© Tobias Holzer

Chronik Niederösterreich
06/05/2020

Puchberg am Schneeberg: Kultursommerfrische trotz Corona

In Puchberg aufgewachsen, in Wien auf der Bühne und vor der Kamera – mit einem eigenen Theater kehrte Lukas Johne zu seinen Wurzeln zurück.

von Theresa Bittermann

Er ist Puchberger, aber auch Wiener. Schauspieler, aber auch Theatermacher. In eine Rolle allein passt er nun mal nicht – es scheint, als wäre es ihm in die Wiege gelegt, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Lukas Johne (38) ist geboren in Wien und aufgewachsen in Puchberg. „Ich war immer das Stadtkind am Land und das Landkind in der Stadt“, erzählt er. Als Kind war dieses Hin und Her nicht leicht: „Ich wollte damals auch nie Dialekt reden“, erinnert sich der 38-Jährige. Dann hat er mit dem Studium begonnen und ist Schauspieler geworden: „Diese beiden Welten haben sich dann immer mehr vermischt.“ Heute spricht er auch gerne im Dialekt.

Kultursommerfrische

Vergangenen Sommer startete Johne ein eigenes Theaterprojekt in seinem Heimatort Puchberg am Schneeberg. „Shakespeare Subtexte“ hieß das Stück. Schauplatz war die Burgruine Puchberg. Mitten auf der Wiese in der Ruine war ein Boxring aufgebaut. Rundherum saßen die Zuschauer auf Bänken – auf Augenhöhe mit den Schauspielerinnen und Schauspielern.

In sechs „Runden“ zeigten sie in englischer Sprache Konflikte aus Shakespeare-Stücken, die sie anschließend in der Rolle ihrer Figuren reflektierten und in deutsche Subtexte setzten. Ohne spezielle Kostümierung, ohne Licht- oder Tontechnik, mit Turnschuhen im Gras und greifbar nahe für die Zuschauer, ließ Johnes Inszenierung dabei das pure Schauspiel wirken.

Ein untypischer Kunst-Versuch auf der wortwörtlich ländlichen Bühne. Ein Versuch, der aber geglückt ist, wie Johne erzählt. Meist spielten sie vor etwa 40 Zuschauern – kein großes Publikum, aber genau das ist auch Teil der Atmosphäre.

Ob Shakespeare auf Englisch auch am Schneeberg funktioniert? Ja! Das Publikum war durchwegs begeistert. „I hob zwoa net ois verstand’n, owa i hob’s irgendwie g’spiat“, sagte ein älterer Herr nach einer Vorstellung im vergangenen Sommer. „Das ist das Beste, was eigentlich passieren kann“, freut sich Johne.

Theater trotz Corona

Nach dem letztjährigen Erfolg sollte es heuer weitergehen mit der Kultursommerfrische in Puchberg. Dann kam Corona. Mit kreativen Lösungen wird das Theaterfestival aber trotzdem stattfinden. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, sage ich immer“, erzählt Johne lachend. Statt auf der Wiese in der Burgruine, wird im Juli also auf dem Vorplatz der Kirche neben der Ruine gespielt. „Das passt eigentlich auch gut. Johanna von Orléans ist eine zentrale Figur dieses Jahr. Insofern passt die Kirche ins Konzept“, erzählt Johne. Dabei holt der Schauspieler die Texte verschiedenster Autorinnen hervor. Dialoge antiker und mittelalterlicher Schriftstellerinnen treffen in der Inszenierung auf klassisches Theater. Geprobt wurde zum Glück schon so früh, dass Corona nicht in die Quere kam.

Ein zweites Stück wäre im Eiskeller geplant gewesen, dort ist es aber definitiv zu eng. Stattdessen hat Johne mit seinem Regiekollegen aus dem Theater eine Kunstinstallation gemacht. Thema sind Männer in einer Selbsthilfegruppe. Die Monologe der Figuren haben die Schauspieler kurzerhand auf Video aufgezeichnet. In einem kleinen Häuschen im Kurpark sind diese zu sehen. Im Pavillon nebenan wird der Schauspieler selbst jeden Samstag im Juli sitzen, bereit für Fragen und Diskussionen.

Den Drang zur eigenen Kreativität hatte Johne schon lange vor der Kultursommerfrische. Studiert hat Johne nicht nur Schauspiel, sondern auch Philosophie. So richtig sein sollte es aber zuvor nicht. „Ich hatte diese Vision schon länger. Als ich dann einmal in Puchberg schwimmen, war, hat es mich gepackt und statt nach Hause zu fahren, habe ich beim Bürgermeister angeklopft. In kurzer Zeit habe ich dann mein Konzept glasklar und ausführlich geschrieben, sodass auch das Land Niederösterreich gleich dabei war“, erzählt Johne. „Ich wollte nicht noch ein Festival, zu dem die Leute mit Bussen kommen und Prosecco trinken. Das ist gut, aber das gibt es schon und das können andere besser als ich. Ich wollte etwas Neues machen“, sagt er.

Gedreht mit Brad Pitt

Als Schauspieler stand Lukas Johne schon in zahlreichen Produktionen auf der Bühne, wie zum Beispiel im Burgtheater, aber auch vor der Kamera. In den Film „Allied“ mit Brad Pitt spielte er zum Beispiel einen Wehrmachtssoldaten. „Das war sehr spannend, weil wir auf einem großen Blockbuster-Set in London gedreht haben“, beschreibt der 38-Jährige. Sein nächstes Projekt ist die fünfte Staffel der ORF-Serie „Vorstadtweiber“. Da spielt er einen Wachmann im Gefängnis.

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