Chronik | Niederösterreich
03/15/2019

Zweite Beerdigung nach möglichem Foltermord

21-jähriges Opfer angeblicher Polizeigewalt in Bosnien in Wiener Neustadt beigesetzt.

„Pravda za Davida“, zu Deutsch „Gerechtigkeit für David“. Diese laut gerufene Parole durchbrach am Freitag die Stille des Stadtfriedhofes von Wiener Neustadt (NÖ). Mehrere hundert Menschen, zum Großteil bosnischer Herkunft, waren gekommen, um bei der bereits zweiten Beerdigung von David Dragičević dabei zu sein.

Der ermordete 21-jährige Informatik-Student ist in Bosnien-Herzegowina das tragische Symbol für den Widerstand gegen Korruption in den höchsten Staatskreisen. Die Leiche des jungen Mannes war im März 2018 in einem Fluss entdeckt worden. Während die Polizei davon spricht, dass der 21-Jährige ertrunken sei, gibt es massive Hinweise auf Folterung und Mord.

Sein Vater Davor Dragičević macht zusammen mit oppositionellen Abgeordneten Polizei und Regierung für den Tod verantwortlich. Die Lage eskalierte, als am 25. Dezember in Banja Luka Zehntausende Demonstranten nicht nur die lückenlose Aufklärung des Falles, sondern auch den Rücktritt von Innenminister Dragan Lukac forderten.

Schwer bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei zerschlugen die Demo. Dragičević und andere wurden als „Staatsfeinde“ festgenommen. Gleich nach seiner Freilassung tauchte der Regierungskritiker aus Angst um sein Leben unter. Am Freitag stand er inmitten Hunderter Anhänger am Wiener Neustädter Friedhof vor dem Sarg seines Sohnes. Er war eingereist und hatte sofort um Asyl wegen „politischer Verfolgung“ angesucht.

Exhumierung

Weil die Mutter von David mittlerweile in Wiener Neustadt lebt, ließ man die Leiche des Sohnes in Bosnien exhumieren und nach Niederösterreich überstellen. Angesichts der politischen Brisanz war auch die Polizei gewarnt. Spezialisten der Cobra sowie des Verfassungsschutzes überwachten die Beerdigung.

Mit Valentin Inzko wohnte auch der österreichische Diplomat und Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina der Trauerfeier bei: „Ich bin zuversichtlich, dass es zu einer genauen Untersuchung des Falles kommt. Es gibt eine Staatsanwältin, die sich der Sache annimmt“.

Weder er noch sein Sohn würden Frieden finden, solange Davids Mörder noch frei herumlaufe, meinte Davor Dragičević.