© Atzenhofer Wolfgang

Chronik Niederösterreich
03/22/2021

Seelenpferde, die gerne Lasten tragen

Aggressionsabbau am Rücken der Therapiepferde am Alexanderhof ist für Kinder gerade in Lockdown-Phasen extrem wertvoll.

von Wolfgang Atzenhofer

Bambino ist ein Deutsches Reitpony. Er ist 29 Jahre alt und hat in seinem erfüllten Leben schier unglaubliche Lasten getragen. Damit ist gar nicht so sehr das Gewicht der vielen Menschen, die auf ihm geritten sind, gemeint. Bambino ist ein ganz besonderes Therapiepferd, das Hunderten Kindern und Jugendlichen auch seelische Lasten abgenommen hat.

Eigentlich schon in Altersteilzeit ist Bambino noch immer sehr fit und sehr beliebt. „Wie jedes unserer Pferde bekommt er nach der Arbeit genug Zeit sich zu erholen. Auf der Koppel sammeln die Pferde wieder Kräfte“, erzählt Irmi Kronsteiner. Die diplomierte Sonderschulpädagogin bewirtschaftet seit 2003 mit Ehemann den Alexanderhof. Gemeinsam haben sie den einstigen Meierhof des Schlosses Hubertendorf (Bezirk Melk) zu einem führenden Kompetenzzentrum für therapeutisches Reiten, das auf Vereinsbasis geführt wird, gemacht.

„Das Pferd leiht mir seine Beine“, bleibt Kronsteiner der Ausruf eines Kindes, das aus dem Rollstuhl erstmalig am Rücken eines Therapiepferdes saß, in Erinnerung. Die Hippotherapie ist eines der klassischen Angebote am Hof. Die heilpädagogische und therapeutische Förderung vor allem junger Klienten ist ein anderes. Als Sonderschullehrerin hat Irmi Kronsteiner Schlüsselerlebnisse am laufenden Band, wenn es darum geht, dass Kinder ihre psychischen Lasten am Rücken der Pferde regelrecht abladen. Für die Kinder sei das befreiend und positiv stimulierend, „für die Pferde extrem anstrengend“, so Kronsteiner.

Pandemie

„Gott sei dank war die Zeit in der Pandemie nur kurz, in der Therapien nicht erlaubt waren“, erinnert sich Kronsteiner an lange Reservierungslisten und Anrufe verzweifelter Eltern, die um eine Therapiestunde für ihr Kind mit ihrem „Seelenpferd“ baten.

Aufgestauter Frust, Aggressionen oder extreme Introvertiertheit finden im Kontakt mit den Pferden heilsame Ventile. „Eines unserer Pferde ist 1,80 Meter groß. So ein Tier unter sich zu haben, beschert Manchen Glücksmomente. Einmal etwas darzustellen, etwas Großes besteigen zu dürfen“, liefert Kronsteiner ein Beispiel. Pferde, wie Bambino sind neugierig und grenzen nicht aus. Einem Burschen, der schon etliche Strafdelikte am Kerbholz hatte, kamen die Tränen, ob der Zuwendung eines Pferdes, das sich von ihm streicheln ließ.

„Es ist bewundernswert, welche Welt sich hier am Hof auftut“, lobt der Mostviertler Nationalrat und Bauernbundpräsident Georg Strasser. „In Corona-Zeiten, wo Kindern daheim die Decke auf den Kopf fällt, ist so eine Einrichtung ungemein wertvoll“, sagt er. Nischen, wie solche Therapiereithöfe, würden bereichern und die ohnehin beeindruckende Pferdewirtschaft in Österreich aufwerten.

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