Johanna Haider mit ihrer Mühle

© HERMANN WAKOLBINGER

Chronik Oberösterreich
12/26/2020

„Bio ist Umdenken und eine Lebenseinstellung“

Landesbäuerin Johanna Haider pflanzt in Engerwitzdorf biologisches Getreide und bäckt Brot. Die Umstellung macht sich bezahlt, die Nachfrage nach ihren Produkten wächst.

von Josef Ertl

„Um das Jahr 2000 habe ich schon überlegt, den Hof auf bio umzustellen. Wir waren zwar ein konventioneller Betrieb, haben aber immer nur das Notwendigste gespritzt. Man hat zwar mehr Ertrag, aber man muss auch mehr investieren.“ Schließlich konnte Johanna Haider (50) auch ihren Mann Heinrich (55) überzeugen. Denn: „Ich frage mich, wie möchte ich mich ernähren? Was möchte ich für mich selbst und für meine Familie haben? Das hat mich 2007 bewogen, den Hof biologisch zu führen.“

Bei ihrem Mann habe ein großes Umdenken stattfinden müssen. „Er hat immer gesagt, das Weizenfeld ist so schön, wenn da kein Grün rausschaut. Das war für ihn ein tolles Bild. Mein Antrieb war immer, das muss man doch auch anders, ohne Spritzmittel, hinkriegen.“ Der konventionelle Bauer habe ebenfalls ein großes Wissen über die Landwirtschaft, der biologische dasselbe, nur müsse dieser sich Gedanken machen, wie er mit den Beikräutern umgehe, damit sie nicht das Saatgut und die Kultur überwucherten. „Das geht nicht von heute auf morgen, man muss vieles ausprobieren, man zahlt Lehrgeld.“

Als Biobetrieb erziele man natürlich einen geringeren Ertrag, aber man bekomme für seine Produkte Zuschläge, „es gleicht sich wieder aus“. Es gebe mehr Arbeit. Während der konventionelle Bauer mit der Spritze fahre, gehe sie mit Ampferstecher und steche das Unkraut aus.

Johanna Haider führt in Engerwitzdorf einen 14 Hektar großen Hof, den sie von ihren Eltern übernommen hat. Der Hausname ist Gratzer z’Gratz. „Das war damals ein traditioneller Mischbetrieb mit Kühen, Stieren und Schweinen.“ Brot wird schon seit 1995 gebacken, „wir sind auf den Markt gefahren“. 1995 wurde der Kuhstall neu gebaut, die Kuhhaltung wegen des niedrigen Milchpreises 2003 jedoch aufgegeben. Und weil sie nicht ohne Tiere sein kann, hat sie sich 30 Kamerunschafe eingestellt.

2003 ist sie in ihren erlernten Beruf als Einzelhandelskauffrau zurückgekehrt. Mit 20 Stunden wöchentlich, als Verkäuferin in der Fleischhauerei Riepl in Gallneukirchen. Sie hat mit ihrem Mann, der Produktionsleiter in einem Lebensmittelbetrieb ist, vier Söhne: Dominik (29), David (27), Benedikt (25) und Michael (21).

Sie baut Roggen, Dinkel, Weizen und Mais an. Aus Gründen der Fruchtfolge auch Klee. Jedes Jahr kommt eine andere Frucht dazu, im Vorjahr Leinsamen. Der Mais wird gemahlen und dem anderen Getreide zugemischt, Maismehl dient beispielsweise zum Kochen von Polenta.

Pro Woche verbäckt sie rund 35 kg Mehl. Zum Beispiel für den Zwiebelkranz, eine Roggen-Dinkel-Weizen-Mischung, der 400 Gramm wiegt, für das Dinkelweckerl (60 % Dinkel, 20 % Weizen, 20 % Roggen), für das Nussbrot, das Jausenleiberl und für das Bauernbrot (60 % Roggen, 40 % Dinkel, ohne Germ, nur Sauerteig). Das Vollkornbrot besteht zu gleichen Teilen aus Roggen und Dinkel, der Brioche ist rein aus Weizen, Weiters gibt es noch das Dinkelstangerl und die Kräuterrose. Verkauft wird Mittwoch und Freitag, entweder direkt ab Hof oder beim Lagerhaus in Engerwitzdorf. Ihre Produkte sind neuerdings auch beim Spar in Rainbach und bei Frau Steininger von der Bruckmühle in St. Georgen erhältlich.

Seit ihrer Bestellung zur Landesbäuerin im vergangenen Jahr hat sie ihre Arbeit als Verkäuferin aufgegeben, sie konzentriert sich voll auf den Betrieb, denn die Nachfrage wird stärker. Zudem ist sie seit 1997 ÖVP-Gemeinderätin, 2003 ist sie Ortsbäuerin geworden, 2016 Bezirksbäuerin von Urfahr-Umgebung. „Politische Bildung war schon in der Schule mein Lieblingsfach.“ Nun tritt sie am dritten Listenplatz (hinter Präsidentin Michaela Langer-Weninger und Vizepräsident Karl Grabmayr) bei der Landwirtschaftskammerwahl am 24. Jänner an, sie soll Vorsitzende des Bäuerinnen-Ausschusses werden.

Wie ist das als Bio-Frau in einer patriarchalen Männerwelt der konventionellen Landwirtschaft? „Wir sind mutiger geworden, weil wir besser ausgebildet sind. Unser Selbstbewusstsein ist gestiegen. Auf den Betrieben leben wir die Partnerschaftlichkeit recht gut, das ist auch in den Gremien notwendig. Wir müssen nach wie vor unsere Frau stehen und schon immer noch mehr tun als die Männer. Es geht langsam, aber man sieht den Fortschritt.“

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