Ex-Mönch verurteilt: Bücher aus der Stiftsbibliothek gestohlen
Mitbruder hatte 16 historische Bücher aus Stiftsbibliothek mitgenommen.
„Wenn man um Vergebung bittet, wird man Vergebung bekommen.“ Ein 40-jähriger Theologe und früheres Mitglied der Augustiner-Chorherrn des Stift Herzogenburg, nahm Montagvormittag reumütig seine Verurteilung zur Kenntnis. Zu zehn Monaten Haft, bedingt auf drei Jahre, wurde er am Landesgericht St. Pölten verdonnert.
Der frühere Mönch war vom Schöffensenat wegen schweren Diebstahls und Veruntreuung von wertvollen Ordensbüchern und eines goldbestickten Messgewandes schuldig gesprochen worden.
Nach fünfjähriger Einführung ins Leben als Mönch hatte der gebürtige Pole 2019 im Herzogenburger Konvent die ewige Profess abgelegt, 2021 folgte die Priesterweihe. Warum es wenige Jahre später zum schweren Konflikt mit dem Orden kam und ein kirchenrechtliches Verfahren, das seine Kreise bis in den Vatikan ziehen soll, ins Laufen kam, blieb bei dem Prozess allerdings im Dunkeln.
Geständnis
„Ich bekenne mich schuldig. Es sind schwierige Sachen, es ist viel passiert. Das alles soll ein Ende haben. Es tut mir leid, was ich gemacht habe“, zeigte sich der Angeklagte eingangs vor den Schöffen und Richter Slawomir Wiaderek reumütig.
Zuvor hatte ihm die Staatsanwältin vorgeworfen, 16 wertvolle Klosterschriften aus der Herzogenburger Stiftsbibliothek, die zum Teil aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen und rund 50.000 Euro wert sind, entwendet zu haben. Jahre davor soll er 2019 in seiner Zeit als Pastoralassistent in der Pfarre Lunz/See zudem unbefugt ein weißes Messgewand (Wert 300 bis 400 Euro) mitgenommen haben.
Sammler
Er habe kirchliche Utensilien, wie Statuen, aber auch Bücher, Messgewänder und vieles andere in seinem Zimmer und anderen Räumen im Stift aufbewahrt. Weil die Sachen, offenbar im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Konvent, weggeräumt worden waren, habe er die Bücher als Pfand genommen, berichtete der frühere Mönch. Aktuell lebt er in Warschau und arbeitet in der Nachmittagsbetreuung. Das alte Messgewand habe er vor einem Verkauf retten wollen, verteidigte er das vorgeworfene Vergehen in Lunz.
Als die Stiftsoberen dann im Frühjahr des Vorjahres Anzeige gegen Mitbruder erstatteten, der einstweilen nach Wien gezogen war, bestätigte sich ein Verdacht wenig später. Die historischen Bücher wurden bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung in Wien-Favoriten gefunden.
Zeugen
Mit Probst Petrus Stockinger sowie zwei weiteren Mönchen, darunter dem Bibliothekar des Stift, versicherten drei ehemalige Mitbrüder des Beschuldigten vor Gericht, dass er die historischen Schriften keinesfalls in private Räume mitnehmen hätte dürfen. Mehrfach wurde dessen Sammelleidenschaft beschrieben. Über den Grund des Konflikts mit dem Polen wurde aber geschwiegen. Der vom Pfarrverband Gaming-Lunz angereiste Pfarrer sagte im Zeugenstand klar, dass ein Verkauf des Messgewands aufgrund von diözesanen Vorschriften gar nicht möglich gewesen sei.
Vor der Urteilsberatung beschrieb der Angeklagte, dass er große Angst vor dem Prozess gehabt und in der Emotion Fehler begangen habe. Bezugnehmend auf den Prozessverlauf zeigte er sich aber schon entspannter. Wenn das letzte Gericht auch so verlaufe, dann brauche man es nicht fürchten, sagte er.
Urteil
Das Urteil nahm der 40-Jährige nach kurzer Beratung mit Anwalt Florian Kreiner an. Das Geständnis habe mildernd zum Urteil beigetragen, zwei Vergehen, dazu die Höhe der Schadenssumme, erschwerend.
Um dem Verurteilten die bedingte Strafe zu erklären, nutzte Richter Wiaderk die Fußballsprache: „Sie erhalten als erster Täter eine gelbe Karte.“ Sollte er in den nächsten drei Jahren als Sammler wieder auf die Idee kommen, Bücher zu stehlen, würden die zehn Monate Haft schlagend, so der Vorsitzende. Der Angeklagte: „Ich sammle nichts mehr“.
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