Stift Heiligenkreuz: Apostolische Visitation nach schweren Vorwürfen
Anonyme Briefe und schwere Vorwürfe hatten für Unruhe und grobe Missstimmung im Stift Heiligenkreuz gesorgt. Die Folge war eine Untersuchung des Vatikans.
Mit Dekret vom 5. Juni 2025 hatte das Dikasterium für das geweihte Leben eine Apostolische Visitation der Zisterzienserabtei angeordnet und Abtprimas Jeremias Schröder sowie Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, zu Visitatoren bestellt.
Nach eingehenden Gesprächen mit 90 Mönchen und zahlreichen externen Personen findet diese Visitation mit heutigem Tag einen Abschluss, heißt es vonseiten der Zisterzienserabtei in einer Stellungnahme am Mittwoch.
Brief vorgetragen
Der Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation, Pius Maurer, hat am 8. April im Rahmen eines Konventkapitels von Heiligenkreuz den an die Mönche von Heiligenkreuz adressierten Brief des Dikasteriums vorgetragen. Visitatorin Christine Rod stellte sich ersten Anfragen der Mönche und erklärte die Erkenntnisse der Visitation. „Jeremias Schröder und Christine Rod werden zu einem späteren Zeitpunkt noch eingehender über die Ergebnisse der Visitation mit dem Konvent sprechen“, kündigt man seitens des Stiftes Heiligenkreuz an.
Wie es in der Stellungnahme heißt, werden sich die Mönche des Stifts mit den Anweisungen des Dikasteriums in den kommenden Monaten und Jahren intensiv beschäftigen „und damit an einer Vertiefung des Glaubenslebens und der Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft arbeiten“.
In einem Mehrpunkteplan hat das Dikasterium dem Stift genaue Anweisungen erteilt. Festgeschrieben sind darin folgende Punkte:
- optimierte Kommunikationsfähigkeit der Gemeinschaft nach innen und außen, die allein aufgrund der Größe des Konvents (über 100 Mönche) erforderlich ist.
- strategische Überlegungen zur Zukunft des Stiftes und Priorisierung der Aufgaben
- Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung
- Vertiefung der Heranführung junger Menschen an das monastische Leben und das Priestertum
- sowie eine Schärfung von Identität und Selbstbild des Stiftes Heiligenkreuz
Visitatorin Christine Rod berichtet, sie habe „in den Monaten der Visitation Heiligenkreuz als spirituellen Ort kennengelernt und eine große Kooperationsbereitschaft erleben können. Die Anweisungen des Dikasteriums stellen einen wichtigen Handlungsrahmen für die Zukunft des Stiftes dar.“
Deutliche Kritik an bisherigem Weg
Zwar klingen die Handlungsanweisungen des Dikasteriums im Kirchendeutsch formuliert sehr vage. Setzt man diese allerdings in Kontext zu den erhobenen Vorwürfen, sprechen sie eine klare Sprache. Etwa, was die "rechtskatholische" Ausrichtung des Stiftes bzw. mancher Mönche betrifft, die auch in leitender Funktion tätig waren oder sind. Stichwort: Integralismus, also die Durchsetzung kirchlich religiöser Interessen über staatliche Mittel, wie das der Heiligenkreuzer Theologe Edmund Waldstein propagiert hat. Er hat sogar die Todesstrafe befürwortet, das allerdings später wieder zurückgezogen.
Wohl bezieht sich der Passus "Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung" auch auf die theologische Ausrichtung, die unter anderem von Waldstein geprägt wurde. Und damit erteilt Rom dieser Richtung doch eine Absage. Was auch Anfang des Jahres nach einem Bericht des Dokumentationsarchivs Österreichischer Widerstand (DÖW) ein Thema war. Abt Maximilian Heim versicherte in einer Stellungnahme: Waldstein lehne auch jegliche Form des politischen Integralismus ab, in der der Staat der Kirche unterworfen wird, oder die Kirche dem Staat: "Er bekennt sich vorbehaltlos zur aktuellen Soziallehre der Kirche (einschließlich der lehramtlichen Verurteilung der Todesstrafe) mit ihrer Betonung auf die unverlierbare Würde des Menschen von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Ende."
Was Waldstein betrifft, bleibt es aber dabei: Er ist derzeit nicht in der Lehre an der Hochschule tätig und wird nicht in der Ausbildung der Mönche eingesetzt. Im Stift selbst ist der umstrittene Theologe als Priester und Mönch aber verblieben. Es sei jedenfalls "derzeit nicht daran gedacht", Waldstein wieder in der Lehre und der Ausbildung der Mönche im Stift einzusetzen.
Dass Rom aus den vielen Gesprächen in Heiligenkreuz auch ein Thema mit "Identität und Selbstbild" des Stiftes hat, geht aus dem Wunsch nach einer "Schärfung" derselben heraus, die ebenfalls aus Auftrag für die nächsten Jahre mitgegeben wurde.
Kirchliche und staatliche Vorgaben
„Wenn es Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder der Gemeinschaft gibt, wird in Heiligenkreuz entsprechend der kirchlichen wie staatlichen Vorgaben gehandelt. Die Apostolische Visitation war für die Gemeinschaft von Heiligenkreuz ein wertvoller Impuls zu einer langfristig positiven Entwicklung“, erklärt Abtpräses Pius Maurer.
Staatsanwalt und Polizei ermittelten
Im Vorjahr stand eine Flut an anonymen Briefen im Mittelpunkt der Aufregung im Stift Heiligenkreuz. Auslöser war eine Personalbesetzung. Ein Pater, der im Ausland tätig war, hatte eine Stelle in der Priesterausbildung in Heiligenkreuz bekommen.
In den Briefen, die an diverse Stellen, Behörden und Einrichtungen im In- und Ausland gerichtet waren, wurden schwere Vorwürfe gegen den Geistlichen erhoben. Die Anschuldigungen ließen sich aber durch kriminalpolizeiliche Ermittlungen nicht erhärten. Im Umkehrschluss wurde gegen den Verfasser der Briefe ermittelt – wegen des Verdachts der Verleumdung.
Es lag der Verdacht nahe, dass die Vorwürfe dazu dienen sollten, um den Geistlichen anzupatzen bzw. in Misskredit zu bringen. Bei der Visitation sollte auch überprüft werden, wie die Führung mit der Angelegenheit umgegangen ist.
Verfahren vor Einstellung
Was die Ermittlungen der Kriminalpolizei wegen übler Nachrede, Verleumdung und Nötigung anbelangt, so sind diese im Sand verlaufen. Obwohl das Landeskriminalamt Niederösterreich im Auftrag der Staatsanwaltschaft DNA-Spuren von den anonymen Briefen mit jenen von Verdächtigen aus der Kirchengemeinschaft verglichen hat, gab es keine verwertbaren Beweise. Das Verfahren steht laut Informationen des KURIER vor der Einstellung.
Im Stift wurde ursprünglich vermutet, dass die schweren Anschuldigungen in den Briefen der Anlass für die Visitation des Vatikans gewesen sind.
Kommentare