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Chronik Niederösterreich
07/12/2021

Rezept fürs Sommertheater: "Küssen, kämpfen und köpfen"

Bruno Max, Leiter des Stadttheaters Mödling, bringt nun erstmals eine Open-Air-Produktion auf die Bühne.

von Markus Foschum

Intendant, Theater-Gründer, Regisseur, Schauspieler, Autor – Bruno Max bedient viele Rollen und will doch in keine Rollenklischees passen. Dafür zeigte und zeigt der Reinhardtseminar-Absolvent mit seinem 1987 gegründeten „Theater zum Fürchten“ ein gewisses Faible für außergewöhnliche Spielorte. Zwölf Jahre lang bespielte er die Gewölbe unter Schloss Liechtenstein, 1995 machte er das Wiener Atlantiskino (das auch mal Boxklub und Disco war) zum Theater Scala und nach „Übernahme“ des Mödlinger Stadttheaters 1998 zog es Max und Company ins „Theater im Bunker“, wo die ehemaligen Luftschutzstollen allsommerlich zum Schauplatz eines Stationentheaters werden. Ab 17. Juli betritt er wieder einmal künstlerisches Neuland, indem er den Platz vor dem „Hyrtlschen Waisenhaus“ in der Mödlinger Schöffelstadt erstmals zur Open-Air-Bühne macht.

Und warum ausgerechnet mit den „Drei Musketieren?“: „Der Stoff hat alles, was ein Sommertheater haben soll. Küssen, kämpfen und köpfen“, sagt Bruno Max schmunzelnd. „Außerdem – vor der späthistorischen Fassade des Waisenhauses kann man ja nicht den Sommernachtstraum aufführen, für die Musketiere passt das als Kulisse aber perfekt“.

Starkes Lebenszeichen

Dass er sich mit dem „Schöffelstadt Spektakel“ erstmals ins Mödlinger Freie traue, habe einerseits ganz praktische Gründe: Open Air habe wegen der „Pandemiezeiten“ und des damit verbundenen Risikos viele Vorteile, außerdem „konnten wir zuletzt statt zehn nur drei Produktionen spielen, da wollen wir unserem Publikum etwas für die entgangenen Vorstellungen bieten“. Außerdem sind auf der großen Open-Air-Bühne 18 Schauspieler im Einsatz, was im Stadttheater nicht möglich wäre. Andererseits biete sich aber auch die Chance, mit dem Spektakel neue Zuseher zu gewinnen. „Es ist ein Versuchsballon, mit dem wir ein starkes Lebenszeichen von uns geben wollen.“ Und es wäre nicht Bruno Max, hätte er dem bekannten Stoff nicht seinen persönlichen Stempel aufgedrückt und aus den drei Dumas-Romanen eine eigene Bühnenfassung zusammengebaut.

Kaum geht das Mantel-und-Degen-Abenteuer am 1. August zu Ende, startet am 15. August die unterirdische Reise zu „Utopia – Schöne neue Welt(en)“ bei „Theater im Bunker“. Der kilometerlange Mödlinger Luftschutzstollen wird von Bruno Max und einem großen Schauspielerensemble mit bildgewaltigen Träumen und Albträumen, Utopien und Dystopien bevölkert, zu der ewigen Grundfrage: „Was wird aus uns?“

„Das war aber nix“

Ist das zum Fürchten? Das Interesse an schwarzem Humor, einen Bezug zu gewissen Dramen des britischen Theaters gibt er zu, fürchten müsse man aber nur, das Publikum zu langweilen. „Das Schlechteste ist, wenn die Leute nach der Vorstellung sagen: ,Das war aber nix‘. Wir treten in Dialog und die Leute müssen etwas bekommen.“ Und dieses Etwas sei „Unterhaltung mit Haltung. Das muss nicht immer komisch sein, auch eine Tragödie kann unterhalten.“ Besonders jetzt, nach der Pandemie-Zeit, seit es wichtig, mit Theater und (guter) Unterhaltung die Leute aufzubauen.

Dass der gebürtige Salzburger, der in Wien wohnt und vor Gründung von TZF vier Jahre Assistent und Schauspieler am Burgtheater war, seit 34 Jahren im Bezirk und seit 23 Jahren in der Stadt Mödling kulturell tätig ist, habe einige Gründe: „Die Voraussetzungen sind sehr gut, hier haben viele einen engen Bezug zur Kunst, das ergibt ein großes potenzielles Publikum. Wir haben rund tausend Abonnenten, dieses Interesse gibt es in Relation zur Größenordnung kaum irgendwo in Österreich“.

Weil das Theater zum Fürchten sowohl die Scala in Wien als auch das Stadttheater in Mödling bespielt, kann man durch Nutzung der Synergien und Austausch der Programme „mit großer Ambition und geringer Subvention das Theater machen, das wir machen wollen, ohne politischen oder kommerziellen Zwängen Zugeständnisse machen zu müssen“. Damit habe er hier freie künstlerische Hand. „Es ist eine große Aufgabe und viel Arbeit, aber welcher Intendant kann das sagen?“, betont Max.

Infos unter www.theaterzumfuerchten.at

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