Die Reiterstaffel war im Ausbildungszentrum in der Militärakademie in Wiener Neustadt beheimatet. Im Juli 2018 kam es dort zu dem Unfall auf der Reitwiese

© APA/HANS KLAUS TECHT

Chronik Niederösterreich
10/08/2020

Reitunglück mit einem Polizeipferd: Freispruch für Trainer

Ex-Ausbilder der berittenen Polizei in Wiener Neustadt nicht für Sturz von Schülerin verantwortlich.

von Patrick Wammerl

Das nicht gerade ruhmreiche Kapitel von Herbert Kickls berittener Polizei ist längst zu Ende, die Tiere allesamt an die Reiterstaffel der serbischen Polizei verkauft. Erst Monate später ist nun auch für den ehemaligen Ausbildungsleiter der Reiterstaffel die Causa beendet. Oberstleutnant Roland Pulsinger, Offizier der Theresianischen Militärakademie, war nach einem schweren Reitunfall einer 29-jährigen Polizeischülerin zunächst wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden. Das Landesgericht Wiener Neustadt hat diese Entscheidung nun zur Gänze aufgehoben und Pulsinger von allen Vorwürfen freigesprochen. Der Reitinstruktor und österreichweit tätige Parcoursbauer bei Pferdeturnieren sieht sich durch das Urteil völlig rehabilitiert.

Die Zusammenarbeit zwischen Pulsinger und dem Innenministerium stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die anfängliche Arbeit mit der Reiterstaffel war von gegenseitigen Scharmützeln geprägt. Pulsinger wurde schließlich als Ausbilder ersetzt. Zuvor war es aber noch zu einem bösen Zwischenfall gekommen. Die 29-jährige Polizeischülerin Alexandra H. trabte am 19. Juli 2018 mit dem Pferd „A-Rock“ im Ausbildungszentrum auf der Reitwiese der Theresianischen Militärakademie, als das Tier in ein Erdloch trat und bis zur Schulter darin versank. Bei dem Sturz brach sich die Beamtin das linke Schlüsselbein, das Tier blieb unverletzt.

Laut Staatsanwalt hätte der Offizier die auszubildenden Beamten vor den Gefahren auf der Reitwiese warnen müssen. Am Rand der Wiese befanden sich 17 Löcher für die Aufnahme von Fahnenmasten. Der Ausbildungsleiter hatte zwei Stallburschen im Herbst 2017 selbst den Auftrag erteilt, die Masten für einen Neuanstrich abzumontieren. Dabei brach ein Betonfundament aus und eines der Löcher wurde größer. Das Pferd trat hinein und kam zu Sturz.

Die Richterin am Bezirksgericht Wiener Neustadt war beim Ersturteil der Meinung, dass Pulsinger die Reiterin vor der Gefahr hätte warnen müssen. Für Anwalt Wolfgang Seifert ein völlig unverständliches Urteil. „Wie hätte er auf der 30.000 großen Reitwiese jedes Loch kennen sollen?“, so der Jurist, der die Entscheidung erfolgreich bekämpfte.

Der Richter des Landesgerichts Wiener Neustadt, Hans Barwitzius, sprach den Angeklagten in zweiter Instanz frei. Pulsinger hatte von dem ausgebrochenen Betonring keinerlei Kenntnis. Damit hat er laut Barwitzius auch keine Sorgfaltswidrigkeit begangen. „Er kann als Ausbilder nicht die Beschaffenheit eines so riesigen Areals kennen“, erklärt der Richter.

Dass es überhaupt zu dem Prozess gekommen ist, ist auch mit den Spannungen zwischen der Reiterstaffel und dem ehemaligen Ausbilder zu erklären. Die verunglückte Schülerin und der Trainer hatten, was das Können Reiterin anbelangt, nicht das beste Einvernehmen.

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