© /Stefan Sailer

Niederösterreich

Schwere Unwetter: Millionenschäden nach Starkregen

Hagel, Sturm und extremer Niederschlag richteten vom Wagram bis ins Weinviertel Millionenschäden an.

von Stefan Sailer, Stefan Straka

05/06/2015, 08:01 PM

Zerbrochene Fensterscheiben, aufgebrochene Türen, ausgerissene Bäume, mit Schlamm bedeckte Straßen und Hunderte überflutete Keller – das war Mittwochfrüh die Bilanz nach einem extremen Regen- und Hagelsturm im Weinviertel.

Vorbereitungszeit blieb den Feuerwehren in der Nacht jedenfalls keine. Die erste Vorwarnung der Wetterstationen erreichte die Einsatzkräfte um 1.39 Uhr, eine halbe Stunde später brauste das Unwetter bereits mit voller Wucht über die drei Bezirke. Die Feuerwehren ließen in allen Orten die Sirenen heulen. „Um die Bevölkerung zu warnen.“.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Den Hagelkörnern folgten heftige Niederschläge und bis zu 80 Meter breite Schlammlawinen, die sich von den Hügeln den Weg in die Dörfer bahnten. „Das ist das schlimmste Hochwasser in unserer Geschichte“, sagte Karl Lehner, Bürgermeister von Großmugl (Bezirk Korneuburg). Sieben von neun Katastralgemeinden standen unter Wasser.

Bilder der Unwettereinsätze:

Auto an der Decke

Manfred Jirak kam erst nach Mitternacht vom Urlaub aus London zurück nach Großmugl. „Gegen halb drei hat mich die Feuerwehr geweckt.“ Die Garage stand komplett unter Wasser. Das Auto trieb an der Decke und verkeilte das Tor. Es musste zerschnitten werden. Als der Regen nachgelassen hatte, wurde sofort mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Eine Straße weiter schwankte Marianne Siebenhandl zwischen Tränen und Resignation. Bereits vor sechs Jahren stand der Keller ihres Hause komplett unter Wasser. Seither wurde kostspielig saniert, jetzt steht die Familie wieder vor dem gleichen Schicksal. „Wir versuchen, noch einiges zu retten, aber wir wissen, dass es kaum einen Sinn hat.“

Im Haus gegenüber, bei Elisabeth Schreiner, war der Keller bis zur Decke voll. Und das Wasser bedrohte noch die Wohnräume im Erdgeschoß. „Drei Minuten länger Regen, und bei uns wäre auch oben alles geschwommen.“

Sämtliche Feuerwehren der Umgebung wurden in den Unwetter-Einsatz geschickt. „Wir sind mit dem Auspumpen gar nicht mehr nachgekommen“, sagte Einsatzleiter Herbert Schabel.“ Auch in den Nachbarorten kämpften die Freiwilligen stundenlang gegen Schlammmassen.

In Herzogbirbaum (Bezirk Korneuburg) und Groß-Stelzendorf (Bezirk Hollabrunn) musste sich die Feuerwehr erst einen Weg zum Rüsthaus bahnen. Umgestürzte Bäume und überschwemmte Straßen blockierten die Zufahrt. „Wir konnten einfach nur warten, bis das Wasser weg war“, erzählte Einsatzleiter Johannes Reinbacher.

„Weltuntergang“

Im Nachbarort Breitenwaida ging um zwei Uhr nachts mit Donner und Blitz die Welt unter: „Das Wasser schoss einen Meter hoch durchs Haus und riss die Möbel mit“, sagt Franz Hoiss in der Tullner Straße. „Bei uns ist alles hin“. Dutzende Garagen, Keller und Häuser wurden überflutet. Als das Wasser ablief, blieb ein halber Meter Schlamm zurück.

Der 93-jährige Josef Pfeifer aus dem Nachbarort Furth wurde im Schlaf vom Wasser überrascht. Der beinamputierte Pensionist griff nach seiner Prothese. „Doch da war nur noch Wasser. Ich bin schon mit dem Bett geschwommen“, sagt der Mann. Sekunden später kamen die Nachbarn und trugen ihn ins Freie. „Ich lebe seit 64 Jahren in Furth, aber so arg ist das Wasser noch nie gewesen“, sagt der Gerettete. Die Prothese wurde gefunden , gereinigt und getrocknet. Josef Pfeifer geht es gut.

Hier geht´s zum KURIER-Wetter

Gewittersturm schädigt 5000 Hektar Landwirtschaftsfläche

Nach Erstschätzung von Josef Kaltenböck von der Hagelversicherung sind mehr als 5000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in NÖ betroffen, davon mehr als 3000 Hektar im Weinbau. Der für Katastrophenschutz zuständige Landesrat Stephan Pernkopf machte sich am Mittwoch vor Ort ein Bild von den Verwüstungen: „Großer Dank an die rund 1000 Einsatzkräfte der Feuerwehren. Sie leisten hier einen unschätzbaren Beitrag für die Betroffenen.“ Für schwere Schäden an Gebäuden sicherte das Land rasche Hilfe aus dem Katastrophenfonds zu. Die Schäden in der Landwirtschaft sind großteils durch die Hagelversicherung gedeckt.

Auch östlich von Krems zog der nächtliche Hagelsturm auf rund 15 Kilometern Länge eine Spur der Verwüstung. Auf einer Strecke von rund 15 Kilometern rissen Hagelkörner das Laub von Weinstöcken. „Das ist sehr, sehr unangenehm“, sagt Franz Ehrenleitner, Geschäftsführer der Winzer Krems, der größten Winzergenossenschaft in NÖ, die einen großen Teil ihrer Trauben aus dem betroffenen Gebiet bezieht. „Wir rechnen mit einem Ernteausfall von 80 bis 100 Prozent in den geschädigten Weingärten, nur 1,5 von 16 Hektar wurden verschont“, sagt Richard Holzer aus Etsdorf. Hobbywinzer Ludwig Kroneder ist betroffen: „Wir ernten heuer 80 Prozent weniger.“

Wir würden hier gerne ein Login zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Liebe Community,

Mit unserer neuen Kommentarfunktion können Sie jetzt an jeder Stelle im Artikel direkt posten. Klicken Sie dazu einfach auf das Sprechblasen-Symbol rechts unten auf Ihrem Screen. Oder klicken Sie hier, um die Kommentar-Sektion zu öffnen.

Schwere Unwetter: Millionenschäden nach Starkregen | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat