Chronik | Oberösterreich
11.11.2018

Leopoldimarkt: 3000 stürmen Furthmühle

Furthmühle. Diese Mühle in Pram, deren Ursprünge ins Jahr 1371 zurückreichen, ist heute zwar ein Museum, aber noch immer höchst lebendig.

„Es gibt nur echtes Kunsthandwerk, keine Handelsware.“ Meinrad Mayrhofer (59), freischaffender Bildhauer und Obmann des Kulturvereins Furthmühle in Pram (Bez. Grieskirchen, nahe Ried/I.), erwartet für den Leopoldimarkt mehr als 3000 Besucher. Rund 60 Aussteller präsentieren am kommenden Wochenende (Sa. 17.11., 13-18 Uhr, So. 18.11., 11-18 Uhr) ihr selbst Erzeugtes. Eine Besonderheit sind zum Beispiel die Damaszener-Messer mit ihren speziellen Klingen, die von Michael Ziegelböck aus dem benachbarten Haag am Hausruck geschmiedet werden. Weitere Produkte sind Schmuck, Holz- und Drechselwaren, Keramik, etc. Gaumenfreuden wie Wild- und Erdäpfelsuppe, frische Krapfen und andere regionale Schmankerl erwarten die Gäste.

Das Ambiente der Furthmühle könnte kaum angenehmer sein. Obwohl es sich um eine stillgelegte Mühle mit Maschinen handelt, vermitteln die Räume, die sich über mehrere Stockwerke hinaufziehen, mit ihren menschlichen Maßen Gefühle der Geborgenheit und des Daheimseins. Dabei muss Meinrad Mayrhofer nur den Schalter umlegen und die gesamte Mühle läuft wie geschmiert. Es ist phantastisch. Besser wie im Film.

Die technische Ausstattung stammt aus der Zeit von 1898 bis 1950. Besonders spannend sind die verschiedenen Formen der Energieerzeugung. Gezeigt werden ein vier Meter hohes Wasserrad, eine 210 PS starke Dampfmaschine, zwei Dieselmotoren mit den Baujahren 1925 und 1927 und eine Francisturbine.

Dass es die Mühle, die die Gemeinde Pram 1990 erworben hat, erhalten geblieben ist, ist ein kleines Wunder, das der Initiative sensibler und kulturaffiner Menschen zu verdanken ist. Denn sie sollte abgerissen werden und einem neuen Bauhof, dem örtlichen Altstoffsammelzentrum und dem neuen Feuerwehrdepot weichen. Zu den Aktivisten gehör(t)en Alois Wimmersberger (71), der frühere Leiter der Bezirksbauernkammer, und Meinrad Mayrhofer. Sie fanden mit ihrem Anliegen sowohl beim Bürgermeister als auch beim Landeskulturreferenten und Landeshauptmann Josef Ratzenböck offene Ohren. Aber es gab in der Bevölkerung erheblichen Widerstand. Eines Abend brannte es völlig überraschend. Das Feuer konnte gelöscht werden, die historischen Gebäude blieben erhalten. Heute wird das Museum im Rahmen eines EU-Regionalprojekts gefördert, was das Engagement der Projektleiterin Carina Schachinger (28) ermöglicht.

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Furthmühle Pram

In diese Leinensäcke wird das Mehl abgefüllt, das anschließend abgewogen wird.

Furthmühle Pram

Dieses Team hält die Furthmühle am Leben

Furthmühle Pram

Das Wasser der Pram treibt das vier Meter hohe Wasserrad an

Die Mühle hat früher 20 Leute beschäftigt und war damit der größte Arbeitgeber in Pram. Denn es gehörte eine Landwirtschaft mit 20 Hektar Grund und ein Sägewerk dazu. Der Name kam von Furt, jener Stelle, wo man den Pram-Bach durchqueren konnte. Die Pram entspringt im fünf Kilometer entfernten Hausruckwald. Wimmersberger: „Der Wasser hat ein relativ starkes Gefälle, das es in der Vergangenheit ermöglicht hat, im Ort zehn Mühlen zu betreiben.“

Pram hat heute rund 1700 Einwohner. Ein Einschnitt war der Bau der Innkreisautobahn im Jahr 1987, die das Gemeindegebiet durchschneidet. Viele Bauern waren davon betroffen, sie mussten Gründe abtreten, der Ruf der Gemeinde litt. Die Bewohner konnten die Installierung von Lärmschutzwänden durchsetzen. Heute sehen die   Pramer die Autobahn als Potenzial, denn sie sind in 45 Minuten im 75 km entfernten Linz. Umgekehrt sind die Linzer in 45 Minuten über die Abfahrt Haag/H. in Pram, um den Leopoldimarkt  besuchen zu können.