Die berittene Polizei endete, noch bevor man auf Streife ausritt

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Chronik Niederösterreich
05/28/2020

Polizeipferde gehen an Reiterstaffel ins Ausland

Delegationen verschiedenster Länder waren zur Begutachtung der Wallache am Heldenberg zu Besuch. Bis 8. Juni werden Angebote gelegt.

von Patrick Wammerl

In Österreich sind sie aufgrund der politischen Grabenkämpfe in Ungnade gefallen, dafür herrscht international großes Griss um die Polizeipferde. In den vergangenen Tagen haben abwechselnd Delegationen der Polizei-Reiterstaffeln aus den Niederlanden, Bosnien und Serbien die stattlichen Wallache in ihrem Ausweichquartier bei den berühmten Lipizzanern am Heldenberg (Bezirk Hollabrunn) unter die Lupe genommen – und Großteils für gut empfunden. Bis zum Ende der Angebotsfrist am 8. Juni können die Interessenten nun Angebote für den Kauf der fertig ausgebildeten Polizeipferde legen.

Kein anderes Projekt hat die Polizei in den vergangenen Jahren so sehr gespalten wie die Reiterstaffel. Während sich die meisten EU-Staaten aus repräsentativen Gründen eine Kavallerie leisten, ist die Angelegenheit in Österreich an den politischen Befindlichkeiten gescheitert. Seit der Innenminister der Übergangsregierung, Wolfgang Peschorn, im November 2019 das Ende der berittenen Polizei verkündet hat, geht es um die Auflösung der Staffel.

Von den ursprünglich zwölf Wallachen konnte der Kauf eines Tieres rückabgewickelt werden. Die beiden vierbeinigen Gastgeschenke des ungarischen Premiers Viktor Orbán gingen an die Nachbarn zurück. Die anderen neun Pferde haben vorübergehendes Asyl im Ausbildungs- und Trainingszentrum der Spanischen Hofreitschule am Heldenberg bekommen. Dort traben sie seither Schulter an Schulter mit den Lipizzanern über die Koppeln.

Parallel läuft der Prozess zum Verkauf der Tiere. Den Gesetzen entsprechend, musste zunächst eine bundesinterne Ausschreibung mit dem sperrigen Titel „Sachübertragung von beweglichem Bundesvermögen“ erfolgen. „Hier ist allerdings keine Anfrage eingelangt. Nachdem aber diverse Reiterstaffeln aus Europa bereits im Vorfeld großes Interesse an den Tieren bekundet haben, wurden die jeweiligen Ministerien angeschrieben“, erklärt der Chef der Direktion für Spezialeinheiten (DSE), Bernhard Treibenreif.

Probegalopp

In den vergangenen Tagen besuchten mehrere Abordnungen diverser Nachbarländer den Heldenberg und nahmen die Wallache unter die Lupe. Erfahrene Zureiter aus Serbien und anderen Ländern stiegen in die Sättel und ritten zum Probegalopp aus. Neben der Gesundheit der Tiere stand vor allem das Wesen und der Grad der Ausbildung im Fokus der möglichen Käufer. „Es wurden mehrere Monate in eine fundierte Ausbildung und das spezielle Training für den Polizeidienst der Pferde investiert“, sagt Treibenreif. Eine Abschlussprüfung bescheinigt allen neun Pferden die Tauglichkeit für die schwierigen Anforderungen des Streifendienstes.

Völlig offen ist die Frage, welchen Erlös das Innenministerium durch den Verkauf der Pferde erzielen kann. Die acht- bis elfjährigen Wallache kosteten jeweils zwischen 7.000 und 13.500 Euro. Einer Wertsteigerung durch die lange Ausbildung, steht am freien Markt eine Wertminderung durch das fortgeschrittene Alter und die gesundheitliche „Abnützung“ gegenüber.

Man rechnet im Innenministerium daher, dass der Verkaufserlös die Anschaffungskosten kaum übersteigen wird. Genau weiß man das aber erst, wenn Angebote für die Pferde eintrudeln, meint Treibenreif. Neben den Serben haben die Deutschen, Holländer und Bosnier bereits angekündigt, bis 8. Juni Offerte für die Polizeipferde abgeben zu wollen.

Nicht im Galopp mit den meisten EU-Staaten

Mehr als 20 EU-Staaten setzen auf den Einsatz der berittenen Polizei im Streifendienst, bei Demos oder zur Vermeidung von Ausschreitungen bei Fußballspielen. In Österreich hat Ex-FPÖ-Innenminister Herbert Kickl bekanntlich mit seinem Steckenpferd, der Reiterstaffel, Polizei und Politik gespalten.

Befürworter und Gegner lieferten sich einen  harten Schlagabtausch – nicht zuletzt wegen der Kosten. Von 1. Juni 2018 bis 26. September 2019 kostete die Staffel insgesamt 2,345 Millionen Euro. Rund 1,5 Millionen Euro entfielen jedoch auf die Personalkosten, die für die Beamten sonst auch angefallen wären. Rund 900.000 Euro machte der „Sachkostenaufwand“  aus. Dazu zählen beispielsweise Kaufpreis, Ausrüstung oder die Miete der Reitsportanlage in Wiener Neustadt (NÖ).