Chronik | Niederösterreich
26.01.2018

Tatort Schule: Psychologen 4000 Mal im Einsatz

Der NÖ Landesschulrat beschäftigt 30 Psychologen, die bei Krisen zum Einsatz kommen.

Der Fall des 36-jährigen Gymnasiallehrers, der im Industrieviertel bis zu 30 Schulkinder sexuell missbraucht haben könnte, hat hohe Wellen geschlagen. Die kontradiktorischen Befragungen der vielen mutmaßlichen Opfer dauern seit Tagen und werden laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl, sich auch noch bis Anfang Februar hinziehen.

Ein Professor für Geografie und Wirtschaftskunde sowie Technisches Werken soll die Schüler so in Experimente eingebaut haben, dass sie hinter einer Wand Gegenstände ertasten mussten. Darunter sein Geschlechtsteil. Die Methoden, mit denen der Lehrer die zehn- bis dreizehnjährigen Kinder während des Unterrichts in perverse Sexspiele verwickelt haben soll, bezeichnen Ermittler als "perfide".

Herausforderung

Ein Fall in dieser Dimension war auch für das erfahrene Team der Schulpsychologie und Bildungsberatung des niederösterreichischen Landesschulrates eine große Herausforderung. Mehrere Tage lang galt es, die Angelegenheit im Gymnasium mit den Schülern und Lehrern professionell aufzuarbeiten und mit den Kindern über das Geschehene zu sprechen. "Wann immer es Krisensituationen an einer der 1000 Schulen in Niederösterreich gibt, leisten wir psychologische Unterstützung. Es kann sich um sexuelle Übergriffe, den Tod eines Mitschülers oder Lehrers, oder beispielsweise einen Suizid handeln", sagt die Leiterin der Schulpsychologie, Andrea Richter.

Das die 30 hauptberuflichen Psychologen alle Hände voll zu tun haben, zeigen die Zahlen. Alleine im vergangenen Schuljahr 2016/2017 stehen 4000 Fälle in der Statistik. Die Krisenintervention macht mit 384 Fällen in dem Zeitraum nur einen Bruchteil der gesamten Arbeit aus. "Wir haben in dem Jahr 1050 Mal Lehrer und Direktoren in Problemfällen beraten und rund 2700 Schulbesuche abgehalten", sagt Richter.Zu den Aufgaben des Teams zählt die Begutachtung von Kindern mit Lernschwierigkeiten oder dem Wunsch nach einem frühzeitigen Schuleintritt. Wenn es gewünscht ist, werden die Kinder von der Einschreibung weg begleitet und betreut.

Mobbing

Ein deutliches Problem der heutigen Zeit sei in den Schulen das Thema Mobbing in sozialen Netzwerken. "Auch wenn man aufpassen muss, dass der Begriff nicht zum Modewort avanciert", sagt Richter. Laut Expertin ist der Umgang mit Facebook oder Snapchat bei den Kindern nicht gut ausgeprägt. "Die Jugendlichen würden jemanden niemals ins Gesicht sagen, was sie in diesen Netzwerken schreiben. Das ist ein ziemlich akutes Problem", erklärt die Schulpsychologin.