten Weltkrieg. Gegen den Mann wurde ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen. Man brachte ihn in die Justizanstalt Linz.

Seit September vergangenen Jahres hatte er Freunden gegenüber die düsteren Andeutungen gemacht. Seine Drohungen richteten sich dabei immer wieder konkret gegen ein Asylwerberheim in seinem Bezirk. Im Zuge seiner Gewaltfantasien soll der Mann vor seinen Freunden auch immer wieder nationalsozialistische Phrasen gedroschen haben. Zwei Kurznachrichten mit Nazi-Gedankengut wurden ihm ebenfalls zur Last gelegt. Sogar die eigene Großmutter soll er gefährlich bedroht haben.

Amoklauf in Vorarlberg

Am vergangenen Sonntag hat sich eine tödliche Schießerei auf einem Konzertgelände in Nenzing in Vorarlberg ereignet. Ein 27-jähriger Mann schoss nach einem verbalen Streit mit seiner Lebensgefährtin wahllos in die Menge, tötete zwei Menschen und verletzte elf weitere. Anschließend beging der Täter Selbstmord. Der 27-Jährige hatte einen rechtsextremen Hintergrund, er gehörte bis 2010 dem Skinhead-Neonazi-Netzwerk " Blood and Honour" an. Er war dem Landesamt für Verfassungsschutz bekannt.

Die Drohung in Oberösterreich und der tatsächlich stattgefundene Amoklauf in Vorarlberg untermauern den Anfang Mai veröffentlichten Verfassungschutzbericht. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 1.691 rechtsextrem motivierte Delikte zur Anzeige gebracht. Das bedeutet eine Steigerung von 40,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2014 (1.201). Das Verbotsgesetz steht mit 953 Anzeigen an der Spitze, gefolgt von 283 Fällen von Verhetzung. Unter den 912 angezeigten Personen sind 90 Frauen, immerhin 9,9 Prozent.

Der Verfassungsschutz registriert einen "signifikanten Anstieg von Mitgliedern und Sympathisanten" bei rechtsextremen Gruppierungen. Hauptaktivitäten der "Neuen Rechten" sind islam- und asylfeindliche Aktionen gegen Asylwerber und ihre Unterkünfte sowie Betreuungspersonen. Auch jüdische Einrichtungen sowie exponierte jüdische Personen sind häufig auf einen Schutz von Polizei und Sicherheitspersonal angewiesen.