© Teresa Sturm

Chronik Niederösterreich
12/05/2021

Zu Besuch am Set von Elisabeth Scharang: Über die Flucht in den Wald

Derzeit finden im Waldviertel Dreharbeiten zum Film der Regisseurin Elisabeth Scharang statt. Der KURIER war dabei und sprach mit ihr und den Schauspielerinnen am Set über das Projekt.

von Teresa Sturm

„Ja, du mich auch!“, schreit Schauspielerin Brigitte Hobmeier auf einem kaum befahrenen Weg im Waldviertel. Der Ruf gilt Gerti Drassl, die mit dem Auto an ihr vorbei fährt. Die Szene ist Teil des Films „WALD“ von Regisseurin Elisabeth Scharang, inspiriert vom gleichnamigen Roman von Doris Knecht. Der KURIER durfte bei den Dreharbeiten mit dabei sein.

Bis diese jedoch in der Einöde in einer Gemeinde im Bezirk Zwettl starten konnten, sei es ein langer Weg gewesen, sagt Scharang. Lange war ihr der Knopf beim Drehbuch nicht aufgegangen, auch die Suche nach der passenden Location gestaltete sich schwierig.

„Ich habe den Roman WALD 2016 gelesen. Der Zustand der Protagonistin hat mich sehr berührt: Ein Aussteigertum ohne einen Funken von Idylle. Eine von außen erzwungene Flucht aufs Land.“ Die Protagonistin heißt im Film Marian und wird von Hobmeier gespielt. Sie wird Zeugin eines Terroranschlags. Obwohl sie ohne äußere Verletzungen überlebt, reißt eine emotionale Wunde in ihr immer weiter auf. Weil die Investigativjournalistin das Leben in der Stadt nicht mehr aushält, flüchtet sie in das alte Haus ihrer Großeltern aufs Land. Dort trifft sie auf ihre ehemalige Freundin, Gerti Drassl.

Terrornacht

Nach dem Anlass für die Veränderung im Leben der Protagonistin des Films, suchte die Drehbuchautorin lange. Im Buch ist es die Finanzkrise. Nachdem sich Scharang selbst in der Terrornacht im Keller eines Lokals in der Wiener Innenstadt verstecken musste, war ihr bald klar, dass das der fehlende Teil für ihre Erzählung war: „Dann war das plötzlich eine persönliche Geschichte, weil ich in dieser Nacht sehr nahe am Geschehen dran war.“

Bald fügte sich das Drehbuch mit der Geschichte dieser Nacht zusammen. „Der Anlass, warum Marian, meine Hauptfigur, ihre gewohnte Umgebung verlassen muss, weil sie sich nicht mehr sicher fühlt, deckt sich mit dem, was viele Menschen, die die Terrornacht erlebt haben, erfahren mussten.“

Am Drehort wird man an manchen Tagen fast verschlungen von dem dichten Nebel. Der mystische Drehort passt aber gerade deshalb perfekt zu der Geschichte. Das spürt auch Brigitte Hobmeier. Sie habe sich wochenlang auf die Arbeiten vorbereitet: „Elisabeth war es sehr wichtig, dass Marian eine Läuferin ist.“ Der Sport habe Hobmeier über viele Wochen ganz intensiv begleitet. An manchen Drehtagen sei sie stundenlang nur gelaufen. „Querfeldein, über Stock und Stein, über das weichste Moos, wo meine Füße bis zu den Knöcheln einsanken und rauf und runter.“

Bezug zum Ort

Bewegung, die Flucht, das Davonlaufen bleiben als große Themen der Verfilmung. Auch Drassls Figur, die nie vom Land weggezogen ist, hat mit ihren Dämonen zu kämpfen. „Man kann sich an Orten aufhalten und glauben, da die Erfüllung zu finden“, sagt Drassl. „Aber, wenn man den Bezug zum Ort verloren hat oder den Bezug zum eigenen inneren Ort, ist es, glaube ich, problematisch.“

Auch Hobmeier findet dieses Bild von der Flucht aufs Land gerade in Zeiten einer Pandemie sehr passend: „Aber im Endeffekt geht es darum, die Puzzleteile deines Lebens zu betrachten und mit etwas Glück, sie wieder neu zusammenzusetzen.“

Für Drassl ist die Erzählung ein Blick in einen Kosmos, der sehr verletzt ist und auch seelisch daran erkrankt sei: „Aber eben ein Kosmos, der noch atmet und der noch hofft und der sich noch etwas wünscht im Leben.“

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