In Österreich wohnen 43 Prozent auf Miete

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Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
03/02/2022

Billig war gestern: Miet- und Kaufpreise in St. Pölten erneut gestiegen

Sowohl die Mieten, als auch die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen haben kräftig zugelegt - so wie in ganz Österreich.

von Nils Bruckner

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2021 sind die Mieten in St. Pölten um rund 3 Prozent gestiegen. Kostete 2020 der Quadratmeter noch 10,10 Euro, waren es im Jahr darauf 10,40 Euro. St. Pölten ist damit im Vergleich zu elf anderen großen Städten in Österreich (Villach, Klagenfurt am Wörthersee, Wels, Eisenstadt, Bregenz, Innsbruck, Dornbirn, Salzburg, Linz, Graz, Wien) dennoch im Durchschnitt am günstigsten, wenn es um die Miethöhen geht – wie eine Analyse von immowelt.at zeigt. 

Unterschiedliche Entwicklung

Die Mieten in Österreich haben sich generell aber sehr unterschiedlich entwickelt. Die Quadratmeterpreise in größeren Städten wie Wien und Graz blieben im Vorjahr stabil, in Villach und Klagenfurt hat sich das Niveau hingegen im zweistelligen Prozentbereich erhöht. Trotz des Anstiegs blieben die Preise in diesen Städten im Österreich-Vergleich im generellen Mittelfeld - es handelte sich somit wohl um einen Nachholeffekt.

Am teuersten waren Mietwohnungen 2021 in Innsbruck, wo der Quadratmeter 18,10 Euro kostete, gefolgt von Salzburg mit 16 Euro pro Quadratmeter. Auf Platz drei reihte sich Dornbirn mit 15,80 Euro, Bregenz belegte mit 14,70 Euro Platz vier. Ebenfalls unter den teuersten großen Städten ist Wien mit 14 Euro pro Quadratmeter gelandet. St. Pölten belegt mit 10,40 Euro pro Quadratmeter 2021 Platz zwölf von zwölf Städten, 2020 war es noch Platz 9.

Häuserpreise gestiegen

Auch bei den Häuserpreisen hat sich 2021 gezeigt, dass sich Immobilien zusehends verteuern. Eine Datenanalyse der Angebotspreise von ImmoScout24 von rund zwei Millionen Datenpunkten aus den Jahren 2020 und 2021 hat gezeigt, dass österreichweit die Hauspreise durchschnittlich um 14 Prozent gestiegen sind. Im Süden des Landes haben sich die Hauspreise sogar um bis zu 21 Prozent erhöht, bei den Wohnungspreisen wurde ein Plus von 9,5 Prozent verzeichnet.

Der Analyse zufolge kostet ein 130-Quadratmeter-Haus im Schnitt 395.638 Euro, eine 80-Quadratmeter-Wohnung 291.750 Euro. In Bregenz und Eisenstadt war der Anstieg mit gut 38 Prozent bei den Wohnungspreisen am höchsten. Aber auch im ohnehin teuren Westen kam es zu einer Steigerung von mehrheitlich bis zu 9 Prozent. Das Durchschnittshaus in Salzburg, Tirol und Vorarlberg ist der Erhebung zufolge doppelt so teuer wie in Kärnten, Niederösterreich oder der Steiermark. Am günstigsten waren Immobilien im Burgenland, am teuersten in Wien, Salzburg und Innsbruck.

Die Angebotspreise für Häuser beliefen sich 2021 auf durchschnittlich 3.043 Euro pro Quadratmeter. Umgerechnet auf ein 130-Quadratmeter-Haus bedeutete das einen Kaufpreis von 395.638 Euro. In Niederösterreich lagen die Preise mit durchschnittlich 323.900 Euro bzw. 2.491 Euro sogar darunter.

Bei den Wohnungen liegen die Preise in Niederösterreich bei rund 2.670 Euro pro Quadratmeter. Von allen Landeshauptstädten waren die Wohnungen 2021 in St. Pölten mit Quadratmeterpreisen von durchschnittlich 2.820 Euro (plus 10,6 Prozent) am günstigsten.

Trends in St. Pölten

Und dennoch, die Preise sind hoch, St. Pöltner und St. Pöltnerinnen müssen sich erst an die gestiegenen Preise gewöhnen.

„Der Trend geht grundsätzlich zu Kleinwohnungen. Junge Menschen suchen Wohnungen mit 40 bis 50 Quadratmeter und einer Miete mit Heizung zwischen 400 und 550 Euro. Familien suchen natürlich größere Wohnungen mit Außenflächen. Wobei die aktuellen Mietpreise nicht wirklich erschwinglich sind für die Masse“, so Christian Walter von Walter Immobilien und Finanzdienstleister. „Die Neubaupreise sind ordentlich angestiegen, sowohl bei den Mieten als auch beim Eigentum. Vor 10 Jahren musste man noch zwischen 2.000 und 2.200 Euro zahlen, heute sind es rund 4.000 Euro“.

St. Pölten ist als Heimatort durchaus beliebt, insbesondere Wohnungen in der Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt seien besonders gefragt. Während der Coronapandemie hat sich außerdem gezeigt, dass sich die Menschen mehr Platz wünschen. Oft wird nach einer Wohnung mit einem Zimmer mehr gesucht – für den Schreibtisch. „Alles soll zu Fuß in fünf bis sieben Minuten erreichbar sein“, so Walter über die Wünsche der Wohnungssuchenden. Aber gerade die Bahnanbindung an Wien habe die Wohnungspreis in den letzten Jahren anziehen lassen.

Manche Lagen besonders teuer

Auch die Häuserpreise sind laut Walter in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Manche Lagen würden dabei besonders herausstechen, unter anderem der Süden der Stadt und jene Teile, wo es ruhiger und grüner ist. „Beim Kaiserwald gibt es ein Neubauprojekt, dort werden Häuser zwischen 500.000 und 700.000 Euro angeboten“, so Walter. Aber auch die die Preise für Gebraucht-Häuser seien extrem gestiegen – hier werden Häuser teilweise um 600.000 Euro angeboten.

Die gestiegenen Preise sind einerseits auf die Nachfrage, aber auch auf die gestiegenen Baukosten zurückzuführen. „Und auch die Grundstückskosten sind extrem gestiegen“, so Walter.

„Es wird noch ein bisschen dauern, bis die Menschen gewohnt sind, diese hohen Mieten zu zahlen“, so Walter. Dann würde auch der Leerstand in St. Pölten wegfallen. „Aber es bleibt spannend, wie man sich das weiterhin in der Größenordnung leisten kann.“

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