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Nach Bürgermeister-Rücktritt in Purkersdorf schlägt SPÖ eine Nachfolgerin vor

Nach acht Jahren tritt Stefan Steinbichler als Bürgermeister von Purkersdorf zurück. Die Tochter seines Vorgängers soll neue Stadtchefin werden.
Stefan Steinbichler: Rücktritt nach acht Jahren als Bürgermeister

Der KURIER erwischt Stefan Steinbichler eine Minute, nachdem das Rücktritts-Mail in der Redaktion eingetroffen ist. Der SPÖ-Stadtchef nimmt nach acht Jahren den Hut, ab morgen schon wird er nicht mehr Bürgermeister sein. In der kommenden Woche scheidet er auch aus dem Gemeinderat aus. Ab dem 30. Juni wird Stefan Steinbichler Privatmann sein.

Neuwahl schon kommende Woche

Vor acht Jahren folgte er auf den langjährigen Bürgermeister Karl Schlögl, der der Stadt von 1989 bis 2018 vorgestanden war.

Vorerst wird Vizebürgermeister Viktor Weinzinger die Stadtgeschäfte übernehmen. Er war bereits in sein Rücktritts-Vorhaben eingeweiht, wie Steinbichler sagt. In der kommenden Woche will die SPÖ Stadt- und Gemeinderätin Jasmin Klemmer-Schlögl als Nachfolgerin Steinbichlers vorschlagen.

Der Noch-Bürgermeister betont, dass ausschließlich private Gründe für seinen Abgang ausschlaggebend sind. „Ich war eigentlich nie Politiker, ich bin einfach Purkersdorfer in vierter Generation, mein Herz hängt an dieser Stadt. Aber wenn man merkt, dass man nicht mehr 100 Prozent geben kann, dann muss man aufhören.“ Zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche fordere ihn der Bürgermeister-Job, da müsse man sich irgendwann auch abgrenzen, „sonst frisst dich das auf.“ 

Er habe zwei Firmen im Bau-Nebengewerbe, das derzeit auch in einer schwierigen Phase sei. Darum und um seine 20 Mitarbeitenden werde er sich jetzt wieder verstärkt kümmern.

Die 150 Mitarbeitenden der Stadtgemeinde Purkersdorf werden bald einen neuen Chef oder eine neue Chefin haben.

Er habe sein Amt wirklich gerne ausgeübt, sagt Steinbichler. Und er bedankt sich ausdrücklich bei seiner Frau und Familie, ohne die die Amtsausübung niemals möglich gewesen wäre. Erst am vergangenen Wochenende habe er gesehen, wie nahe Freud und Leid in seiner Position zusammenlägen, sagt Steinbichler: Nach dem großen Purkersdorfer Open Air am Samstag mit 6.500 Besuchern und Besucherinnen sei er gestern zu einem Suizid eines Familienvaters gerufen worden. „So nahe liegen hier Schönes und Tragisches nebeneinander“, das müsse man auch einmal aushalten.

Was sagen die anderen Parteien?

Grundsätzlich sind Vertreter und Vertreterinnen der anderen Parteien im Purkersdorfer Gemeinderat überrascht über den Rücktritt des Bürgermeisters - weniger über das Faktum an sich als vielmehr über den Zeitpunkt.

Im Purkersdorfer Gemeinderat gibt es 33 Sitze, 14 davon hält die SPÖ, was einem Anteil von knapp 39,8 Prozent entspricht. Bei der Wahl 2015 hatte der frühere Bürgermeister Karl Schlögl noch über 65 Prozent der Stimmen erreicht und hielt mit 23 Mandaten eine satte absolute Mehrheit. 2018 trat Schlögl zurück, bei der Wahl 2020 erreichte sein Nachfolger Stefan Steinbichler 43,3 Prozent oder 15 Mandate. Seit der Wahl 2025 hält die Purkersdorfer SPÖ bei 14 Mandaten.

Albrecht Oppitz von der ÖVP-Liste Oppitz sieht darin die Chance für einen Neustart für Purkersdorf. Seit der Wahl 2025 gebe es im Gemeinderat ein freies Spiel der Kräfte ohne fixe Koalition. Angesichts der Probleme in Purkersdorf, vor allem der finanziellen Belastungen der Stadt, wäre eine stabile Koalition eine gute Lösung, sagt Oppitz.

Stadträtin Sabine Kellner von den Grünen, die mit drei Mandaten im Gemeinderat vertreten sind, findet es grundsätzlich gut, dass eine junge Frau als Nachfolgerin vorgeschlagen wird. Man kenne Klemmer-Schlögl als sehr engagierte Frau, die gut in der Öffentlichkeit dastehe. Allerdings habe sie nach eineinhalb Jahren im Stadtrat wohl noch keine große politische Erfahrung. „Es ist ein Amt, um das ich niemanden beneide“, sagt Kellner zum Bürgermeister-Dasein. Dass Klemmer-Schlögl ihr Amt bei der stadteigenen Gesellschaft „Wipur“ – dort werden alle Liegenschaften verwaltet – als Bürgermeisterin zurücklegen wird, davon geht Kellner aus, „das wäre aus meiner Sicht unvereinbar“.

FPÖ-Stadtrat Peter Scheuhammer respektiert die Entscheidung Steinbichlers, die auch für ihn unerwartet gekommen ist. Wünsche an ein künftiges Stadtoberhaupt stünden ihm nicht zu, „dazu sind wir als FPÖ zu klein in Purkersdorf.“ Er sei Basisdemokrat, für Steinbichlers Nachfolge würden sich Mehrheiten finden. Die FPÖ verfügt über drei Mandate im Gemeinderat.

„Ich begrüße das“, sagt Stadt- und Gemeinderat Josef Baum von der Liste Baum (vier Mandate) zum Abschied Steinbichlers. Er sei immer ein Kritiker des Gemeindechefs gewesen und hoffe, dass nach acht Jahren nun etwas weitergehen werde. „Er konnte gute Reden halten, aber er war einfach nicht talentiert“, sagt Baum. „Ich habe meine Kritik am Nichtstun in Dutzenden Punkten immer wieder festgehalten“, zieht er trocken Bilanz über Steinbichlers Amtszeit. Es müsse sich einiges ändern in der Stadt. Von der designierten Nachfolgerin habe er weder ein positives noch ein negatives Bild, dazu müsse sie erst einmal darlegen, was sie plane. 

Karl Schlögl

Karl Schlögl nach seinem Rücktritt im Oktober 2018.

Karl Schlögl über den Rücktritt seines Nachfolgers

Über 26 Jahre lang war Karl Schlögl Purkersdorfs Bürgermeister – und das mit einer überwältigenden Mehrheit. Bei seinem letzten Antreten bei der Gemeinderatswahl 2015 errang Schlögl mit der SPÖ 23 von insgesamt 33 Mandaten. Im Oktober 2018 trat Schlögl nach über 26 Jahren als Bürgermeister zurück und übergab an seinen „Wunschnachfolger“ Steinbichler.

„Ich finde es gut, dass der Rücktritt so harmonisch über die Bühne gegangen ist“, sagt Schlögl heute dem KURIER. Er sei froh, dass es Gemeinden gebe, in denen solche Übergaben möglich sind. Dass seine Tochter als Nachfolgerin vorgeschlagen werden wird, macht Schlögl stolz. „Ich habe zwei Töchter, eine ist Ärztin in Neulengbach, sie hat kein Interesse, selbst Politik zu machen. Meine zweite Tochter Jasmin war schon als kleines Mädchen bei vielen Anlässen mit mir in der Gemeinde unterwegs. Sie ist seit eineinhalb Jahren im Gemeinderat und über die Parteigrenzen hinaus anerkannt.“

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