Modeschöpferin Nadescha Stenzel mit Familie

© KURIER/Gilbert Weisbier

Startup
11/01/2016

Weil Kindermode von der Stange nicht passte: Label gegründet

Immer mehr Modedesigner in NÖ. Mutter aus Krems startet mit Familienbetrieb durch.

von Gilbert Weisbier

Niederösterreich wird immer mehr zum Land der Modeschöpfer. "Seit fünf Jahren nimmt die Zahl der Kleidermacher, die ihre Kreativität ausleben und eigenen Bekleidungsmarken schaffen, ständig zu. Das freut mich wirklich sehr", lacht Innungsmeisterin Annemarie Mölzer aus Gänserndorf.

Ein besonderes Beispiel dafür ist Nadescha Stenzel aus Krems. Nur: Wie kommt es, dass eine neuseeländische Rechtsanwältin in der Wachau als Autodidaktin Kindermode entwirft? Schuld daran sind Liebe und Freunde.

Nadescha Stenzel, deren Mutter Koreanerin und der Vater Deutscher ist, wuchs in Neuseeland und Deutschland auf. Lernte beim Studium in Budapest ihren heutigen Mann Christoph kennen und lieben. Das Ergebnis ist eine wirklich internationale Familie, denn die Mutter des Mannes ist Ungarin. So spricht das Ehepaar Stenzel mit seinen beiden Kindern abwechselnd Deutsch, Englisch und Ungarisch.

Weil sich die Eltern des Mannes in Krems nieder ließen, folgte das junge Ehepaar. "Wir fühlen uns hier unglaublich wohl, haben viele gute Freunde", schwärmt Nadescha Stenzel.

Zu eng

Probleme im Alltag gaben den Anstoß für eine Innovation: "Ich habe mich immer wieder geplagt, weil Kindermode oft sehr eng sitzt, unbequem und schwierig anzuziehen ist. Meine Mutter, eine ausgezeichnete Schneiderin, hat mir das Nähen beigebracht. So begann ich, selber Bekleidung für die Kinder zu nähen", erzählt Stenzel. Die haben Freunde und Bekannte gesehen, waren begeistert. Und haben sie ersucht, ihnen ebenfalls etwas anzufertigen. "Bald haben mich alle ermutigt, das professionell zu machen", strahlt Stenzel. So hat sie die Marke "CheekyApple" geschaffen.

Was ihre Kindermode kann? "Sie ist um den Po weit geschnitten, damit auch eine Stoffwindel hinein passt. Außerdem ist der Stoff elastisch. Bündchen erlauben, dass man die Kleidungsstücke deutlich länger als üblich tragen kann, indem man sie der Größe des Kindes anpasst", erzählt Stenzel. Bei den Stoffen geht sie keinen Kompromiss ein: "Die haben mit GOTS die weltweit strengste Zertifizierung, was biologische Herstellung und soziale Verträglichkeit betrifft", betont sie.

Vermarktung

Vor zwei Jahren gegründet, beliefert das Label mehrere Geschäfte, vermarktet sich aber auch Online oder direkt, etwa bei Märkten. Im November bei der Bio Messe Wieselburg, in der Römerhalle Mautern oder im Museumsquartier Wien.

"Weil meine ungarische Schneiderin die Menge nicht mehr schafft, arbeite ich jetzt mit zwei Schwestern in Kroatien zusammen, die einen kleinen Näherbetrieb mit zehn Angestellten haben. Sie nähen in Profiqualität, die ich nicht schaffen könnte, und zahlen ihre Mitarbeiter fair."

Hauptquartier des Startups ist das private Wohnzimmer. "Die ganze Familie hilft zusammen, mein Mann unterstützt mich beim Marketing und die Kinder testen meine Kleidung im Alltagseinsatz", strahlt Nadescha Stenzel.

www.cheekyapple.com