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Chronik Niederösterreich
05/28/2021

Tierschützer gegen Betreiber: Der Kampf um das Jagdgatter

Mit Kampagnen machen Aktivisten gegen diese Form der Jagd mobil. In NÖ und dem Burgenland gilt das Aus als fix, doch es gibt Schlupflöcher.

von Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

Mit dem Golfcart geht es rasant durch den Wald, gelenkt wird das Gefährt von Anton Starkl. Der 66-Jährige hat eine Jagd in Tulln in Niederösterreich gepachtet, das Revier sei etwa so groß wie der erste Wiener Gemeindebezirk, erzählt er. Starkl ist Gärtner, Jäger und Hobby-Tischler, und er will bei dieser Rundfahrt erklären, dass eine umfriedete Eigenjagd viel besser als ihr Ruf ist.

Der 66-Jährige verwendet auch nicht das Wort Jagdgatter, das klinge mittlerweile ja beinahe schon kriminell, meint er. Viel lieber spricht Starkl von einem Wildgehege, in das er nur Freunde einlade, aber sicher keine Kunden.

Hirsche, Rehe und Wildschweine leben hier, ein Seeadler zieht am Himmel seine Kreise. „Ein Zeichen dafür, dass es der Natur hier gut geht“, betont Starkl. Der bekannte Unternehmer hat eingeladen, um mit Vorurteilen aufzuräumen, wie er sagt. „Viele glauben, dass die Tiere im Kreis gescheucht werden, doch das stimmt nicht.“ Hirsch und Co würden hier einen ungestörten Rückzugsraum vorfinden, manche Tierarten wären ohne umfriedete Eigenjagdgebiete in Österreich gar nicht mehr heimisch, meint Starkl.

Er führt ins Jagdhaus, vieles habe er hier selber errichtet, über dem Esstisch hängt ein Hirschgeweihluster, die Werkbank habe er von Peter Weck erhalten, dem Schauspieler und Regisseur. Pro Saison werden in dem Revier etwa 100 Tiere geschossen, Starkl weiß natürlich, dass diese Form der Jagd mittlerweile viele Gegner gefunden hat, aber „für mich ist das eine der schonendsten Formen der Jagd.“

Konflikt

Denn seit Jahren schwillt der Konflikt zwischen Tierschützern und Gatterbetreibern. Mit viel Aktionismus und einer breiten Kampagne hat beispielsweise der Verein gegen Tierfabriken (VgT) den öffentlichen Druck auf die Politik erhöht, gegen die Jagdgatter vorzugehen. Im Burgenland hat die SPÖ bereits ein generelles Verbot ab 2023 im Landtag beschlossen. Niederösterreich gibt sich da noch etwas kulanter. Zwar sind seit heuer bereits die Schusszeiten an die freie Wildbahn angepasst und Treibjagden mit Hunden gegen Strafe verboten worden. Völlig unklar ist aber noch, wie das kolportierte Aus für Jagdgatter ab 2029 aussehen soll.

Was passiert nach Ende der Frist?

Der Abbau von Zäunen kommt laut den Eigentümern einer Enteignung gleich. Aber es gibt genug Möglichkeiten, dem Entfernen des Zaunes zu entgehen. Für Schulungs-, Erholungs- und wissenschaftliche Zwecke können Gatter bereits ab 2023 per Antrag in Wild- und Forschungsgehehe umgewandelt werden, bestätigt die Generalsekretärin des NÖ Landesjagdverbandes Sylvia Scherhaufer. „Wenn diese Anträge passend und schlüssig sind, können auch Gatter nach Ende der Frist 2029 weiterlaufen“, so Scherhaufer.

Und auch die Jagd selbst kann in eingezäunten Revieren nicht untersagt werden. Zur Kontrolle der Wildtierpopulation ist die Bejagung sogar unbedingt erforderlich, stellte Professor Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Boku fest. Hackländer hat das Land NÖ bei der Novelle des entsprechenden Jagdgesetzes beraten. Dass beispielsweise ein Zaun von einem Gatter voller Wildschweine einfach umgerissen wird, kann man sich auch beim Jagdverband nur schwer vorstellen. Dazu seien begleitende Maßnahmen notwendig.

Wild-West-Manier

Viele Betreiber von Jagdgattern vermissen in der öffentlich geführten Debatte jedenfalls die nötige Objektivität. Durch eine Reihe schwarzer Schafe, die in Wild-West-Manier „Abschussorgien“ meist auf Wildschweine abgehalten haben, sei ein generell schlechtes Bild entstanden. Aus dem Kreise der 70 Jagdgatter in Niederösterreich hat sich deshalb die Initiative „Interessensgruppe umfriedete Eigenjagden“ gegründet.

Die Grundeigentümer haben sich selbst strenge Standards auferlegt. Dazu gehört, nur Wildarten zu halten, die auch dem jeweiligen Biotop entsprechen. Bei der Jagd müssen Mindestabstände zur Einzäunung eingehalten werden. Die Gruppe sieht sich auch als wichtiger Lieferant von qualitativ hochwertigem heimischen Wildbret.

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