Lackenhof am Fuße des Ötschers punktet als Familienskigebiet, hat aber Schwächen punkto Infrastruktur.

© Spandl Alois - FotoLois.com

Chronik Niederösterreich
12/14/2020

Sorge um Lackenhof: Das kranke Dorf am Ötscher

Tristesse im einst blühenden Ski-Ort in Ostösterreich: Investoren fehlen und die Liftgesellschafter streiten. Wie Lift-Unternehmer Peter Schröcksnadel die Situation einschätzt.

von Wolfgang Atzenhofer

Die Erleichterung ist groß, die Zukunftssorgen bleiben. Die Betreiber der Ötscherbahnen haben zugesichert, dass sie auch in der Corona-bedingt verkürzten Saison in Lackenhof die Lifte starten werden. Dem bekannten Skidorf am Fuße des Vaterbergs, wie der Ötscher auch genannt wird, bleibt nach der schlechten letzten Wintersaison der nächste Tiefschlag erspart.

Vorerst zumindest. Denn wie berichtet, haben sich die Liftgesellschafter mit Mehrheitseigentümer Peter Schröcksnadel (60 Prozent) und dem Land Niederösterreich über ihre NÖ Bergbahnenbeteiligungs GmbH (40 Prozent) zuletzt einen wilden Schlagabtausch geliefert. Die Schröcksnadel-Gruppe sagte dann doch klar zu, auch heuer die Lifte zu starten. Beide Seiten einigten sich darauf, Zukunftsszenarien zu entwickeln. Investitionen wären in Lackenhof an allen Ecken und Enden notwendig.

1.000 Gästebetten

Zwar dürfen ab dem 24. Dezember, wenn jetzt die Lifte wieder in Betrieb gehen, wegen Covid-19 noch keine Hotelgäste kommen. Die Bergbahnen am Ötscher sind dennoch ein touristisches Flaggschiff für die Region. „Für Lackenhof stehen 1.000 Gästebetten. Die Hotellerie schwächelt, aber es gibt eine große Anzahl qualitativ hochwertiger Privatzimmer“, sagt Renate Rakwetz, Bürgermeisterin der Gemeinde Gaming, zu der Lackenhof gehört.

Ihre Problemliste rund um das Ötscherdorf ist lang. Früher war die Kommune auch noch Liftmitbetreiber. „Jetzt sind wir in der Gesellschaft nicht vertreten und haben wenig Handlungsspielraum“, sagt die Ortschefin.

Gefordert ist die Gemeinde dennoch an mehreren Fronten. In Lackenhof wurden die 250 Hauptwohnsitzer mittlerweile von den Zweiwohnsitzern überholt. Aktuell brennt der Hut, weil im Ort im September der Nahversorger zusperren musste. „Die Skigäste sollen doch irgendwo eine Jause kaufen können“, sagt Rakwetz. Sie hofft, bis zum Saisonstart noch eine Lösung zu finden. Zwei Skischulen und zwei Sportartikelhändler mit Verleih sind auf der Habenseite im einstigen Ski-Dorado.

Liftretter

Für Lift-Unternehmer Peter Schröcksnadel ist die Situation in Lackenhof höchst unbefriedigend. „Ohne mich würde es die Lifte gar nicht mehr geben. Ich habe 15 Millionen Euro investiert, im Ort ist aber nichts geschehen“, analysiert er. Nie sei es ihm in den Sinn gekommen, die Lifte  zu schließen.

Im Gegenteil, er outet sich als Verfechter Lackenhofs. „So wie es angeordnet ist, ist es das einzige wirkliche Skidorf in Niederösterreich“, sagt der Unternehmer. Mit seinen Ideen, etwa beim Liftbau am Kleinen Ötscher oder rund um die Gründung einer Ski-Akademie samt Unterkunft, blieb er ungehört.

Absolut nichts hält Schröcksnadel von der Forderung aus den Reihen des Landes NÖ, die Lifte am Hochkar, an denen er die Mehrheit hält, mit jenen am Ötscher zu fusionieren. „Mit dem Gewinn vom Hochkar den Verlust am Ötscher abzudecken, wäre völlig kontraproduktiv, und zwar für  beide Skigebiete“, so Schröcksnadel.

Das aktuelle Gastro- und Hotelangebot im Ort schmerzt nicht nur den Liftkaiser. Nur mehr zwei österreichischen Häusern im Ort, stehen sieben   ungarisch geführte Hotels gegenüber, sagt der Mostviertler Tourismus-Geschäftsführer Andreas Purt. Etliche Hotels, ebenfalls im Besitz von Osteuropäern, sind stillgelegt. Sogar der traditionelle Kirchenwirt ist ungarisch und längst  nicht mehr die gesellige Drehscheibe von früher, klagen  Stammgäste und Einheimische.  

Beim Krach um die Liftöffnung wurde klar, dass man den Ort direkt am Hausberg und Werbeträger Niederösterreichs nicht fallenlassen kann, sagt Purt. Die Ötscherlifte seien im Sommer und Winter sehr wichtig. Mögliche Investoren gäbe es immer wieder. Sie beobachten, welche Pläne die Liftbetreiber hegen.

Auch die Region selbst hat ein Projekt im Ärmel. Es gibt Pläne, in Lackenhof eine Klimaforschungsstation mit neuer Gästefrequenz zu installieren. Der Zuschlag in einer Forschungsausschreibung des Klimaministeriums könnte den erhofften Aufwind ins Ötscherland bringen.

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