© Ingrid Bahrer-Fellner

Chronik Oberösterreich
09/15/2019

Kreuzfahrtschiffe auf der Donau: "Situation bedarf einer Regelung"

Jährlich legen in Linz 2000 Schiffe mit rund 300.000 Gästen an. Der Zustrom gefährdet den Donaupark und stößt zunehmend auf Widerstand.

von Josef Ertl

Der Bayer Georg Steiner ist seit 2007 Linzer Tourismusdirektor. Der 61-Jährige ist auch Obmann der Passauer CSU und bewirbt sich um das Passauer Bürgermeisteramt.

KURIER: Der zunehmende Kreuzschifffahrtstourismus belastet Linz, vor allem den Donaupark. Die Hauptkritik lautet, die Schiffe bringen Linz lediglich Abgase und Müll, aber kein Geschäft.

Georg Steiner: Das ist nicht richtig. Aufgrund einer Wertschöpfungsstudie wissen wir, dass der Gast durchschnittlich 30 Euro in der Stadt lässt. Die Gäste kaufen teilweise auch sehr hochwertige Dinge wie zum Beispiel Uhren. Obwohl sie Vollpension haben, erzählen mir zum Beispiel die Brüder Gallistl, dass das Pöstlingbergschlössl täglich ein, zwei Tische an Kreuzfahrtgästen hat. Nicht enthalten sind hier die Ausflugsprogramme, die gebucht werden. Es werden auch viele Touristenguides engagiert.

Die Busse blockieren die Spazierwege im Donaupark. Da stehen acht Busse hintereinander mitten im Park, alle mit Passauer Kennzeichen. Die Busse parken und sind abgesperrt, es sind keine Chauffeure da. Warum können die Kreuzfahrtschiffgäste nicht die 30 Meter bis zum Brucknerhaus gehen und dort einsteigen?

Bei den Kreuzfahrtschiffen hat man es tendenziell mit älteren Menschen zu tun. Die Bequemlichkeit ist wichtig für die Gäste.

Es würde sich lediglich um einen Gehweg von 30 bis 50 Meter handeln.

Ich kann die Kritik am Parken nachvollziehen. Das sind Dinge, die anders geregelt gehören. Wir sind uns darin einig, dass die ganze Situation einer Regelung bedarf.

Man muss trennen zwischen dem, was sich zwischen Lentos und Nibelungenbrücke abspielt und dem, was im Donaupark ist. Dort ist nur eine Anlegestelle. Sie ist schwierig platziert und gehört nicht zur Werbegemeinschaft Donau (WGD). Sie ist eine private Anlegestelle der Firma Brandner aus Wallsee. Sie darf nicht die gesamte Diskussion bestimmen, man muss sie gegebenenfalls anders organisieren.

Warum parken die Busse nicht unterhalb des Lentos, wo es genügend Fläche gibt? Die Gäste können dort auch zusteigen. Es ist doch zumutbar, dass sie 100, 200 Meter zu Fuß gehen.

Wenn diese Regelung so kommen sollte, wird man damit leben können. Momentan ist es bequemer, wenn die Busse direkt zu den Schiffen fahren können. Das Problem ist, dass es zu der Zeit, als das Lentos geplant und gebaut worden ist, es noch fast keine Kreuzschifffahrt gegeben hat. Der Erfolg, dass heute 2000 Schiffe jährlich in Linz anlegen, fällt uns jetzt auf den Kopf. Sind wir froh, dass wir Erfolg haben!

Die Fahrbahnbreiten sind zum Beispiel nicht darauf ausgelegt, dass zwei Schiffe nebeneinander und vier Schiffe hintereinander liegen. Da hat sich die Planung nicht weiterentwickelt. Jetzt ist der Punkt, wo man sagt, es gehört etwas gemacht. Aber das ist nicht Sache des Tourismusverbandes. Ich habe das Interesse, dass unsere Gäste möglichst gut serviciert werden. Wie das planungsmäßig und straßenrechtlich zu handhaben ist, muss vom Magistrat kommen.

Da ist Vizebürgermeister Markus Hein zuständig.

Ja, er ist dafür zuständig.

Sie sind lediglich für das Marketing verantwortlich und schauen, dass Sie möglichst viele Gäste nach Linz bringen.

Genau, das ist mein Job. Es war aber immer unsere Strategie, dass wir in Linz einen Tourismus haben, der in großer Akzeptanz der Einheimischen passiert. Wenn die Dinge sich jetzt so hochschaukeln, haben wir daran Interesse, dass sich das wieder beruhigt.

Was sind Ihre Vorschläge? Hein fordert von Ihnen ein Konzept.

Hein will ein Konzept, dass die Gäste mehr in Linz bleiben. Wir haben das aber schon über die ganzen Jahre gemacht. Die Schiffe stehen hier zwischen 10 und 24 Stunden. Die Landstromversorgung ist durch Landesrat Achleitner und durch die Via Donau massiv in die Wege geleitet worden. Sie wird kommen, damit ist das Abgasthema weg.

Bei der Müllentsorgung ist die Linz AG gut im Geschäft. Das bringt auch Geld. Man muss weiter unten im Hafen eine Lände schaffen, wo die Müllentsorgung passiert. Das ist auch organisierbar.

Wie viele Busse zu den Schiffen fahren können, hängt davon ab, ob man die Straße etwas aufweiten kann.

Man könnte die Anlage stellen an die Urfahraner Seite oder in den Hafen verlegen. Dort ist asphaltiert, da ist kein Park, dort können die Busse problemlos parken.

Ich finde es sehr, sehr positiv, dass die Anlegestellen hier entstanden sind. Es ist das Besondere an Linz, dass die Gäste nach ein paar Metern in der Stadt sind.

Wenn die Schiffe an der anderen Uferseite anlegen, haben die Gäste nur einen Kilometer weiter.

Die Gäste schätzen es, dass sie sehr schnell in der Stadt sind. Das bringt uns in eine andere Position als Wien.

Wenn man noch mehr Anlegestellen braucht, muss man überlegen, dass man sie an der Urfahraner Seite anbringt. Die Werbegemeinschaft Donau würde gern mehr Anlegestellen bauen, weil der Bedarf da ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Essen und die Getränke für die Schiffe aus dem Ausland angeliefert werden. Selbst die Wäsche wird nicht hier gewaschen.

Ich kann das nicht im Detail sagen, ich weiß nur, dass teilweise lokal angeliefert wird.

Von wem?

Von Bäckereien und Metzgereien. Wir haben gemeinsam mit der Wirtschaftskammer runde Tische durchgeführt, wo lokalen Unternehmen die Möglichkeit eröffnet wurde, die Schiffe zu beliefern.

Vizebürgermeister Hein ist darüber erzürnt, dass Ihr Tourismusverband und die Wirtschaftskammer eine eigene Abfahrt von der neuen Eisenbahnbrücke durch den Donaupark hin zu den Schiffen beantragt haben. Das ist für ihn „grenzdebil“.

Wir haben gar nichts beantragt. Der Stadtsenat hat einen Beschluss gefasst, in dem der Tourismusverband gebeten wird, die Koordination für die Koordinierung der Anlegestellen zu übernehmen. Wir haben die Stadträtin Fechter, Hein, Mayrhofer und Baier alle an einem Tisch gehabt. Wir haben diskutiert, wo Handlungsfelder sind. Wir haben dann darüber geredet, ob man nicht eine Zufahrt von der Eisenbahnbrücke macht. Wir sind nicht für die Verkehrsregelung zuständig.

Es gibt auch an Ihnen persönlich Kritik, die da lautet, Sie sorgen für Aufträge für Passauer Unternehmen, damit sich Ihre Chancen für den Passauer Bürgermeistersessel verbessern.

Das ist unglaublich. Die gute Entwicklung für die Donauschifffahrt gibt es seit Jahren, nicht erst seit gestern. Es haben sich an der Donau einige Player sehr gut entwickelt. Wir haben sukzessive versucht, dass mehr Schiffe anlegen, um Linz ins Geschäft zu bringen. Das hat mit meinem Passauer Engagement nicht das Geringste zu tun. Das muss ich mit aller Vehemenz von mir weisen. Ich hätte selbst auch gern mehr Linzer im Geschäft. Aufgrund meines politischen Engagements in Passau werde ich nun zum Freiwild gemacht.

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