Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander

© HERMANN WAKOLBINGER

Chronik Oberösterreich
11/29/2020

„Besuchszeiten in den Krankenhäusern neu regeln“

Die Besuchszeiten in den Krankenhäusern müssen künftig genauer eingehalten werden, kündigt Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander an. Das Land will mehr Ärzte anstellen.

von Josef Ertl

Christine Haberlander (39) ist Landeshauptmannstellvertreterin (ÖVP), zuständig für Gesundheit, Bildung Kindergärten und Frauenfragen.

KURIER: Sie haben kürzlich den Weihnachtsbaum für das Wiener Rathaus in Klaffer geholt …

Christine Haberlander: (lacht) Meine Freundinnen in Wien veräppeln mich …

Der Baum ist zwar 33 Meter hoch, aber so mager, dass er wie eine Staud’n aussieht.

Es ist ein wunderbarer Baum vor dem Fällen gewesen. Es ist üblich, dass Ergänzungszweige mitgeliefert werden. Angeblich war der Transport länger als erwartet. Die Fichte hat es sich nicht verdient, Spott und Häme ausgesetzt zu sein. Sie ist so, wie sie ist, wir mögen sie trotzdem.

Würden Sie sich mehr Wertschätzung durch die Wiener erwarten?

(lacht) Auch ein Baum, der nicht den Vorstellungen entspricht, verdient Wertschätzung. Er amüsiert halt auch, das hat bisher nicht jeder Baum getan.

Zum Ernst des Lebens. Warum gibt es in Oberösterreich so viele Fälle von Covid-Erkrankungen?

Diese Frage beschäftigt uns. Wir müssen uns das noch genau anschauen, auch mit externen Experten, ob es etwas gibt, was wir vielleicht übersehen. Ich glaube nicht, dass wir ein partywilligeres Volk sind als andere Bundesländer. Wir wollen uns aber jetzt nicht mit der theoretischen Abhandlung der Gründe beschäftigen, sondern wir müssen die Situation bewältigen. Die Struktur funktioniert gut, wir testen sehr genau.

In unseren Alten- und Pflegeheimen sterben sehr viele. Im Zeitraum 1. Oktober bis 12. November machten die Heimbewohner 82 Prozent aller an Covid-Verstorbenen aus. In anderen Ländern lag die Quote zwischen 27 und 43 Prozent.

Jeder Verstorbene ist zu betrauern. Das zeigt, wie ernst man die Krankheit nehmen muss und welch’ schweren Verlauf sie nimmt, wenn sie in ein Alten- oder Pflegeheim eingedrungen ist. Wir müssen darauf schauen, dass wir diese Menschen schützen.

Die vielen Krankheitsfälle bringen die Spitäler an die Versorgungsgrenzen. Kommen wir mit den 350 Intensivbetten aus?

Wir erreichen die Grenze der gewohnten Versorgung. Wir haben 300 Beatmungsplätze, die wir auf 350 aufstocken können. Hier muss man überlegen, wie viele Betten mit Covid-Patienten belegt werden und wie viele mit Unfallopfern, Herzinfarkten etc. Mit dem heutigen Tag (Stand Freitag, Anm.) haben wir 145 Intensivbetten belegt. Es stehen 175 Intensiv- und Beatmungsplätze für Covid-Patienten bereit. Es kann sein, dass es sich mit den für Covid reservierten 150 Betten ausgeht.

Es ist eine Angespanntheit, die die Mitarbeiter in den Häusern in den vergangenen Jahrzehnten so noch nie erlebt haben.

Welche Konsequenzen aus der Krise ziehen Sie für das Spitalssystem?

Die Pandemie wird nicht allein im Krankenhaus bewältigt und entschieden, sondern sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir alle müssen schauen, dass die Infektionen gering sind, damit das Gesundheitswesen damit fertigwird. Das ist eine Aufgabe, die die Spitäler allein nicht stemmen können.

Die ausreichende Ausstattung mit Schutzausrüstungen und Masken ist eine Aufgabe, die weiter wichtig ist.

Wir müssen uns den Zugang zu den Krankenhäusern und die Besucherströme ansehen. Wir waren in den vergangenen Jahren zu offen. Die Besucher haben de facto immer kommen können. Hier müssen wir uns überlegen, ob wir das nicht etwas zurückführen. Wir müssen in die Digitalisierung und in die Telemedizin investieren und den öffentlichen Gesundheitsdienst durch Fachärzte im Landesdienst stärken. An den Bezirkshauptmannschaften arbeiten die Amtsärzte. Sie leisten Unglaubliches. Sie sind in der Bewältigung der Pandemie das Rückgrat. Die Zusammenarbeit zwischen allen Krankenhausträgern funktioniert sehr gut. In der Not halten alle zusammen, weil sie wissen, dass das Thema nur gemeinsam bewältigt werden kann.

Muss man das Gesundheitssystem noch stärker ausbauen?

Es ist ganz klar, dass man nicht einsparen darf.

Das Land gibt jährlich rund eine Milliarde Euro dafür aus.

Man sieht, dass jeder Cent ein gut investierter ist. Covid wird auch in den Krankenhäusern zu Mehrkosten führen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Einnahmenentfälle der Sozialversicherungen durch den Bund ersetzt werden. Ansonsten müssten das die Länder und Gemeinden schultern.

Jetzt zeigt sich ganz besonders, wie wichtig die Versorgung durch gut ausgestattete Regionalkrankenhäuser ist. Covid wird uns noch viele Monate begleiten, es wird noch eine Zeit dauern, bis wir wieder im Normalbetrieb sind, dass Operationen nachgeholt werden können, dass die Mitarbeiter ihre Erholungsphasen nachholen können. Das führt natürlich zu Mehrkosten. Es ist sinnvoll und richtig, in das Gesundheitswesen zu investieren.

Ein wichtiges Projekt ist für mich „Wo bin ich richtig?“, dass die Patienten an die richtige Stelle kommen, wo sie hingehören. So manche kommen wegen Kleinigkeiten in die Notfallambulanz. Diese schickt den Patienten weg, der dann frustriert ist.

Sie machen für den Landeshauptmann sehr viel Detailarbeit, Sie sind ihm gegenüber total loyal. Wie geht es Ihnen dabei?

Die Frage ist, wie geht es dem Landeshauptmann dabei? (lacht) Ich habe ein forderndes Ressort, es ist aber auch extrem spannend. Die Zusammenarbeit ist mit ihm wegen der Pandemie momentan eine besonders enge, sie ist aber auch sehr vertrauensvoll, was ich sehr schätze. Wir ticken in vielen Punkten gleich. Wenn es das nicht tut, sagen wir uns wertschätzend die Meinung. Er legt Wert darauf, dass man ihm die Meinung auch sagt.

Sie sind still und leise geschäftsführende Obfrau des Arbeitnehmerflügels ÖAAB geworden. Das ist in der Landes-ÖVP eine mächtige Position, für Sie ein starker Machtzuwachs.

Nachdem ich der Jungen ÖVP schon einige Jährchen entwachsen bin, war der ÖAAB ein Bund, dem ich mich besonders verbunden fühle. Insofern habe ich mich sehr gefreut, als mich August Wöginger gefragt hat, ob ich ihn übernehmen möchte. Der Landestag ist im Frühjahr. Die Organisation hat 25.000 Mitglieder. Ich stehe für einen modernen ÖAAB und möchte für die sich ändernden Arbeitswelten die richtigen Antworten und Perspektiven geben. Homeoffice und lebenslanges Lernen sind Dinge, die präsenter werden. Ich bin die erste Obfrau, das ist eine neue Perspektive für die Organisation. Früher waren das gewichtige Herren wie Gerhard Possart oder Franz Hiesl.

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