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Erste Fahrt durch den Semmering-Basistunnel - per Bus

Der Semmering-Basistunnel wurde erstmals vom Portal in Gloggnitz bis Mürzzuschlag vollständig durchfahren. 2029 rollen die ersten Züge.
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Es waren zwar nur Kleinbusse mit 30 km/h und kein Railjet mit 230 Sachen, aber erstmals seit dem Baustart vor 15 Jahren wurde am Dienstag der 27,3 Kilometer lange Semmering-Basistunnel vollständig von Gloggnitz in NÖ bis Mürzzuschlag in der Steiermark durchfahren.

Die Jungfernfahrt mit Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ), ÖBB-Chef Andreas Matthä und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) markiert einen Meilenstein in der schier unendlichen Geschichte des 4,2 Milliarden teuren Monsterprojekts. Ende 2029 werden die ersten Züge dann fahrplanmäßig durch die beiden Röhren rollen.

Tunnel-Doris war widerspenstig

2012 war Doris Bures Verkehrsministerin, als sie zwischen den Landeshauptleuten Erwin Pröll (NÖ) und Franz Voves (Stmk.) den Spatenstich für den Basistunnel vornahm und Streckenpatin wurde. Dass sich ausgerechnet jener Tunnelabschnitt, der nach der Politikerin Doris benannt wurde, als der widerspenstigste herausstellte und den Mineuren alles abverlangte, darüber konnte man bei der Tunnelbefahrung bereits wieder lachen.

ÖBB-Chef Andreas Matthä, Nationalratspräsidentin Doris Bures und Mobilitätsminister Peter Hanke.

ÖBB-Chef Andreas Matthä, Nationalratspräsidentin Doris Bures und Mobilitätsminister Peter Hanke.

Vier Todesopfer zu beklagen 

Es gab aber Jahre, da war ÖBB-Projektleiter Gerhard Gobiet und seinem Team eher zum Weinen zumute. Die „komplexeste geologisch-tektonische Struktur der Ostalpen“ – die Grasberg-Nordrand-Störung – hat mit ihrem inhomogenen Gesteinsmaterial den Zeitplan für das Tunnelprojekt um vier Jahre nach hinten geworfen.

Nicht zuletzt deshalb sind die Kosten von 3,5 auf 4,2 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt. Wie gefährlich der Tunnelbau ist, wird durch die vier Todesopfer deutlich, die bisher zu beklagen sind.

Auch wenn jahrzehntelang kontroversielle Meinungen über den Basistunnel herrschten, hält es Bures für eines der historisch wichtigsten Infrastrukturprojekte des Landes. Die Eckdaten sprechen Bände, hieß es bei der Befahrung. „Wenn wir uns vorstellen, dass wir in Zukunft von Wien nach Graz 40 Minuten kürzer unterwegs sind, dann beginnt ein neues Kapitel für die Mobilität in Österreich“, so Verkehrsminister Peter Hanke.

Drei Jahre Innenausbau

Es könne kein anderes Verkehrsmittel mithalten, wenn man von Wien in „unglaublichen 2 Stunden und 40 Minuten klimafit nach Klagenfurt reist“, meinte der Minister. Die schnelleren Verbindungen auf der Strecke seien vor allem ein großer Gewinn für Pendlerinnen und Pendler, profitieren würde auch der Wirtschaftsstandort.

Nach dem finalen Tunneldurchschlag im November 2024 wird seit dem Vorjahr eifrig an der technischen Tunnelausrüstung in den beiden Röhren gearbeitet. Bis alle notwendigen technischen Anlagen, Leitungen und zu guter Letzt die Beton-Gleistragplatten, auf denen schlussendlich die Schienen montiert werden, installiert sind, vergehen noch weitere drei Jahre.

Drei Jahre lang wird noch an der technischen Tunnelausrüstung gearbeitet.

Drei Jahre lang wird noch an der technischen Tunnelausrüstung gearbeitet.

Geld bleibt in der Region

Auf die gewaltigen Kosten des Bauvorhabens angesprochen, bringen die ÖBB ein Argument in die Diskussion ein. Jeder investierte Euro in den Semmering-Basistunnel bringe rund fünf Euro an Wertschöpfung für Österreich.

„75 Prozent des investierten Geldes bleiben in der Region bei den Klein- und Mittelbetrieben“, erklärte Matthä. Außerdem bedeute mehr Verkehr auf der Schiene einen Gewinn für Umwelt und Wirtschaft, so der ÖBB-Chef.

ÖBB-Chef Andreas Matthä, Nationalratspräsidentin Doris Bures und Mobilitätsminister Peter Hanke.

ÖBB-Chef Andreas Matthä, Nationalratspräsidentin Doris Bures und Mobilitätsminister Peter Hanke.

Sieben Jahre langer Leidensweg

Als Projektleiter nutzte Gobiet die Präsenz des Ministers und aller Verkehrssprecher der Parlamentsparteien, um eine „dringend nötige Verwaltungsreform“ anzusprechen. Denn das Tunnelprojekt wurde nicht nur vom Bund in allen Facetten geprüft, es benötigte parallel auch wasserrechtliche und naturschutzrechtliche Bewilligungen von zwei Bundesländern. Die Rede war von einem sieben Jahre langen „Behördenmarathon und Leidensweg“.

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