Niederösterreicher bescheinigen hohe Wohn- und Lebenszufriedenheit in Niederösterreich

© Mostviertel/Weinfranz

Chronik Niederösterreich
04/26/2022

Zufrieden mit der Heimat, skeptisch mit Europa

Über 111.000 zeigten mit Rekordbeteilung bei Haushaltsbefragung zur Zukunftsstrategie 2030 Interesse an Zukunftsplanung in NÖ. Topwerte für Lebenssituation, die Jugend sieht Politikerentscheidungen kritisch

von Wolfgang Atzenhofer

Eine klare Rangordnung bei den Themen, die den Niederösterreichern in ihrem Bundesland besonders wichtig sind, lieferte eine große Haushaltsbefragung. Mit Gesundheit, Pflege, Ausbildung und Qualifizierung, Arbeitsplatzsicherung sowie allgemeiner Sicherheit, dazu noch Umwelt und Klima erhielt die Landespolitik von den Bürgern dabei nun einen klaren Auftragskatalog, der sich in der neuen NÖ Landesstrategie 2030 widerspiegeln soll.

Die Umfrage habe mit 111.054 retournierten Antwortkuverts oder Onlinefragebögen eine „sensationelle Rücklaufquote“ gehabt und sei außerhalb von Wahlen die größte Bürgerbeteiligung, die es jemals in NÖ gegeben hat, sagte der mit seinem Institut ISA federführende Meinungsforscher Peter Filzmaier. 97.101 Fragebögen waren exakt so beantwortet worden, dass sie wissenschaftlich ausgewertet werden konnten. Die Befragung wurde von Oktober bis Dezember durchgeführt und war deshalb zwar von der Pandemie, aber noch nicht vom Krieg in der Ukraine beeinflusst.

Die große Beteiligung zeige, dass den Niederösterreichern die Zukunft ihres Landes sehr am Herzen liege und sie es gerne mitgestalten, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Trotz der aktuellen Spannungen in der nö. Landespolitik präsentierte sie die Umfrageergebnisse gemeinsam mit LH-Stellvertreter Franz Schnabl (SPÖ) und FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl in bestem Einvernehmen bei einer Pressekonferenz.

Positiv darf die Landespolitik stimmen, dass unter den Teilnehmern eine grundsätzlich gute Stimmung zum Bundesland als Heimat und Ort zum Leben herrscht. „Klar über 90 Prozent sehen das Land als einen sehr guten oder eher guten Ort zum Leben“, berichtete Filzmaier. Ähnlich seien die Werte, wenn es um das Aufwachsen der Kinder oder das Älterwerden gehe.

Zu Hause

Zwischen 92 und 87 Prozent Zustimmung gibt es zur Frage, ob die eigene Wohnung, die Gemeinde, die Region, NÖ selbst und Österreich als Heimat empfunden werden. Deutlich schwächer fällt das für Europa (64 %) aus. Fast ein Drittel fühlen die EU eher nicht oder gar nicht als Heimat. Nur rund halb so positiv ist allerdings die Einschätzung, wenn es um die Entwicklung der Heimatgemeinde und des Landes bis 2030 geht. Und für Europa und die Welt ist der Pessimismus um ein Mehrfaches größer als der Optimismus.

Bei einer offenen Frage, was die Teilnehmer für die Zukunft als besonders wichtig sehen, nennen knapp 20 Prozent, ohne vorgegebene Vorschläge, Umwelt und Klima an erster Stelle. Dann folgten Qualifizierung der Menschen, Mobilität und Verkehr, Arbeitsplätze und Gesundheitsvorsorge.

Begleitend zur flächendeckend ausgesendeten Haushaltsbefragung wurde eine repräsentative Studie mit 1.500 nach dem Alter und den Landesvierteln ausgewählten Niederösterreichern durchgeführt.

Bestätigung

Die hohe Zufriedenheit mit der Lebenssituation wird dabei bestätigt, so Forscher Filzmaier. 85 Prozent dieser Befragten glauben, dass sie auch 2030 noch in NÖ leben werden, 92 sind grundsätzlich mit der beruflichen Situation zufrieden. Interessant ist auch, dass 93 Prozent der Befragten nicht vom Land in die Stadt ziehen möchten.

Skeptisch werden allerdings die Job-Chancen für die Kinder beurteilt. 54 Prozent schätzen diese als „eher schwierig“ ein. Aufschlussreich, wenn auch nicht sehr erfreulich, ist das Ergebnis zur Frage nach Kinderwünschen. Da geben 41 Prozent an, dass sie keine Kinder wollen, 25 wollen zwei und acht Prozent eines.

Um das Bild abzurunden, wurde weiters eine Studie mit 1.477 Schülern, zwischen 14 und 20 Jahre alt, durchgeführt. 74 Prozent von ihnen fühlen sich von den Erwachsenen ernstgenommen, 55 Prozent bei Sorgen aber nicht verstanden. 67 Prozent sagen auch, dass sie nicht das Gefühl haben, dass Politiker bei Entscheidungen an die Zukunft der Jugend denken.

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