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Austausch
09/14/2019

St. Pölten zu Besuch in Plovdiv: Wie geht Kulturhauptstadt?

Gemeinsam mit Johanna Mikl-Leitner hat sich eine St. Pöltner Delegation Tipps aus Plovdiv geholt.

Plovdiv mag in Westeuropa kaum ein Begriff sein, doch Bulgariens zweitgrößte Stadt gilt nicht nur als der älteste durchgehend besiedelte Ort Europas, sondern hat auch Besuchern einiges zu bieten. Nicht umsonst ist man heuer – gemeinsam mit der süditalienischen Stadt Matera – Europäische Kulturhauptstadt. 2024 wird Österreich diese Ehre (und touristische Chance) zuteil.

St. Pölten ist neben Dornbirn und Bad Ischl noch im Rennen und rechnet sich gute Chancen aus. Grund genug für die Niederösterreicher, sich Tipps aus Bulgarien zu holen. Gemeinsam mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist eine Delegation aus St. Pölten nach Plovdiv gereist, um sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Und als Europäische Kulturhauptstadt erlebt Plovdiv gerade einen Aufschwung.

Hunderte Events

„Wir haben dieses Jahr über 700 Veranstaltungen in Plovdiv“, erzählt Stefan Stoyanov, Vizebürgermeister für Kultur und Kulturhauptstadt-Präsident stolz. Eine der vielen Veranstaltung ist unter anderem die Ausstellung der EVN-Collection. Erstmals werden die Werke außerhalb von Österreich ausgestellt.

Im Zuge der Bewerbung Europäische Kulturhauptstadt blühte vor allem ein Stadtviertel von Plovdiv auf. Kapana war vor acht Jahren noch verlassen. Die Stadtverwaltung begann, nach und nach in den Stadtteil zu investieren.

Es wurden Fußgängerzonen errichtet und Räume angemietet. Heute präsentiert sich Kapana als junge, lebendige Kulturszenerie und besiedelt rund 300 Unternehmen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Mode und Design.

Im Zuge der Bewerbung zur Kulturhauptstadt hatte Plovdiv zahlreiche Berater aus Stadt und Land. „Das hat sich als sehr nützlich herausgestellt. Wir wussten somit nicht nur, wie das Projekt in der Stadt wirkt, sondern auch wie es außerhalb am Land angenommen wird“, sagt Stoyanov. „Man muss den Erwartungen der Bevölkerung gerecht werden – egal wo sie leben.“

Svetlana Kuyumdzhieva, künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt Plovdiv, fügt dem hinzu, dass man die Menschen in das Projekt Kulturhauptstadt miteinbeziehen solle. So könne man die Bedürfnisse der Menschen besser verstehen. Plovdiv habe als Europäische Kulturhauptstadt eine „tolle Entwicklung genommen, die wir in St. Pölten auch erreichen wollen“, meinte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Eine der größten Herausforderungen im Zuge der Bewerbung war, bei gleichzeitiger Vorbereitung das Projekt den Menschen vorzustellen und sie davon zu überzeugen. Ein Prozess, der St. Pölten erleichtert wird. Die Bewerbung wird nämlich zu hundert Prozent vom Land Niederösterreich mitgetragen, wie auch im Landtag im Sommer beschlossen wurde.

Am 12. November entscheidet sich schließlich, ob St. Pölten in die Fußspuren Plovdivs tritt und zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 gekürt wird.

von Melanie Baumgartner