Braunau: Neue Funktion für Hitlers Geburtshaus
Am 22. Juli zieht die Polizei in dem Gebäude ein
Kaum ein Gebäude in Österreich ist derart umstritten wie das Objekt mit der Adresse Salzburger Vorstadt 15 in Braunau. In diesem Gebäude, errichtet im 17. Jahrhundert, kam 1889 Adolf Hitler zur Welt; seine Eltern zogen drei Jahre später mit ihm nach Passau um.
Rechtsextreme Pilgerstätte
Auch wenn der Diktator nur wenige Jahre in der Stadt am Inn in Oberösterreich verbracht hatte, war sein Geburtshaus auch Jahrzehnte nach dem Fall des NS-Regimes rechtsextreme Pilgerstätte.
Das lag an der Bedeutung, die die Nazis selbst diesem Gebäude zugeschrieben hatten: Im Mai 1938 wurde es von der NSDAP erworben und vom NS-Kulturministerium als „Geburtsstätte des Führers“ unter Denkmalschutz gestellt.
Bis in die 2000er Jahre hinein tauchten regelmäßig Neonazis auf, die speziell um den 20. April, Hitlers Geburtstag, vor dem Haus Blumen niederlegten und Fotos machten – „deutscher Gruß“ inklusive.
Mahntafel gegen Faschismus
Eine Art von Tourismus, den sich die Stadt Braunau verbat, die 1989 eine Mahntafel gegen Faschismus vor dem Haus errichten ließ. Der Stein, in dem die Inschrift gemeißelt ist, stammt aus dem Konzentrationslager Mauthausen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gebäude an die ursprünglichen Eigentümer zurück, wurde aber gleichzeitig von der Republik Österreich angemietet.
Bibliothek, Bank, Schule
Die Stadt Braunau brachte bis in die 1960er Jahre ihre Bibliothek darin unter, es folgten eine Bank, eine Schule sowie eine Tagesheimstätte für Menschen mit Behinderung. Seit 2011 stand das Haus leer, eine weitere Nutzung fand sich auch wegen fehlender Barrierefreiheit nicht mehr.
Da lief aber schon längst die öffentliche Diskussion, wie mit diesem Haus, seiner Geschichte und den Folgen – Stichwort Neonazi-Pilgerstätte – umzugehen sei, angestoßen zu Beginn der 2000er Jahre von einem Braunauer Zeitgeschichteverein.
2016 schaltete sich auch die Bundespolitik ein: Das Innenministerium ließ die Enteignungsmöglichkeiten prüfen, nachdem das Haus seit fünf Jahren leer stand und die Republik dennoch monatlich rund 5.000 Euro Miete überwies.
Am 15. Dezember 2016 beschloss der Nationalrat mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, Grünen und Neos jenes Gesetz, das den Weg zur Enteignung ebnete.
Zeitgleich verpflichtete sich die Republik, die „Liegenschaft im Eigentum zu behalten und diese einer Nutzung zuzuführen, die der dauerhaften Unterbindung der Pflege, Förderung oder Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts oder eines bejahenden Gedenkens an den Nationalsozialismus dient.“
Doch ab dem Moment wurde es kompliziert.
Haus unter Denkmalschutz
Der damalige ÖVP-Innenminister, Wolfgang Sobotka, überlegte erst einen Abriss, dann die Umgestaltung in der Weise, dass das Haus „in seiner Außenform nicht mehr erkennbar“ wäre.
Allerdings stand das Gebäude zu dem Zeitpunkt als „Teil eines Ensembles“ seit mehr als 20 Jahren unter Denkmalschutz.
2019 zog Innenminister Wolfgang Peschorn – er war Mitglied der Übergangsregierung – den Schlussstrich: Er kündigte an, dass das Gebäude adaptiert werde, um Polizistinnen und Polizisten als Arbeitsplatz zu dienen.
Nutzung durch die Polizei
„Durch die zukünftige Nutzung des Hauses durch die Polizei soll ein unmissverständliches Zeichen dafür gesetzt werden, dass dieses Gebäude für immer einer Erinnerung an den Nationalsozialismus entzogen ist“, begründete Peschorn.
EU-weit wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den das Vorarlberger Büro „Marte.Marte Architekten“ für sich entschied. Die Umbauarbeiten begannen im Oktober 2023, am 22. Juli 2026 ziehen Polizeiinspektion Braunau und das Bezirkspolizeikommando in Salzburger Vorgartenstraße 15 ein.
Münchner Vorbild
Ein Modell, das ein Vorbild in München hat: In dem Haus am Prinzregentenplatz 16, in dem Adolf Hitler ab 1929 wohnte, zog bereits 1949 eine Polizeiwache ein.
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