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Tierschützer rühmen Biber als Kämpfer gegen Klimakrise

In Niederösterreich soll eine neue Verordnung Abschüsse der Nager erleichtern. Der WWF warnt davor.
Wachsende Biberpopulation beschert mehr Schäden durch Dammbauten in Flüssen. Das Ökosystem profitiert aber davon.

Sind die knapp 10.000 in Niederösterreich lebenden Biber mehr Fluch oder doch mehr Segen für das Land?

Eine Novellierung der gesetzlichen Vorgaben im Umgang mit den in der EU streng geschützten Nagern sorgt in NÖ für Diskussionsstoff. Weil mit der von Tierschutzlandesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) angekündigten neuen Verordnung auch die Abschüsse von Bibern erleichtert werden sollen, warnen Naturschützer. Sie verweisen auf zahlreiche positive Effekte, die die emsigen Dammbauer bewirken.

Klimakrise

Geradezu als Schlüsseltierart stellt die WWF-Expertin Sarah Layendecker die Biber im Kampf gegen Klimakrise und Trockenheit dar. Von Bauern und Forstleuten zumeist verflucht, würden Biberdämme an Fließgewässern enormen Nutzen für den Grundwasserhaushalt im Umfeld bringen. „Die Dämme stauen das Wasser und verhindern den schnellen Abfluss, die damit verbundenen positiven Effekte sind nachgewiesen“, sagt Layendecker.

Gerade die Landwirtschaft, aus der in NÖ auch immer stärker die politische Forderung nach einer Einschränkung der Biberpopulation kommt, würde profitieren. „Die Böden in der Nähe von Biberdämmen trocknen nicht so schnell aus“, schildert Layendecker.

Dämme künstlich nachbauen

Dadurch gedeihen dort Feldfrüchte besser. Und im Gegensatz zu ausgetrockneten harten Böden, auf denen bei Starkregen das Wasser schnell wieder abfließt, kann es im feuchten Terrain viel besser aufgesogen werden. In den USA würden in biberlosen Regionen Dämme künstlich nachgebaut. Man will sich diese positiven Effekte zunutze machen, so die Artenschutzexpertin.

Emissionen

Völlig unterschätzt würden, laut Layendecker, die Dienste des Bibers im Kampf gegen CO2-Emissionen. Durch das Aufstauen von Wasser schaffen Biber neue Feuchtgebiete, in denen sich Sedimente, Pflanzenreste und Totholz ansammeln. Dort werden Hunderte Tonnen an CO2 gebunden und die Klimabelastung verringert. Gleichzeitig entstünden wertvolle Lebensräume für vielfältige Tier- und Pflanzenarten, die es ansonsten dort nicht gäbe, so Layendecker.

Mit Fakten geht sie auch gegen Behauptungen vor, dass es bei den vor 50 Jahren in den Donauauen wieder angesiedelten Bibern bereits eine Überpopulation gebe. Wenn die Nager, die mit ihren Familien in streng abgegrenzten Revieren leben, platzmäßig unter Druck kommen, regle sich die Vermehrung auf natürliche Weise. Layendecker: „Es kommt zu Kämpfen und Bisswunden und Tiere sterben.“ Weibchen würden zudem unter territorialem Stress weniger Junge bekommen.

Die NÖ-Biberverordnung sei beim WWF noch nicht zur Begutachtung eingetroffen, sagt Layendecker. „Der Biber braucht nicht mehr Abschüsse, sondern mehr Platz. Viele Konflikte lassen sich durch Prävention, Schutzmaßnahmen und ausreichend Raum entlang von Gewässern entschärfen.“

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