© Sophie Seeböck

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
05/12/2012

Zum Tag der Pflege: Einblicke in Alltag und Ausbildung in St. Pölten

Herausforderungen, veraltete politische Rahmenbedingungen und warum ein Job im Pflegebereich dennoch das Richtige sein kann.

von Sophie Seeböck

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Es sind turbulente und ungewohnte Zeiten, die das Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) "Haus an der Traisen" im St. Pöltner Ortsteil Wagram in den letzten Monaten durchgemacht hat und noch immer durchmacht. Auch schon vor der Pandemie arbeiteten die 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses in einer fordernden Branche. Doch mit dem Coronavirus kamen noch viele weitere Hürden hinzu. 

Herausforderungen abseits von Infektionszahlen

Vor allem im vergangenen Dezember, als auch alle anderen Pflegeeinrichtungen des Bundeslandes einen Höchststand an Infizierten verzeichneten, brach hier ein Infektionscluster unter Bewohnern (derzeit sind es 120 im Haus) und Mitarbeitern aus.

Waren es seit Ausbruch des Coronavirus insgesamt 75 infizierte Bewohner, ist es heute nur noch einer, wie Direktorin des Hauses Regina Kos erklärt. "Mittlerweile sind 95 Prozent unserer Bewohner geimpft und auch ein Großteil unserer Belegschaft", zeigt sie sich nun erleichtert, als sie anlässlich des Tages der Pflege am 12. Mai, die derzeitige Lage schildert.

Doch nicht nur der Umgang mit akuten Infektionsfällen selbst, sondern vor allem den Betrieb rund um Sicherheitsmaßnahmen und Besuchsbeschränkungen aufrechtzuerhalten, sei eine große Herausforderung der letzten Zeit gewesen, wie Christine Lindenthal, Leiterin der Pflege und Betreuung im PBZ Wiener Neustadt, aus der Praxis weiß.

Balance zwischen Nähe und Distanz

"Für uns als Pflegekräfte waren die letzten Monate eine laufende Weiterbildung, um beispielsweise den Umgang mit Schutz- und Hygienemaßnahmen zu lernen. Andererseits galt es aber neben aller Distanz die Nähe zu unseren Bewohnern zu halten, da diese kaum bis nie Besuch empfangen konnten." Dennoch lobte sie im Rahmen der im Haus an der Traisen stattfindenden Pressekonferenz der Landesgesundheitsagentur mit Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) die Zusammenarbeit und Flexibilität unter Kollegen. 

Nicht nur die vergangene Zeit der Pandemie, sondern auch die Zukunft der Pflege im Bundesland bringe viele Herausforderungen mit sich, wie die Soziallandesrätin erklärt. "Es braucht eine bundesweite Pflegereform, um Berufe in der Pflege zu attraktiveren. In Niederösterreich setzen wir hierzu nun schon früh an und wollen bereits in den Mittelschulen Gesundheits- und Sozialpflegeschwerpunkte setzen."

Doch auch in der direkten Ausbildung der zukünftigen Pflegefachkräfte wird momentan kräftig umstrukturiert. Die Schulung der künftigen Pflegefachassistenz bekommt - um praxisnäher zu sein - ein erneuertes, einheitliches Curriculum.

"Arbeit in der Pflege ist das Richtige für mich"

Die Ausbildung des 20-jährigen Matthias Hartmann folgt diesem neuen Lehrplan noch nicht. Dennoch hat der künftige Pflegefachassistent, der momentan die Gesundheits- und Krankenpflegeschule in St. Pölten besucht, schon genaue Vorstellungen wie er in der Praxis arbeiten möchte: "Als Arbeitssetting würde mich eine Klinik ansprechen. Mir geht es vor allem aber darum, im Team gut arbeiten zu können", meint Hartmann.

Anerkennung für seine Berufswahl bekomme er als Mann im Freundeskreis sehr wohl: "Viele meinen, sie könnten diesen Job nicht machen. Für mich ist es unter anderem die Dankbarkeit der Menschen, die ich zurückbekomme, warum der Pflegebereich das Richtige für mich ist."

Landesrätin Teschl-Hofmeister sieht hinter den Ausführungen des Auszubildenden einen generellen Trend der Branche: "Vielen geht es nicht um bessere Bezahlung oder Ansehen, viel eher muss daran gearbeitet werden optimale Rahmenbedingungen durch genügend Personal sicherzustellen."

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