Ersten Vorzeigeprojekten, wie kühlende Fassaden und Dachbegrünungen, sollen in Linz weitere folgen

© Hausgemeinschaft Perotti

Chronik Oberösterreich
10/21/2019

Linz als „Klimahauptstadt Europas“

Landeshauptstadt will urbanes Vorzeigemodell für Klimamaßnahmen werden.

von Wolfgang Atzenhofer

Dem Verkehrskollaps mit Rekordwartezeiten im Stau für die Pendler am vergangenen Mittwoch setzte die Linzer Stadtpolitik am nächsten Tag einen Kontrapunkt entgegen. Bei einer vierstündigen Klausur aller Gemeinderatsfraktionen wurde Einigung darüber erzielt, Linz zur „Klimahauptstadt Europas“ zu machen. Angesichts der Automassen und der Überschreitung der EU-Grenzwerte in der Linzer Luft haben die Stadtverantwortlichen da ein ehrgeiziges Ziel ins Visier genommen.

Schon im Juli hat sich der Gemeinderat dazu bekannt, analog zum Projekt „Friedensstadt“ Linz auch zur „Klimastadt“ zu machen. Im vergangenen Sommer wurden in Österreichs drittgrößter Stadt die meisten Hitzetage der Messgeschichte verzeichnet. Die Parteien überfluteten den Gemeinderat geradezu mit weit über 100 Anträgen zu Klimathemen.

Um System in den Katalog an Notwendigkeiten und Wünschen zu bringen, organisierte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) eine Klimaklausur. Dort sei es gelungen, Nägel mit Köpfen zu machen, hieß es danach. „Die ersten Schritte, um Linz beim Klimaschutz auf Schiene zu bringen, sind eingeleitet. Besonders erfreulich ist, dass nun alle das Ziel verfolgen, unsere Stadt zur Klimahauptstadt Europas zu machen“, schilderte die grüne Umweltstadträtin Eva Schobesberger. Auch Luger zeigte sich optimistisch. Er sei zuversichtlich, dass das Klimaprogramm bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 7. November beschlossen wird, meinte er.

Vorhaben

Etliche wichtige Grundlagen wurden bei der Klausur außer Streit gestellt. So wird ein Stadtklimatologe im Rathaus angestellt. Weiters werden alle Initiativen, die bei Baumaßnahmen für Begrünung und kühlende Effekte sorgen, forciert. In den Bebauungsplänen wird es wohl neue Vorgaben geben, wobei Kühlungskorridore in der Stadt besonders geschützt werden. Der städtische Energiebetrieb Linz AG muss Fernwärme und klimaneutrale Raumkühlung weiter ausbauen. 2020 wird damit begonnen, 1.000 neue Bäume zu pflanzen.

Im Themenbereich Mobilität und Verkehr haben die Linzer Politiker zwar die meisten Anträge eingebracht. Alle wollen den Individualverkehr zurückdrängen. Doch angesichts der enormen finanziellen Anforderungen bei Ausbau des öffentlichen Verkehrs – Stichwort: zweite Schienenachse – ist die Stadt dabei auf Hilfe von Bund und Land angewiesen.