Gesetz soll mehr Biber-Abschüsse in Niederösterreich erlauben
Kärnten erlaubt mehr "Entnahmen" von Bibern (Symbolbild)
Die allzu fleißigen Biber nagen in Niederösterreich offenbar an den Ästen, auf denen sie selber sitzen. Weil die Klagen über Schäden durch den wiedereingebürgerten Nager immer lauter werden, laufen demnächst politische Initiativen für eine Reduzierung der Population an. In Kürze wird nämlich der Bauernbund eine Kampagne zur Aufweichung des strengen Schutzes für die Biber starten. Und auch NÖ Tierschutzlandesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) hat die emsigen Baumfäller ins Visier genommen. Eine erweiterte Biber-Verordnung soll mehr Handlungsspielraum gegen die weitere Ausbreitung ermöglichen.
Die Nager weiten ihren Lebensraum in NÖ Jahr für Jahr aus.
„Die Situation eskaliert immer mehr. Zwei Jahre lang haben wir Landesrätin Rosenkranz aufgefordert zu reagieren, eigentlich sollte die neue Regelung schon da sein“, sagt der Ybbstaler ÖVP-Landtagsabgeordnete Mario Wührer. Als Vizebürgermeister von Waidhofen/Ybbs ist er mit der Biberproblematik seit Jahren belastet. Bäume am ohnehin kargen und schroffen Ybbsufer müssen unter anderem mit Drahtnetzen geschützt werden, um nicht umgelegt zu werden.
„Da geht es um alte Bäume, die die Stadtansicht prägen und für die Kühlung des Flusswassers und der Lebewesen darin sorgen“, sagt Wührer. Weil es der wachsenden Biberpopulation ständig an Lebensraum fehle, würden die Tiere immer weiter flussaufwärts ziehen. Im Bezirk Amstetten gehören die Donaugemeinden mit ihren Augebieten, die Ufer der Ybbs und Url sowie bereits viele Bäche zu den Dorados des geschützten Nagervolks.
Biberpopulation
Vor rund 70 Jahren wieder angesiedelt wurden in NÖ 2018 rund 4.900 Tiere geschätzt. Aktuell sollen es rund 9.700 sein.
Entnahmen
Unter Einschaltung der Behörde und des Biberbeauftragten ist es erlaubt nach erfolgloser Vergrämung die streng geschützten Biber abzuschießen. 400 Tiere pro Jahr wären erlaubt, rund 50 werden geschossen. Rund 100 weitere werden pro Jahr tot aufgefunden. Revierkämpfe oder Unfälle sind u.a. Gründe dafür.
Petition gestartet
Um gegen die ärgerlichen Schäden in Wald und Flur anzukämpfen, wird der NÖ Bauernbund in den nächsten Wochen aktiv. Mit auf Bauernkammern und in Gemeindeämtern aufgelegten Petitionen sollen gegen die Plage Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. „Es geht darum, endlich spürbare Entnahmen zu ermöglichen. Das liegt nicht nur im Interesse der Bauern, sondern der Allgemeinheit, weil auch die Infrastruktur und die Sicherheit durch Dämme und gefällte Bäume neben Straßen gefährdet ist“, sagt Wührer.
Landesrätin Rosenkranz ist mit der Problematik sehr vertraut. Angesichts der mittlerweile auf rund 9.700 Tiere angewachsenen Population ist der Druck zu Gegenmaßnahmen groß.
„Es wäre daher dringend notwendig gewesen, den Schutzstatus des Bibers auf EU-Ebene zu senken. Leider haben die Bundesländer Burgenland (Grün) und Wien (SPÖ) einen einstimmigen Beschluss auf der Landesnaturschutzreferentenkonferenz verhindert“, bedauert Rosenkranz. Somit gab es in der Vorwoche keinen Länderauftrag an den Bundesminister sich dafür in Brüssel einzusetzen, dass der Schutzstatus auf EU-Ebene wie beim Wolf gesenkt wird, sagt sie.
Die von Bibern angerichteten Schäden nehmen ständig zu.
Verordnung wird noch koordiniert
Das Land NÖ habe zwar eine gültige Biber-Verordnung, die neben vom Land geförderten Präventionsmaßnahmen auch Entnahmen erlaubt, so die Landesrätin. Die maximal möglichen Entnahmemengen von 400 Tieren pro Jahr fänden aber bei Weiten nicht statt. Die behördlichen Hürden und Schutzmechanismen vor einem Büchsenknall sind aber streng und aufwendig.
In NÖ werden pro Jahr rund 50 Biber geschossen. Jetzt wird eine erweiterte Biber-Verordnung in Begutachtung gehen, in der auch noch eine weit größere Entnahmezahl und härtere Vergrämungsmaßnahmen enthalten sein sollen, kündigt Rosenkranz an. Die Verordnung müsse noch mit dem Koalitionspartner koordiniert werden. Klar sei aber auch, dass es EU-Richtlinien und NÖ Tierschutzgesetze einzuhalten gelte. „Wenn manche meinen, sie könnten einfach drauflosschießen, dann werden sie aber enttäuscht sein“, so die Landesrätin.
Kommentare