Chronik | Oberösterreich
09.11.2017

Dachstein: Fünf Tage in Felsspalte überlebt

45-jähriger Deutscher wurde am Dachstein aus 30 Meter tiefer Doline gerettet.

Die Gunst des Schicksals, aber auch sein besonnenes Verhalten in einer fast ausweglosen Situation retteten einem 45-jährigen Bergsteiger am Dachstein in Oberösterreich das Leben. Der Deutsche konnte erst am fünften Tag, nachdem er am Samstag auf über 2000 Metern Seehöhe in eine 30 Meter tiefe Felsspalte gestürzt war, einen Notruf absetzen. Donnerstagfrüh holten Rettungsmannschaften den Verletzten aus der Doline.

"Er hatte viel Glück, aber auch gute Ausrüstung und Verpflegung dabei", schildert der Einsatzleiter der oö. Bergrettung, Christoph Preimesberger. Auch Schneewasser, das immer wieder in das Loch tropfte, nützte der Verunglückte. "Außerdem hatte es in der Tiefe nicht die satten Minusgrade wie im Freien", nennt der Bergretter Gründe, wie der Deutsche in dieser misslichen Lage überleben konnte. Am Schneehang war der Mann Samstag in die Doline abgerutscht. Oftmals dürfte er vergeblich versucht haben, mit seinem Handy einen Notruf abzusetzen. Dabei achtete der Bergsteiger penibel darauf nicht zuviel Energie zu verbrauchen und schaltete das Telefon immer wieder ab. In der Nacht auf Donnerstag schaffte er es schließlich gegen Mitteranacht, die Bezirksleitstelle der Polizei in Gmunden zu erreichen.

Kaum Handy-Empfang

Die Meldung kam aber unverständlich und unterbrochen an. Per SMS konnte ein Beamter mit dem Unfallopfer Kontakt herstellen. "Der Abgestürzte hat seine Koordinaten durchgegeben, das hat ihm das Leben gerettet, sonst hätten wir nach einer Stecknadel im Heuhaufen gesucht", schildert Preimesberger.

20 Bergretter und Alpinpolizisten stiegen nach Mitternacht bei widrigsten und lebensgefährlichen Verhältnissen auf, um den Mann aus Duisburg zu retten. Im Raum Gosau hatten sich die Bergretter am Mittwoch schon auf die Suche nach dem Deutschen vorbereitet. Sein Vater hatte am Montag in Duisburg Vermisstenanzeige erstattet. Das verschneite Mietauto des Abgängigen war beim Gosausee geortet und am Mittwoch von Polizisten gefunden worden. Donnerstag gegen vier Uhr in der Früh wurde der Hilflose nahe der Adamek-Hütte tatsächlich gefunden und schließlich gerettet.

Ansprechbar

Er war ansprechbar und hatte vergleichsweise harmlose Verletzungen an der Schulter und am Sprunggelenk. Als es hell genug war, wurde er vom ÖAMTC-Notarzthubschrauber ins Klinikum Wels geflogen. Dort musste er operiert werden. Es bestand keine Lebensgefahr. Primarius Günter Huemer stufte die Verletzungen ob der großen Höhe des Absturzes als "relativ gering" ein. Extra betonte der Intensivmediziner, dass die Rettungskräfte exzellente Arbeit geleistet haben. Weiters sei dem Patient eine ausgezeichnete physische Konstitution zu Gute gekommen.