Wie Guntersdorf spart: Wenn Betonieren zur Chefsache wird

Guntersdorf im Bezirk Hollabrunn hat einen Budgetüberschuss. Dahinter steckt ein Geheimrezept: Alle helfen mit – der Bürgermeister vorneweg.
Roland Weber bei der Guntersdorfer Ortstafel

"Nur reden ist zu wenig, man muss auch Taten setzen", sagt Roland Weber, ÖVP-Bürgermeister von Guntersdorf, mit Blick auf den Rechnungsabschluss 2025. Seine Kommune, die im Bezirk Hollabrunn liegt, hat einen Überschuss erwirtschaftet. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, mussten die Guntersdorfer Mandatare keine Gebührenerhöhungen im Dezember beschließen.

Das Budget sei halbwegs stabil, wie Weber sagt: "Unsere freie Finanzspitze liegt bei etwa 560.000 Euro." Der Gemeindechef gibt aber zu: "In den nächsten Jahren werden wir uns mit Investitionen zurückhalten müssen." 

Ärztezentrum als Meilenstein

Darum ist er froh, dass ein Meilenstein für die Kommune 2025 eröffnet werden konnte: Das Ärztezentrum am Kirchenplatz, das der Gemeinde etwa 2,2 Millionen gekostet hat, jetzt aber Einnahmen bringe und ein Mehrwert für die Bevölkerung sei.

Bürgermeister packt selbst an

Wie sieht es in Guntersdorf aus, Taten zu setzen? "Mein Vizebürgermeister und ich sind mindestens drei Mal pro Woche auf der Gemeinde und setzen Dinge um." Weber, im Brotberuf Steuerberater und Landwirt, erledigt so viel wie möglich selbst. 

Verträge ackert er selbst durch - und verhandelt nach, wenn es sein muss. "So kann ich besser die Interessen der Gemeinden durchsetzen", betont Weber. Wer ihn kennt, der weiß, dass das für die wenigsten Vertragspartner ein Zuckerschlecken ist.

Derzeit hat Guntersdorf nur einen Gemeindemitarbeiter, ein zweiter fehlt. "Da muss man eben selbst reinbeißen", schildert der Großnondorfer, dass er und sein Vize selbst zum Sträucher schneiden ausrücken oder Gemeindeflächen mähen. 

Bodenplatte betonieren? Kein Problem!

Schneit es im Weinviertel doch einmal, dann übernimmt der Bürgermeister selbst die Schneeräumung. Als Guntersdorf vor einigen Jahren eine neue Aufbahrungshalle bekam, war er beim Betonieren der Bodenplatte mit der Landjugend ebenfalls im Einsatz. Das verbindet und spart der Gemeinde Geld.

"Wir haben die entsprechenden Gesetze bereits, man muss sie nur vollziehen."

von Roland Weber

Bürgermeister von Guntersdorf

Man könne natürlich Ziviltechniker für diverse Planungen beauftragen und Dienstleistungen extern vergeben. "Das kostet jedes Mal tausende Euro", weiß Weber. 

Als Beispiel nennt er die Kanalüberprüfung, die etwa alle zehn Jahre in der Gemeinde durchgeführt wird. "Die haben wir selbst gemacht. Das hat uns vielleicht 8.000 Euro gekostet; eingespielt haben wir damit sicher 50.000 Euro", sagt Weber. 

Manchmal wird's ungemütlich

"Wir haben die entsprechenden Gesetze bereits, man muss sie nur vollziehen", ist der Gemeindechef überzeugt. Das sei natürlich mit unzähligen Diskussionen verbunden, die zeitweise den Unmut einiger Bürger nach sich ziehen. "Das ist nicht immer schön, wenn man diskutieren muss, warum zum Beispiel Bauschutt nicht einfach am Gehsteig gelagert werden darf", gibt Weber zu. Doch am Ende des Tages zahle es sich aus.

Mandatare als Vorbilder

"Es geht nur, wenn wir miteinander vorbehaltlos für die Gemeinde arbeiten", betont Weber, dass er erwartet, dass alle Guntersdorfer Mandatare eine Vorbildfunktion einnehmen. "Das macht Guntersdorf aus, dass jeder selbst mitmacht und zum Beispiel die Gasse kehrt."

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