Staatsanwalt, Richterin, Gutachter und die Ermittler kamen am Montag zum Lokalaugenschein auf dem Campingplatz zusammen

© Thomas Lenger

Chronik Niederösterreich
03/10/2021

Polizist getötet: Ehefrau nun doch wegen Mordes angeklagt

Eineinhalb Jahre nach der Tat in Wiener Neustadt kommt es doch zu einem Geschworenenprozess.

von Patrick Wammerl

Eine kuriose Wendung gibt es im Kriminalfall rund um den Tod eines 54-jährigen Polizisten, der 2019 auf einem Campingplatz im Bezirk Wiener Neustadt von seiner Ehefrau mit dem Wagen überrollt und getötet wurde. Monatelang waren sich alle Beteiligten über den genauen Tathergang uneinig – auch die Justiz.

Nun wurde in der Causa Mordanklage gegen die 57-jährige Ehefrau Marion L. erhoben, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl. Sie wird sich vor einem Geschworenengericht am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten müssen.

Eineinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass der 54-jährige Polizist Andreas L. und seine Frau mit Bekannten auf dem Campingplatz in Neusiedl bei Pernitz zu späterer Stunde feierten. Laut Zeugen soll es dabei im angeheiterten Zustand im Lokal des Campingplatzes zu einem Streit zwischen den beiden gekommen sein.

Kurz vor 21.40 Uhr wollte die Frau Zigaretten von einem Automaten holen. Anwesende Zeugen gaben an, das Aufheulen eines Motors vernommen zu haben. Wenig später fand man den leblosen Polizisten in der Wiese. Er war vom Auto seiner Frau überrollt und getötet worden. Zur Klärung des genauen Hergangs gab die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt mehrere Gutachten in Auftrag.

Die Ergebnisse waren nie eindeutig. Laut der Verletzungsmuster an der Leiche könnte der Mann sowohl von hinten, als auch von vorne überfahren worden sein. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der 54-jährige im Zuge eines Wendemanövers der Ehefrau von ihr in der Dunkelheit übersehen wurde. Sie hatte zum Unfallzeitpunkt knapp ein Promille Alkohol im Blut. Die Staatsanwaltschaft erkannte jedenfalls zunächst keinen Tötungsvorsatz und brachte deshalb vergangenen Jänner ein Fahrlässigkeitsdelikt zur Anklage.

Beschwerde wurde eingelegt

Das Landesgericht sah den Sachverhalt allerdings anders. Für das Gericht war laut Sprecherin Birgit Borns auch ein vorsätzlicher Mord denkbar, weshalb man ein Geschworenengericht und keinen Einzelrichter mit der Klärung dieser Frage betrauen wollte.

Deshalb legte man gegen den eingebrachten Strafantrag wegen „grob fahrlässiger Tötung“ Beschwerde ein und bekam vom Oberlandesgericht Wien recht. Der Akt wanderte neuerlich zurück an die Staatsanwaltschaft. Dort wurde nach neuerlicher Prüfung nun eine Mordanklage verfasst.

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