Griff nach den Sternen: Satellitenmission aus NÖ als Testballon
"AT-Astra" ist der erste kommerzielle Satellit aus Österreich.
Das Zeitalter der rauchenden Schlote ist vorbei. Heute definiert sich ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort nicht durch emporragende Schornsteine, sondern durch Spitzentechnologie.
Die Luft- und Raumfahrtwirtschaft zählt in Niederösterreich zu den neuen Schlüsselbranchen. Ein Standort sticht dabei besonders heraus. Der Flughafen Wien-Schwechat will das Tor zum Weltall werden. Den Grundstein dafür hat man mit dem internationalen Start-up-Hub „Weltraum“ am Flughafen gelegt, „mit dem Ziel, Niederösterreich als internationalen Knotenpunkt für Raumfahrt, Hightech-Gründungen und technologiegetriebene Wertschöpfung zu positionieren“, erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) anlässlich eines neuen Meilensteins, der am Freitag präsentiert wurde.
Präsentation der Mission des Satelliten "AT-Astra" am Airport in Wien-Schwechat.
Im Spätsommer startet die erste kommerzielle Satellitenmission Österreichs. Das in Schwechat ansässige Raumfahrtunternehmen R-Space hat den ersten vollständig in Österreich entwickelten und gefertigten kommerziellen Satelliten vorgestellt.
R-Space hat mit dem Satelliten „AT-Astra“ (Stern von Österreich) eine Art „Trägerrakete“ entwickelt, um anderen Firmen und Start-ups Tests ihrer eigenen Entwicklungen und Produkte unter realen Bedingungen im Weltall zu ermöglichen.
Drei Unternehmen testen bei der ersten Mission
Mit an Bord beim ersten Flug des Satelliten sind drei Unternehmen aus dem aufstrebenden Raumfahrtökosystem. Die Firma Enpulsion aus Niederösterreich testet das Verhalten von flüssigem Indium als Treibstoff für elektrische Satellitenantriebe, Sunbooster aus Graz erprobt eine neuartige Photovoltaiktechnologie im Orbit und das portugiesische Unternehmen Synopsis Planet ein System zur Erkennung von Weltraumschrott.
Satellitenplattformen von R-Space.
R-Space wurde 2021 von den Raumfahrtforschern Carsten Scharlemann, Christof Obertscheider und Wolfgang Treberspurg gegründet. Scharlemann ist in der Branche kein Unbekannter. Er war Studiengangsleiter für den Bereich Aerospace Engineering an der Fachhochschule Wiener Neustadt, Treberspurg ist der aktuelle Leiter des Masterstudiengangs. Die FH mischt an diversen Projekten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit.
Von der Idee zur Marktreife
Auch Enpulsion ist als Ionentriebwerksfirma ein Spin-out der Fachhochschule in Wiener Neustadt. Für Gründer Alexander Reissner sind Tests unter realen Bedingungen im Orbit eine Notwendigkeit, um Innovationen schneller zur Umsetzung zu bringen.
Laut Scharlemann steigt die Nachfrage nach derartigen Weltraummissionen zu Testzwecken enorm. „Angetrieben durch die rasche Kommerzialisierung der Raumfahrt und die zunehmende Zahl privater Unternehmen und Start-ups im Space-Sektor“, so der Raumfahrtforscher.
R-Space stellt für Kunden nicht nur den Satelliten als Plattform bereit, sondern begleitet die Firmen auch bei der gesamten Mission. Weil die Nutzlast eines Satelliten in der Größe einer Schuhschachtel freilich stark begrenzt ist, müssen die Systeme, die ins All befördert werden, den strengen Vorgaben entsprechen.
Johanna Mikl-Leitner und Carsten Scharlemann von R-Space.
Keine billige Angelegenheit
Billig sind die Weltraumabenteuer nicht. R-Space beziffert die Kosten für eine Satellitenmission mit einer halben Million Euro. Der Markt ist dennoch gegeben. Mittlerweile entwickelt die Firma mehrere Satellitenplattformen, unter anderem für hochauflösende Erdbeobachtung oder Systeme zur Erkennung von GPS-Störsendern aus dem Weltraum.
Arbeitsplätze der Zukunft
Für Mikl-Leitner ist die Mission von Schwechat aus ein starkes Signal für den Wirtschafts- und Technologiestandort Niederösterreich. „Denn Satelliten gewinnen nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich und strategisch für Österreich und Europa an Bedeutung.“ Sie seien unverzichtbar für Kommunikation, Wetterbeobachtung und datenbasierte Anwendungen. Für das Bundesland sei es daher wichtig, Kompetenz, Produktion und unternehmerische Umsetzung in diesen Schlüsseltechnologien am Standort zu verankern, „und für Europa, dass solche Entwicklungen auf unserem Kontinent und nicht nur in den USA oder Asien stattfinden“.
Die Politik sieht die Raumfahrtbranche als Jobmotor in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Von den fast 80 niederösterreichischen Unternehmen in der Luft- und Raumfahrtbranche gehören 20 Betriebe mit über 1.500 Beschäftigten bereits dem Raum- und Luftfahrt-Cluster in Wiener Neustadt an.
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