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© APA/RONALD VLACH

Vorarlberg
05/28/2016

Was wir bisher vom Amoklauf in Nenzing wissen

Am vergangenen Sonntag tötete ein 27-Jähriger in Vorarlberg zwei Menschen und anschließend sich selbst.

Auf dem Festgelände des Motorradclubs "The Lords" feierten rund 150 Personen, das Publikum beschränkte sich aber nicht nur auf Motorradfans. Gegen drei Uhr morgens geriet ein 27-jähriger Vorarlberger auf dem Parkplatz des Konzertgeländes in einen heftigen Streit mit einer Frau. Als die Auseinandersetzung eskalierte, holte der Mann aus seinem Fahrzeug eine Langwaffe und eröffnete wahllos das Feuer auf die Konzertbesucher. Was wir bisher wissen.

Der Tathergang

Bei einer Pressekonferenz am Tag nach dem Amoklauf in Nenzing zeichneten die Verantwortlichen der Vorarlberger Polizei den Tathergang minuziös nach: Mit seiner Lebensgefährtin geriet der 27-Jährige offenbar in einen verbalen Streit, woraufhin er das Konzert verließ, einen Firmenwagen bei seinem Arbeitgeber holte und nach Hause fuhr.

Nach etwa drei Stunden kehrte der Mann zurück, es kam zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit seiner Freundin im Barbereich, woraufhin beide zum auf dem Parkplatz abgestellten Fahrzeug gingen. Um drei Uhr holte der 27-Jährige nach einem weiteren verbalen Gefecht ein Gewehr aus einer Sporttasche und begann wahllos auf die etwa 80 Meter entfernten Festbesucher, die sich im Barbereich befanden, zu schießen. Nachdem Gregor S. das Magazin seines vollautomatischen Sturmgewehrs leer geschossen hatte, legte er ein weiteres Magazin ein und tötete sich selbst durch einen Schuss in den Mund.

Die Lebensgefährtin, mit der der Täter ein gemeinsames Kind hat, flüchtete, meldete sich kurz darauf bei der Polizei und gab die Identität des Amokläufers bekannt. Sie sei psychisch sehr angeschlagen gewesen, konnte aber als Erste einvernommen werden. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Täter noch weitere Waffen besaß.

Als der 27-jährige Amokschütze wild um sich schoss, haben mehrere Mitglieder des Motorradklubs auf den Mann eingewirkt und damit möglicherweise noch Schlimmeres verhindert. "Es gab Personen, die auf den Mann eingeredet haben", bestätigte die Vorarlberger Polizei einen entsprechenden KURIER-Bericht. Man habe alles getan, um den Attentäter zu stellen. "Drei von uns gingen auf den wild um sich Schießenden zu und konnten ihn letztlich hindern, weiter in die Menge zu schießen", Dietmar Halbeisen, Präsident des Motorradklubs "The Lords".

Die Opfer

Im Kugelhagel kamen zwei Männer ums Leben, zwölf weitere Menschen wurden durch Streif-, Steck- und Durchschüsse teils schwer verletzt. Bei einem der Todesopfer handelt es sich um einen 48-jährigen Mann aus Nenzing, der in Liechtenstein arbeitete. Er kam durch einen Schuss in den Oberkörper ums Leben - letztlich starb er an Blutverlust. Beim zweiten Todesopfer handelt es sich um einen 33-jährigen Arbeiter aus Lustenau, er wurde durch einen Kopfschuss getötet. Er war ebenso wie der 48-Jährige aus Lustenau polizeilich nicht bekannt.

Von den Verletzten konnten zwei Personen das Krankenhaus noch am Sonntag verlassen, ein Mann nahm keine ärztliche Behandlung in Anspruch. Alle anderen Personen befanden sich zunächst noch in stationärer Behandlung.

Keine Entwarnung hingegeben gab es am Mittwoch hinsichtlich der Situation eines 1962 geborenen Mannes, der angeschossen und schwerverletzt worden war. Er befand sich weiter in kritischem Zustand.

Der Täter

Der 27-jährige Mann hatte einen rechtsextremen Hintergrund. Wie die Vorarlberger Polizei bestätigte, gehörte er bis 2010 dem Skinhead-Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour" an. Er war dem Landesamt für Verfassungsschutz bekannt. Die Organisation "Stoppt die Rechten" nannten den Täter einen "langjährigen Aktivisten der Vorarlberger Neonazi-Szene", der 2005 erstmals einschlägig erwähnt wurde. Demnach überfiel er damals mit anderen Neonazis ein Punkkonzert in Bludenz. Die Täter waren mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet. Nach einigen Attacken nahm die Polizei sie fest und zeigte sie wegen Körperverletzung an.

Seine Gesinnung ist auch an seinem Facebook-Konto erkennbar. Unter "Freunden" findet man laut "Stoppt die Rechten" fast alle Größen der Vorarlberger Neonazi-Szene. Unter "Gefällt mir" sind unter anderem die Holocaust-Leugner Ursula Haverbeck und Horst Mahler, die mittlerweile unbetreute Facebook-Seite der Neonazi-Plattform "alpen-donau.info", Teilorganisationen der "Europäischen Aktion" und die "Nationale Front" vermerkt.

Seit 2010 sei der Mann - er arbeitete als Installateur und hatte mit seiner Partnerin ein 17 Monate altes Kind - aber nicht mehr aufgefallen. Zwischen 2005 und 2010 wurde er acht Mal rechtskräftig verurteilt. Es handelte sich dabei um die Delikte Körperverletzung und gefährliche Drohung, ebenso hatte er gegen das Waffengesetz verstoßen. Seit 2004 bestand gegen ihn ein Waffenverbot. 2015 beantragte der Mann die Aufhebung des Waffenverbotes, die ihm aber verwehrt wurde.

Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour"

Das Skinhead-Neonazi-Netzwerk "Blood and Honour" wurde in den 80er-Jahren vom Sänger der britischen Nazi-Band Screwdriver, Ian Stuart Donaldson, gegründet. Überall auf der Welt entstanden seither "Blood and Honour"-Divisionen, die wiederum in Sektionen unterteilt sind. In Österreich existiert unter anderem eine Gruppierung in Vorarlberg.

Gleichsam der bewaffnete Arm von "Blood and Honour" war "Combat 18" (18 steht für den ersten bzw. den achten Buchstaben des Alphabets und ist somit ein Code für die Initialen Adolf Hitlers, Anm.). Auf das Konto der Gruppe gingen in Großbritannien mehrere Anschläge. 2003 wurde in Schleswig-Holstein eine Zelle gleichen Namens ausgehoben.

Die Waffe

Der 27-jährige Täter hat mit einem Nachbau einer Kalaschnikow auf die Menschen geschossen. "Es handelt sich dabei um eine Kriegswaffe, die in Österreich verboten ist", sagte Chefinspektor Norbert Schwendinger in Bregenz. Insgesamt habe der Mann 30 Schüsse abgegeben. Am Tatort konnte die Polizei ein leeres Munitionsgehäuse sicherstellen, das 30 Patronen fasst. Bei der Durchsuchung seines Autos wurde eine zweite vollautomatische Waffe entdeckt, sie sei von derselben Bauart wie die Tatwaffe, sagte Schwendinger.

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei eine Gaspistole und rechtsextreme "Bücher und schriftliche Unterlagen". Woher der Mann die Waffen bezogen habe, wisse man nicht, sie könnten aber aus Serbien stammen.

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