Stromtrassen sind bei den Anrainern unbeliebt

© APA/dpa/unbekannt

Neos
11/24/2019

Erdkabel statt 110-kV-Leitungen

Die Neos-Abgeordnete Karin Doppelbauer will die internationalen Standards auch in Österreich umsetzen.

von Josef Ertl

Der Widerstand in der betroffenen Bevölkerung gegen den Bau von 110-kV-Freileitungen ist stark. Im Almtal, im Innviertel und im Mühlviertel gibt es Bürgerinitiativen, die sich für die Alternative Erdkabel einsetzen. Die oberösterreichische Neos-Abgeordnete Karin Doppelbauer unterstützt deren Anliegen und hat im Nationalrat den Antrag eingebracht, der die verpflichtende Verwendung von Erdkabel vorsieht.

Wie in der Schweiz und Deutschland

Doppelbauer beruft sich in der Antragsbegründung auf entsprechende Regelungen in der Schweiz und in Deutschland. „Um Österreich hier an den internationalen Standard anzupassen, um den Schutz des Landschaftsbildes sowie betroffener Naturräume zu gewährleisten und um Konflikte zwischen für die Energiewende notwendigen Infrastrukturprojekten und betroffenen Anrainern zu minimieren, ist es notwendig, einen klaren, bundesweit einheitlich rechtlichen Rahmen zu schaffen, sodass Hochspannungsleitungen auf neuen Trassen mit einer Nennspannung von 110 kV oder weniger unter entsprechenden Voraussetzungen als Erdkabel auszuführen sind.“

Höhere Kosten in Kauf nehmen

Die von der Stromwirtschaft als Gegenargument eingebrachten deutlich höheren Kosten von Erdkabeln lässt Doppelbauer nicht gelten. Im Antrag gibt sie als Kostenhöchstgrenze für Erdkabel das 2,5-Fache der 110 kV Leitung an. Sie argumentiert, dass die Wartungsarbeiten bei Freileitungen viel höher seinen. Denn nach 40 Jahren müsste man sie austauschen. „Dieser Austausch kommt dann noch einmal auf 50 Prozent der ursprünglichen Errichtungskosten.“

Widerstand der Anrainer ernst nehmen

Doppelbauer ist der Meinung, dass die Politik den Widerstand der betroffenen Bürger akzeptieren müsse. So seien zum Beispiel im Innviertel 59 Bauern enteignet worden. Sie hegt auch den Verdacht, dass später an den neu errichteten Strommasten 220 oder 380 kV Leitungen montiert würden. Die Errichtung der Stromtrassen schädige nicht nur die betroffenen Anrainer, sondern auch den sanften Tourismus, den das Land propagiere.

Die Grünen und die SPÖ hätten im Nationalrat bereits Zustimmung zu ihrem Antrag signalisiert, so Doppelbauer.