Kaiserwetter in Bad Ischl: Regen, Regen, wir haben nichts dagegen

Eine Frau mit Regenschirm steht vor einem Plakat mit dem Titel „Kaiser Wetter“.
Bad Ischl und das Salzkammergut werben mit "Kaiserwetter". Vom Regen lässt sich dort niemand unterkriegen. Ein Lokalaugenschein.

Langes Wochenende, beginnend mit Fronleichnam. Guter Zeitpunkt für einen Kurzurlaub im Salzkammergut. Bad Ischl, Kulturhauptstadt, Sehnsuchtsort. Die Anreise mit dem Zug aus Wien: An sich ganz easy, es gibt sogar Direktverbindungen.

An dem Tag aber: Durchwachsen. Die ÖBB lassen einen Zug von Wien Richtung Salzburg ausfallen, pferchen alle Fahrgäste in den nächsten Zug. Nicht so gut. 

Funny van Dannens Regenlied ist ein guter Begleiter ins Salzkammergut an diesem Wochenende. "Regen, Regen, wir haben nichts dagegen, Regen macht uns Spaß, er macht uns alle nass." 

Aber nicht gleich. Denn nach den ersten Schauern begrüßt die Kulturhauptstadt Bad Ischl fast mit dem versprochenen Kaiserwetter. Und mit Kultur. 

Gleich am Bahnhof steht die neue Skulptur "Atemluft" von Xenia Hauser.

Eine Skulptur mit der Aufschrift „Atemluft“ steht in einem Park.

Am Feiertag ist Bad Ischl in Feierlaune. Fronleichnamsumzüge mit Dirndl und Lederhose. Und am Nachmittag kommt sogar die Sonne raus. So geht sich eine kleine Wanderung aus. Rundweg um den Siriuskogel samt Sinneswunderweg

Interessant, unterhaltsam. Aber steil. Sehr steil. Dafür gibt es zur Belohnung Kulinarik auf höchstem Niveau bei Christoph "Krauli" Held, in seinem Ausflugsgasthaus am Siriuskogel. 

Der hölzerne Aussichtsturm am Gasthof Stoa in Sankt Koloman, Österreich.

Samt tollem Ausblick, von der Terrasse oder dem Aussichtsturm. Man sieht bis zum Dachstein, aber auch dunkle Wolken. Gegen 17.30 Uhr vergibt der Kellner trotz des aufziehenden Gewitters Plätze im Garten. 

Blick auf eine Stadt in einem Tal, umgeben von bewaldeten Bergen.

"Das kommt erst um halb sieben", sagt er. Und behält recht. Aber dann gilt es, rasch in die warme Stube zu flüchten - Zirbenschnaps-Happy-Hour bricht bald an. Starker Wind bringt starke Regengüsse mit. Der Abstieg ist später zwar nicht trocken, aber regenfrei. 

Verkehrschaos trotz Regenwetter

Freitag ist Markttag. Regionale Standler lassen sich vom Regen nicht abhalten. Gäste auch nicht. Die Regenschirme kämpfen sich durch die eng gestellten Stände. "Bei den Einfahrten steht alles im Stau, das Parkhaus ist schon voll, das kommt sonst gar nicht vor", wundert sich eine Standlerin, die trotz des unaufhörlich prasselnden Regens guter Dinge ist. 

Und dass der Vormittag nicht so schlecht läuft, ist auch beim bekannten Wolfgangsee-Fischstand - eine Empfehlung von Bad-Ischl-Auskennern - vor Mittag schmerzlich zu spüren. "Nein, heute sind schon alle Brötchen weg", sagt die Marktfrau. 

Regnerischer Tag in einer österreichischen Stadt, Menschen mit Regenschirmen gehen die Straße entlang.

Auch in der Pfarrgasse geht es zu. Vor dem Zauner stehen sich Touristen mit Regenschirmen im Weg - im Kampf um einen begehrten Platz im Bad Ischler Paradelokal. 

Im Ramsauer Kulinarik und Kunst ein paar Häuser weiter ist es beschaulicher. 

Zwei Gläser Sekt und belegte Brote mit Lachs in einem Restaurant.

Und dort gibt es dann auch das heiß ersehnte Fischbrötchen. Und das ist mindestens so gut wie beim Fischstand. 

Das gelbe Schloss Fuschl mit Wein bewachsenen Säulen an einem bewölkten Tag.

Für den erstmaligen Bad-Ischl-Gast gehört der Besuch der Kaiservilla dazu. Auch, aber nicht nur als Schlechtwetterprogramm. 

Eine Rasenfläche mit einem altmodischen Laternenpfahl im Vordergrund wird bewässert.

Für die kaiserlichen Wiesen ist der Regen nicht genug, dort wird der Rasen zusätzlich gegossen. Die Führung macht Sinn (nicht nur als Schutz vor dem Regen), sie gibt einen Einblick in die kaiserlichen Gepflogenheiten in und um Bad Ischl. Samt Kriegserklärung gegen Serbien. 

Im Park und im Marmorschlössl wird fieberhaft gearbeitet. Ab 12. Juni tritt Ai Weiwei in der Ausstellung Transcending Borders in Dialog mit der Hallstattkultur.

Eine bunte, hölzerne Installation steht auf einer grünen Wiese.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Ein großes, mehrstöckiges Haus mit einem kunstvollen Balkon und viel Grün im Garten.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Mehrfarbige zylindrische Skulpturen stehen auf einer Wiese, umgeben von einem rot-weißen Absperrband.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Am Freitag Abend bleibt es grau. Aber der Regen hört auf. Das macht den Weg frei für einen Spaziergang am Dammweg entlang der Ischl zur "Nocken Toni" in Kreutern - knapp 45 Minuten je Richtung.

Zwei Personen spazieren auf einem Weg entlang eines Flusses in einer grünen Landschaft mit Bergen im Hintergrund.

Vom Dammweg aus gibt es übrigens am Heimweg den schönsten Blick auf den Bad Ischler Hausberg, den Jainzen. Nach dem übrigens auch eines der wunderbaren Appartements am Traunkai benannt ist.

Kritisch und kontrovers im Kurpark

Weils gar so "schön" ist, also  grade mal nicht regnet, ist noch ein Abstecher zum Weindorf im Kurpark drinnen. Mit einem Glas Wein, ohne Spritzwasser von oben, lässt sich die dortige Ausstellung "k.u.k. kritisch und kontrovers - Die Habsburgermonarchie aus unterschiedlichen Blickwinkeln", die eine differenzierte Auseinandersetzung mit der k.u.k.-Zeit bietet, gut durchwandern. 

Samstag früh, Überraschung: Es regnet. Die Traun ist gestiegen, der morgendliche Spaziergang macht nasse Füße.

Ein Schild über Franz Stelzhamer, Mundartdichter und Autor, steht neben einer Brücke über einen Fluss.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Ein Schild mit der Aufschrift „Elisabeth-Müllegger-Park“ und Informationen zu Elisabeth Müllegger.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Der Stelzhamerkai - die Straße des rassistischen und fremdenfeindlichen Dichters der oö. Landeshymne wird nicht umbenannt, aber ist zumindest schon in Kontext gestellt - mündet in den Elisabeth-Müllegger-Park, benannt nach der Tochter des Salinenmeisters Josef Müllegger, die in der NS-Euthanasieanstalt Hartheim ermordet wurde. 

Ein gelbes Gartenhaus mit grüner Tür und einem Tisch davor.

Ebenfalls am Stelzhamerkai bzw. im Park: Das herzige Zillenangerhäuschen samt Infotafel über die Salzschifffahrt an der Traun. 

Ein Schild mit der Aufschrift „Adalbert-Stifterkai“ an einer Hauswand.

Der Stelzhamer gegenüberliegende Traunkai ist in Bad Ischl nach dem unumstrittenen oberösterreichischen Literaten und Pädagogen Adalbert Stifter benannt. Er hat in der gleichen Zeit gelebt, ohne zum Nazi-Wegbereiter zu werden. 

Rund um die Trinkhalle und vor der Nestroy-Schule ist auch am Samstag Markt. Kein Standler lässt sich vom Dauerregen die Laune verderben, im Gegenteil. 

Noch freundlicher werden die vielen Besucher begrüßt, die in den Trödlerwaren stöbern. Mancher landet später im angrenzenden Sudhaus. Dort läuft, versteckt hinter einem unprätentiösen Eingang, die zentrale Kunstausstellung der Kulturhauptstadt: Kunst mit Salz und Wasser. 

Zwei mit Eis bedeckte Schuhe stehen auf einer verschneiten Fläche vor einer Brücke.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Eine Projektion zeigt eine verschneite Landschaft mit einer Brücke im Hintergrund.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Eine Kunstinstallation zeigt überdimensionale, weiße Zähne auf einem Betonboden.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Ein Schiffsmodell liegt auf einem Haufen grober, rötlicher Steine.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Ein Raum mit einem Musterteppich und weißen Hügeln im Hintergrund.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Eine Projektion zeigt eine eisige Landschaft in einem Raum.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Das Wort „SALTED“ ist mit Salz auf eine dunkle Oberfläche geschrieben.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Immer wieder taucht auch der Klimawandel in den Werken der Künstlerinnen und Künstler auf. Etwa in Kati Roovers "The Cent of the Changing Sea". Unsere Erinnerungen sind im Meer versunken, Jahrtausende lang kann die Klimaentwicklung dort abgelesen werden. Auch unsere Verantwortung, unsere Schuld an kommenden Entwicklungen wird noch in Jahrtausenden dort abzulesen sein - wenn wir nicht im Wissen um die Dringlichkeit jetzt reagieren und die Geschichte unserer Zivilisation doch noch anders schreiben. Empfehlenswert.

Auf einen Gin ins Sissikuss

Nach der doch schweren Kost muss etwas Leichtes her. Im Sissikuss “gönnt sich die Margarethe auch einen Schluck", zuvor schenkt die elegante Dame großzügig ein und sagt:" Ach, heute bin ich gut gelaunt." 

"Und ich dann auch", strahlt die Frau mit dem gut eingeschenkten Glas. "Jeder dritte Gast ist wegen der Kulturhauptstadt da", sagt die kommunikationsfreudige Mutter der Designerin Katharina Weglehner, die das Sissikuss seit fast acht Jahren betreibt. 

Dort, wo ab 1863 für den Kaiser musiziert wurde, als er in Bad Ischl auf der Esplanade lustwandelte, werden jetzt die Gäste mit kleinen und großen Freuden des Lebens beglückt. 

Ein Glas und eine Flasche Sissikuss Bier der Brauerei Zum Wohl Franz stehen auf einer Theke.

Extra fürs Sissikuss gebrautes Franzl-Bier, Prosecco, Fritz-Rhabarber-Spritz und der wohl beste (Elisabeth-) Gin (nicht nur wegen des eingelegten Blattgoldes) lassen grüßen. Und das schlechte Wetter? "Macht gar nichts, wir haben auch bei Sonnenschein nur acht Plätze. Und bei Regen sind die Gäste kauffreudiger."

Einen Axtwurf entfernt liegt die Konkurrenz

Nicht Kulturhauptstadt, aber erstmalig ein groß angelegtes Musical gibt es quasi einen Axtwurf von Bad Ischl entfernt. St. Wolfgang am Wolfgangsee wollte, wie Strobl und St. Gilgen, nicht Teil der Kulturhauptstadt-Region sein. (Was bis heute keiner versteht.) 

Und weil der Hl. Wolfgang heuer seinen 1.100 Geburtstag feiern würde, wurde eine temporäre Spielstätte ins Seeufer gebaut, die nur mit dem Schiff erreichbar ist. 

So strömte am Samstag nicht nur der Regen, sondern auch das Publikum zu Franzobels "Wolf - das Mystical". Mystisch im Nebel verhangen sind die Berge, als die "Salzburg" Richtung Ried in See sticht. 

Ein Ausflugsschiff fährt auf einem See vor einer bewaldeten Berglandschaft.

Wolf Mystical

Ein Blick auf den Wörthersee mit einem Gebäude und einer Bühne am Ufer unter bewölktem Himmel.

Wolf Mystical

Zuschauer sitzen vor einer Bühne mit blauem Licht und einem Bühnenbild mit Totenköpfen.

Bad Ischl Kulturhauptstadt

Nach 25 Minuten Fahrzeit (im Regen, was sonst), gilt es, vom Schiff aus einen Blick auf den mächtigen Bühnenaufbau am Ufer des Wolfgangsees zu erhaschen. Über einen Waldweg geht (im Regen, was sonst) es zum Zelt. 

Dieser Abend ist wieder ausverkauft, für die ausstehenden Aufführungen gibt es nur noch wenige Tickets. Zu recht, denn das Stück ist unterhaltsam und berührend, Musik und Orchester sind beeindruckend, die Darsteller überzeugend. 

Zwei Männer in Kostümen stehen auf einer Bühne, umgeben von weiteren Darstellern.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Zwei Männer in Kostümen umarmen sich auf einer Bühne.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Eine Gruppe von Darstellerinnen in roten Kostümen mit Hörnern auf einer Bühne.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Drei Frauen in extravaganten Kostümen und Perücken stehen auf einer Bühne.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Eine Bühnenszene mit einem Mann in Ketten und einer Gruppe von Personen in weißen Gewändern und spitzen Hüten.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Ein Mann in Bühnenkleidung hält zwei Kanister mit der Aufschrift „Wolfgang Wasser“.

Seebühne am Wolfgangsee mit Franzobels WOLF - Das Mystical

Nur manchmal übertönt der auf Dach und See prasselnde Dauerregen die Musik. Nach dem tosenden Applaus geht es (im Regen, was sonst) zurück zum Schiff. Samt langer Wartezeit am Steg. Aber auch das stört niemanden.

Bei Regen warten Menschen mit Regenschirmen auf ein Schiff.

Sonntag in St. Wolfgang. Überraschung, es regnet - nicht. Was einen unentwegten jungen amerikanischen Gast gleich dazu animiert, ein Bad im Wolfgangsee zu nehmen. Vor dem Frühstück. Für ihn endet das Wochenende freiwillig, wie es für viele andere unfreiwillig war: Pitschnass, von Kopf bis Fuß. Aber erfrischend, für Geist, Körper und Seele. 

Kommentare