Chronik | Niederösterreich
07.05.2018

NÖ: Verseuchtes Wasser ließ Pferde krank werden

Reitstall in NÖ musste schließen. Nun tobt ein Rechtsstreit mit dem adeligem Grundbesitzer.

Barbara Woldrich verwirklichte sich einen Traum: Sie verkaufte ihr Haus in Wien und steckte das Geld im Mai 2016 in einen Reitstall in Meidling, Gemeinde Paudorf in NÖ. Doch der Traum ist geplatzt. Mehrere Pferde erkrankten, auch Woldrich selbst litt plötzlich unter Hautausschlägen und Problemen mit der Schilddrüse. Schuld war das Wasser. Es war mit Pestiziden und Kolibakterien verunreinigt. Seither tobt ein Rechtsstreit mit dem Eigentümer.

Therapiepferde

Woldrich mietete sich am Areal des ehemaligen Schlosses ein. „300.000 Euro habe ich investiert. Ich wollte hier Seminare abhalten und tiergestützte Betreuung für Kinder und Jugendliche anbieten“, erzählt sie. Deshalb schaffte sie auch teure Therapiepferde an. Das Wasser für die Tiere kam aus dem Brunnen. Auch im Haus wurde es als Trinkwasser genutzt. „Wir wussten gar nicht, was wir da trinken“, sagt sie.

Allerdings: Am Areal des Schlosses befand sich bis 2011 eine Außenstelle der Justizanstalt Stein. Über Jahrzehnte wurden hier Schweine gezüchtet. Woldrich sieht hier ganz klar den Ursprung der Verkeimung. Und das, ist sie sicher, sei dem Besitzer bekannt gewesen. Besitzer Edoardo Pallavicini, der das Schloss im Jahr 2011 kaufte, bestreitet das allerdings. „Die Keime sind durch die Pferde ins Wasser gekommen. Sie hat den Brunnen selbst verseucht.“

Mittlerweile sind mehrere Verfahren anhängig. „Deshalb will ich dazu gar nichts sagen. Aber sie will das Areal nicht zurückgeben, Frau Woldrich hat 200.000 Euro Schulden bei mir.“

Dass es Probleme mit dem Wasser gab, wurde bei einem Kinderferienlager klar. „Ich bekam Durchfall, den Kindern war schlecht. Eine Pferde-Einstellerin hat daraufhin das Wasser untersuchen lassen.“ Nachdem bekannt wurde, dass das Wasser schwer verunreinigt war, ordnete die Bezirkshauptmannschaft Krems als Sofortmaßnahmen an: „Bei allen Entnahmestellen, die Trinkwasser vermuten lassen, ist eine Tafel mit der Aufschrift ‚kein Trinkwasser‘ oder mit entsprechendem Symbol dauerhaft anzubringen. Die getrennte Leitungsführung ist durch eine Fachfirma innerhalb von zwei Wochen zu dokumentieren und zu bestätigen. Eine Verbindung der Nutzwasserversorgung mit einer Trinkwasserversorgungsanlage ist unzulässig!“

„Es ist befremdlich, dass der vermietende Schlossherr, sogar in Kenntnis des Prüfberichtes vom 19. September 2016, bis dato nicht die ihm vorgeschriebene Versorgung mit Trinkwasser hergestellt hat. Ihm scheint die vom Brunnenwasser ausgehende Gesundheitsgefährdung ebenso egal zu sein, wie die ausdrücklichen behördlichen Aufträge der Marktgemeinde Paudorf“, sagt Anwalt Florian Kreiner.

Für Woldrichs Traum gab es keine Rettung. Pferdebesitzer suchten sich neue Ställe, Seminare und Kurse waren nicht mehr möglich. Die Wienerin musste die teuren Pferde wieder verkaufen.

Eigentlich, so sagt sie, hätte es gar nicht so weit kommen dürfen. Denn das Grundstück hat – wie sie erst später erfuhr – gar keine entsprechende Widmung. Es ist noch immer als Strafanstalt eingetragen.