Der Tunnel steht derzeit unter Wasser

© Patrick Wammerl

Chronik Niederösterreich
08/02/2019

Semmering-Basistunnel: Vorwürfe der Umweltschützer widerlegt

Weiße Schlammbrühe ist nicht auf Gips zurückzuführen. Die ÖBB lösen das Trinkwasserproblem der Gemeinde Schottwien.

von Patrick Wammerl

Seit Jahrzehnten kämpft die Umweltschutzorganisation Alliance for Nature (AFN) gegen den Bau des Semmering-Basistunnels. Vor dem aktuellen Schadensereignis, bei dem Millionen Liter stark getrübtes Bergwasser in die Bäche geleitet wurden, hat die Organisation bereits im Zuge des Genehmigungsverfahrens für das Monsterprojekt gewarnt.

Nicht bewahrheitet haben sich die Vorwürfe der Alliance for Nature, dass das wahre Ausmaß der „Naturkatastrophe“ verschleiert werde und nicht nur mitgeschwemmter Sand für die Umweltverschmutzung verantwortlich sei. AFN-Generalsekretär Christian Schuhböck und Geologe Josef Lueger brachten vielmehr das alte Gipsbergwerk in Göstritz mit der milchigen Trübung in Verbindung.

Das widerlegen die laufenden Untersuchungen der nö. Gewässeraufsicht. „Gips würde sich im Wasser durch seine teilweise Wasserlöslichkeit in einem erhöhten Sulfat-Gehalt zeigen, der weit über 1000 mg/l liegen kann. Bei unseren Untersuchungen vom 10.7. bis 25.7. liegen die Sulfat-Gehalte in Göstritz zwischen 18 und 28 mg/l. Sie sind also hinsichtlich Gipsauswaschungen unauffällig“, so Axel Tschinkowitz von der Abteilung Wasserwirtschaft.

Mittlerweile liegen die Werte der Trübstoffe wieder innerhalb der Normen. Am Donnerstag fand dazu wieder eine Messung der Behörde statt. Der für die Region zuständige ÖVP-Landtagsabgeordnete Hermann Hauer erwartet sich von den ÖBB in einer solchen Krisensituation in Zukunft eine bessere Informationspolitik. „Es kann nicht sein, dass tagelang eine weiße Brühe durch die Region läuft und die betroffenen Gemeinden nicht informiert werden. Wenn es eine umfassende Information gegeben hätte, wäre das Theater nicht so groß gewesen. Eine lückenlose Aufklärung ist jetzt unabdingbar“, so Hauer.

Trinkwasser

Schottwiens Bürgermeister Wolfgang Ruzicka (ÖVP) war als Standortgemeinde von Anfang an über den Zwischenfall informiert. Seit die ÖBB bei den Tunnelbauarbeiten 250 Meter unter der Erde eine unvorhergesehene Wasserader getroffen haben, ist die Göstritzquelle für die Trinkwasserversorgung von Schottwien beinahe versiegt. „Da es zum selben Zeitpunkt war, kann ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden. Die ÖBB haben daher auch die Verantwortung übernommen“, so Ruzicka.

Um die Trinkwasserversorgung für den Ort zu gewährleisten, wurde auf Kosten der ÖBB eine zweite Quelle gefasst und bereits ans Versorgungsnetz gelegt. „Für die Zukunft brauchen wir aber einen neuen Hochbehälter“, so der Ortschef. Es sei nämlich nicht auszuschließen, dass der Tunnelbau die Quellen weiter beeinträchtigt. Mit den ÖBB laufen bereits Gespräche über die Planung und auch die Finanzierung des neuen Hochbehälters.