Grasel Prozess in Mörtersdorf bei Grasel-Wirtin, links Friedrich Forsthuber, hinten Wolfgang Brandstetter, rechts Alexander klik

© Gilbert Weisbier

Geschichte
04/27/2013

Räuberhauptmann Grasels Wirtshaus-Haft

Der Fall des Räubers aus NÖ wurde wieder verhandelt. Anlass ist ein neues Buch.

von Gilbert Weisbier

Besonderen Respekt zeigt der Angeklagte dem Richter gegenüber nicht. Kein Wunder: Der Waldviertler Räuber Johann Georg Grasel – dargestellt vom Horner Altbürgermeister Alexander Klik – weiß, dass er prominenter ist, als der Präsident des Landesgerichts Wien, Friedrich Forsthuber. Der hatte Freitag Abend im Gasthaus der Graselwirtin im niederösterreichischen Mörtersdorf über die vorzeitige Freilassung des Räubers zu entscheiden.

Anlass für das nach heutigem Recht abgehaltenen Verfahren war die Vorstellung des neuen Buches „Johann Georg Grasel vor Gericht – Die Verhörprotokolle des Wiener Kriminalgerichts und des Kriegsgerichts in Wien“. Das arbeitet die Original-Gerichtsunterlagen des legendären, 1818 gehängten Straftäters – samt Verhörzitaten – auf.

Die Verhandlung im Wirtshaussaal lockte prominente Niederösterreicher an, unter ihnen Landespolizeidirektor Franz Prucher, ÖVP-Landtagsklubobmann Klaus Schneeberger, den Subprior des Stiftes Altenburg, Michael Hüttl, oder Wachaumaler Erich Giese .

Den Verteidiger mimte Wolfgang Brandstetter, Spezialist für Wirtschaftsstrafrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er hatte es mit seinem widerspenstigen Mandanten nicht leicht. Denn der beharrte: „Ich will lieber im Kellerverlies der Graselwirtin bleiben und das feine Graselbier trinken.“

„Sie haben die organisierte Kriminalität erfunden, bevor sie der Justiz bekannt war“, warf der Staatsanwalt – dargestellt von Wiener Strafrichter Thomas Spreitzer – dem Delinquenten vor. Trotzdem blieb bei der Neuauflage des Verfahrens nichts anderes übrig, als Räuber Grasel wegen guter Führung die Freiheit zu schenken. Worauf dieser sich mit Wirtin Anna Rehatschek einigte: Er kann im Verlies bleiben, wird weiter mit nach ihm benannten Spezialitäten verwöhnt, bekommt aber den Gefängnisschlüssel ausgehändigt.

Kein Robin Hood

„Bei besserer Erziehung hätte Grasel sogar Polizist werden können“, zitierte Brandstetter bei der Vorstellung aus dem Buch. „Immerhin wurde er als Kind schon vom Vater zu Raubzügen gezwungen. Heute würde man die Morde außerdem nicht anerkennen. Er käme mit fünf bis 15 Jahren Haft davon“, ergänzte Gerichtspräsident Forsthuber.

Nur die Legende vom „Robin Hood“ des Waldviertels ist einmal mehr widerlegt. Er war doch nur ein Räuber.

Das Grasel-Buch

Jurist Wolfgang Brandstetter spürte die Grasel-Unterlagen auf. Sie galten lange als verschwunden. Er motivierte seine ehemaligen Lehrer, die Wissenschaftler Winfried Platzgummer und Christian Zolles, das 770 Seiten starke Werk zu schreiben. Erschienen ist es beim Waldviertler Heimatbund (www.daswaldviertel.at)