Verkauf von 1.646 Gemeindewohnungen: Das steckt hinter dem Immo-Deal
Die Robert Stolz Siedlung in Wiener Neustadt: Symbol der sozialdemokratischen Wohnungspolitik.
Die Causa wurde beinahe zur Zerreißprobe für die bunte Stadtregierung. Obwohl monatelang vorbereitet, standen letztlich nicht alle innerhalb der Regierung von ÖVP, SPÖ und FPÖ hinter dem Verkauf von mehr als 1.600 Gemeindewohnungen in Wiener Neustadt. Die teils schwer maroden Wohnungen hatten sich zum Millionengrab für die Statutarstadt entwickelt.
Mittlerweile ist die Sache in trockenen Tüchern und am Dienstag wurde erstmals bekannt, wer einen Teil der Immobilienpakete von der Stadt Wiener Neustadt erworben hat.Für 1.646 der 2.256 Gemeindewohnungen wird es noch heuer neue Eigentümer geben, nur 610 bleiben im Eigentum der Stadt.
Großes G’riss um Objekte
Die Nachfrage nach den Wohnkomplexen war derart groß, dass ein mehrstufiges Auswahlverfahren für die Ermittlung der Bestbieter notwendig war. Spezialisten des Immo-Dienstleisters CBRE ermittelten die Käufer.
Verkauft wurden an Interessenten elf Wohnungspakete. Nachdem die Gremien der stadteigenen Tochterfirma IFP Wiener Neustadt der Neustrukturierung der betroffenen Liegenschaften im Juni 2026 zugestimmt haben, wurden nun die ersten Verträge mit den beiden gemeinnützigen Unternehmen Familienwohnbau Niederösterreich und Wien-Süd abgeschlossen. Beide verfügen über jahrzehntelange Erfahrungen im sozialen Wohnbau, heißt es vonseiten der Stadt.
115 Einheiten sind vergeben
Folgende Immobilien mit insgesamt 115 Einheiten werden mit 1. August 2026 an die neuen Eigentümer übergeben. Die Gemeinnützige Bau- u. Wohnungsgenossenschaft Wien-Süd sicherte sich die Wohnbauten in der Neunkirchner Straße 72, Pottendorfer Straße 42 und Walthergasse 17.
Die Gemeinnützige Baubetreuungsgesellschaft Familienwohnbau Niederösterreich kaufte die Gemeindewohnungen in der Adlergasse 3, Bräunlichgasse 6a und 8, Grazer Straße 96a/Keßlergasse 7 sowie die Kollonitschgasse 12.
1.646 Gemeindewohnungen werden verkauft.
Wie man betont, kommt es für die Mieter nach der Auswahl der neuen Eigentümer zu keinen vertraglichen Änderungen und es besteht kein Handlungsbedarf für sie. „Sie werden in einem gemeinsamen Schreiben der IFP Wiener Neustadt und der neuen Eigentümer informiert“, heißt es in einer Stellungnahme.
Kaufpreis bleibt unter Verschluss
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Eine abschließende Information der Öffentlichkeit über das Gesamtprojekt und insgesamt erzielte Volumen erfolgt im Herbst 2026.
Die 2.192 Gemeindewohnungen und ein paar Geschäfte hatten sich zuletzt zum Millionengrab für die Stadt entwickelt.2007 waren die Wohnungen von der SPÖ-Vorgängerregierung für 81 Millionen Euro am Papier in die stadteigene Tochtergesellschaft IFP (Immobilien Freizeit Parken) ausgelagert worden.
Vier Millionen Euro jährliches Minus
Es wurde aber verabsäumt, das Geld in dringend notwendige Sanierungen in die teils maroden Bauten zu stecken, erklärte zuletzt ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger. Deshalb habe sich ein mächtiger Investitionsrückstau gebildet. Gut 500 der 2.192 Wohnungen sind derzeit unbewohnt und bringen daher keinerlei Mieteinnahmen. Vier Millionen Euro beträgt das jährliche Minus und im Jahr 2034 wäre ein endfälliger Kredit in der Höhe von 53 Millionen Euro schlagend.
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