Gefährliches Spielzeug: Wirtschaftskammer warnt vor Billigkäufen
Unternehmerin Martina Wächter von Stofftiger und Alexander Smuk, Gremialobmann des Versand-, Internet- und allg. Handel der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
Dass viele Billigprodukte von internationalen Online-Plattformen keine hohen Qualitätsstandards erfüllen, ist keine Überraschung. Weniger bekannt ist hingegen, dass manche gar als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Die Wirtschaftskammer NÖ will darauf nun mit ihrer neuen Kampagne „echt hier. echt sicher.“ aufmerksam machen.
Der „Trick“: Die Produkte gelangen über andere EU-Länder nach Österreich – und landen damit oft ungeprüft bei Konsumentinnen und Konsumenten. Der NÖ Versand-, Internet- und allgemeine Handel appelliert, auch beim Online-Kauf auf regionale Anbieter zu setzen und auf Produktsicherheit, Haftung und Verantwortung zu achten.
Im Märchen ist es der Apfel der bösen Hexe, der Schneewittchen vergiftete. Im echten Leben könnte es etwa ein gelbes Prinzessinnenkleid für Mädchen sein, das von einem chinesischen Händler verkauft wurde, im Februar 2026 aber zurückgerufen werden musste. Grund dafür war eine erhöhte Belastung mit Chrom VI: Laut Produktrückruf überschritt der Schadstoff den gesetzlichen Grenzwert und stellte ein Vergiftungsrisiko dar.
„Kein Einzelfall“
„Unabhängige Tests und Produktrückrufe zeigen: Das ist kein Einzelfall“, warnt Alexander Smuk, Obmann des Versand-, Internet- und allgemeinen Handels der WKNÖ. Das Problem beginne nicht erst beim Öffnen des Pakets, sondern oft schon beim Weg der Ware nach Europa. „Viele Billigprodukte aus Fernost kommen nicht direkt über Österreich in den EU-Binnenmarkt, sondern über andere europäische Knotenpunkte – etwa Belgien oder Budapest. Wird ein Paket aus China beispielsweise in Ungarn zollrechtlich abgefertigt und anschließend per Lkw nach Österreich gebracht, darf der österreichische Zoll diese Sendung nicht mehr wie eine direkte Drittlandsendung kontrollieren. Was dort durch die Kontrolle rutscht, landet daher in sehr vielen Fällen ungetestet und ungeprüft direkt bei Konsumentinnen und Konsumenten.“
Es mache also sehr wohl einen Unterschied, wo man online einkauft, so Smuk. „Würden Sie online ein Spielzeug für Ihr Kind kaufen, von dem Sie nicht wissen, ob es sicher ist?“, fragt er. „Wir wollen Konsumentinnen und Konsumenten nicht bevormunden, sondern bewusst machen, dass es einen Unterschied macht, wo man online einkauft. Wer bei einem niederösterreichischen Onlinehändler bestellt, kauft bei jemandem, der kontrolliert wird, erreichbar ist und Verantwortung übernimmt.“
Grenzwerte weit überschritten
Unabhängige Tests zeigen, wie groß das Risiko sein kann. Die Arbeiterkammer Oberösterreich und Global 2000 untersuchten 20 über Temu und Shein gekaufte Kleidungsstücke; sieben davon wurden als nicht verkehrsfähig eingestuft. Eine über Temu gekaufte Damenjacke überschritt den EU-Grenzwert für Perfluorcarbonsäuren, sogenannte PFCA, um das 4.154-Fache.
Auch Greenpeace Österreich fand in mehreren Shein-Jacken verbotene Gifte; eine Damen-Outdoorjacke überschritt den geltenden Grenzwert laut Greenpeace um das 3.269-Fache. Die Stiftung Warentest dokumentierte ebenfalls Sicherheitsmängel: Babyartikel mit zu viel Formaldehyd, Schmuck mit gefährlich hohen Schwermetallwerten und Ladegeräte mit Mängeln.
„Heimische Händler haften und sind erreichbar“
„Für heimische Händler gelten hingegen klare Regeln. Sie haften für ihre Produkte, müssen gesetzliche Vorgaben einhalten, werden kontrolliert und sind im Problemfall erreichbar“, betont Smuk.
Wie wichtig Rückverfolgbarkeit und Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette sind, zeigt auch das niederösterreichische Unternehmen Sonnentor. Gründer Johannes Gutmann betont: „Bei Sonnentor schauen wir ganz genau hin, wo unsere Rohwaren herkommen. Wir arbeiten international mit langjährigen Partnerinnen und Partnern zusammen. Unser Verhaltenskodex ist dabei die Grundlage: Er orientiert sich an internationalen Richtlinien und sichert soziale und ökologische Standards entlang unserer Lieferkette. Dazu kommen noch regelmäßige Besuche bei unseren Lieferantinnen und Lieferanten. So wissen wir, was in unseren Produkten steckt.“
Und Martina Wächter, Besitzerin von "Stofftiger", einem NÖ Onlineshop sagt: "Ich bin selbst Mama von zwei Kindern - deshalb war mir wichtig, dass wir hier bei Stofftiger nur höchste Qualität und keinen Ramsch verkaufen, weil mir die Gefahren von Drittländeranbietern mehr als bewusst sind. 18 von 19 Produkten sind in einer Erhebung der Toy Industries of Europe durchgefallen. Nicht nur das, sie sind sicherheitsgefährdend. Deshalb prüfe ich als Händler ganz genau, wo meine Ware herkommt."
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