Gegen Hitze: AGES investiert im Weinviertel in Agrar-Forschung
Spatenstich in Großnondorf: Im Dezember 2026 soll der Neubau für das AGES-Forschungszentrum fertiggestellt sein.
Seit 50 Jahren ist die AGES-Versuchsstation Großnondorf im Bezirk Hollabrunn bereits Teil des österreichischen landwirtschaftlichen Versuchswesens. Zu diesem Jubiläum macht die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) dem Standort ein besonderes Geschenk: einen Neubau.
„Mit dem neuen Forschungszentrum in Großnondorf investieren wir in Forschung und Innovation für Sorten, die auch mit weniger Wasser stabile Erträge liefern und Hitze besser standhalten“, sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) beim Spatenstich für den Neubau. Denn Trockenheit, Hitze und Wetterextreme stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen - das zeigt sich deutlich in der diesjährigen Ernte: Je nach Region verzeichnen die Bauern 30 bis 50 Prozent Ernteeinbußen.
Sorten vor Ort ansehen
In Großnondorf werden seit fünf Jahrzehnten Versuche am Feld angelegt, Pflanzen beobachtet, Daten erhoben und ausgewertet. „Das macht für uns Landwirte durchaus Sinn. Wir können uns vor Ort anschauen, was die beste Sorte ist“, sagt Roland Weber, er ist selbst Großnondorfer, Landwirt und Bürgermeister von Guntersdorf (ÖVP), jener Gemeinde, zu der der 340-Seelen-Ort gehört.
Er ist froh, dass die AGES hier weiter ausbaut. So werden immerhin fünf zusätzliche Arbeitsplätze in Großnondorf geschaffen. „Das haben wir geschaffen. Darum habe ich als überzeugter Vertreter des Bauernbunds lange und glückliche Verhandlungen geführt, um den Standort sicherzustellen“, schildert Weber.
Zeitgemäße Infrastruktur am Ortsrand
Vor 50 Jahren haben Anna und Karl Humpel Felder an die AGES verpachtet, weiß Weber, wie alles begann. Die bisherige Versuchsstation befand sich in einem Gebäude mitten im Ort, das den modernen technischen Standards nur eingeschränkt entsprach. Darum wird nun eine zeitgemäße Infrastruktur geschaffen, am Rand der Ortschaft auf einem deutlich größeren Gelände.
- Am Ortsrand von Großnondorf entsteht auf einer Fläche von 3.255 Quadratmetern eine neue Versuchsstation der AGES mit moderner Infrastruktur. Etwa 1.000 Quadratmeter davon werden verbaut.
- Das neue Zentrum soll im Dezember 2026 fertiggestellt sein.
- Die AGES investiert 1,86 Millionen Euro in den neuen Standort.
- Die Versuchsfläche ist 7,8 Hektar groß.
- Der Standort in Großnondorf zählt zur Referenzumwelt „Klimazone Pannonikum“ und wird nicht künstlich bewässert. Darum steht Großnondorf repräsentativ für etwa 250.000 Hektar Ackerland im Weinviertel.
- Die klimatischen Bedingungen für die Forschung: Die Region ist trocken und verzeichnet weniger als 600 Millimeter Niederschlag pro Jahr.
- Die Hauptkulturen, die in Großnondorf erforscht werden, sind: Getreide, Mais, Zuckerrübe, Ölsaaten und Erdäpfel.
„Der Neubau der AGES-Versuchsstation Großnondorf steht für die Modernisierung eines bewährten Standorts, dessen Stärke in der Verbindung von landwirtschaftlicher Kompetenz, Forschung, Innovation und Bildung liegt“, sagt AGES-Sprecherin Luisa Fohn. Der Spatenstich ist erfolgt, im Dezember 2026 soll der Neubau fertig sein. Die reinen Baukosten sind mit 1,86 Millionen Euro budgetiert.
Referenzfläche für pannonisches Trockengebiet
Warum die Guntersdorfer Katastralgemeinde ein guter Standort für „klimafitte Landwirtschaft“ ist? Die Versuchsstation - übrigens eine von acht - liegt im pannonischen Trockengebiet und repräsentiert damit 250.000 Hektar Ackerfläche. Somit ist Großnondorf ein wichtiger Referenzstandort für zahlreiche Fragestellungen des Pflanzenbaus und der Sortenprüfung.
Hier könne die AGES frühzeitig beobachten, wie Pflanzen auf Trockenheit, Hitze und andere Stressfaktoren reagieren und daraus wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft gewinnen. „Hier wird keine künstliche Bewässerung durchgeführt, daher ist er essenziell im Hinblick auf klimafitte Sorten, trockenbedingten Stress und eine zukunftsorientierte Züchtungsarbeit“, betont AGES-Geschäftsführer Anton Reinl.
Europäische Forschungsprojekte
Aus diesem Grund ist der Standort Großnondorf in etlichen europäischen und nationalen Forschungsprojekten vertreten, beispielsweise im Kichererbsen-Projekt.
Die Arbeit in Großnondorf ist Teil eines österreichweiten Netzwerks von acht AGES-Versuchsstationen. Gemeinsam werden Pflanzenentwicklungen auf rund 30.000 Versuchsparzellen in allen Ackerbaugebieten Österreichs beobachtet. Jährlich werden dabei in Summe etwa 170.000 Merkmale erhoben und ausgewertet. Diese Daten bilden eine wesentliche Grundlage für fundierte Entscheidungen zum Nutzen der Landwirtschaft und Ernährung.
Mehrwert neuer Pflanzensorten
Die Hauptaufgabe der AGES-Versuchsstationen ist die Sortenwertprüfung in Österreich. Damit wird sichergestellt, dass neue landwirtschaftliche Pflanzensorten einen Mehrwert unter den österreichischen Anbaubedingungen leisten.
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