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Österreichs erste Kellermeisterin: Pionierin in vielen Bereichen

Die Guntramsdorferin Leopoldine Nowak stieg vor 50 Jahren in eine Männerdomäne ein und machte sich einen Namen.
Eine Frau mit Weinglas in der Hand

Als erste Kellermeisterin Österreichs hat Leopoldine Nowak wohl Vorbildwirkung für viele Jungwinzerinnen. Heuer hat die Guntramsdorferin gleich doppelten Grund, zu feiern: ihr 50-jähriges Jubiläum als Kellermeisterin und ihren mittlerweile 35. Einsatz bei den Jakobitagen im Ort.

Nowak war es auch, die vor 50 Jahren den ersten Rosé-Wein des Landes auf den Markt gebracht hat.

Eine gehörige Portion Mut und Pioniergeist zeichnen den Werdegang von Leopoldine Nowak aus. Als frischgebackene Hauswirtschaftsmeisterin ging sie in den 1970er Jahren nach Krems, um den Abschluss als erste Kellermeisterin Österreichs zu machen. Aus der Notwendigkeit heraus, für ihren Sohn aus erster Ehe eine berufliche Basis, einen Heurigenbetrieb in Gramatneusiedl, zu schaffen, wie sie erzählt. Und da galt es, in einer reinen Männerwelt, die Ärmel hochzukrempeln. 

Erster Rosé 

Waren damals noch starke und kräftige Weine gefragt, setzte sie entgegen dem Trend auf leichte und spritzige Produkte und brachte den ersten Rosé des Landes auf den Markt. „Der leichte Wein ließ sich besser und vor allem in größeren Mengen verkaufen“, erinnert sich die Winzerin. Großes Lob bekam sie von Professor Weiss, der als strenger Lehrmeister und Weinverkoster bekannt war: „Poldi, wo bist stehn geblieben und hast den gekauft?“, fragte er sie mit einem Augenzwinkern, wenn er zufrieden war.  

In Kooperation mit der Klosterneuburger Weinbaufachschule entstand eine neue Traubensorte, der erste Blauburger in Österreich, für den die Kellermeisterin bei der Österreichischen Weinmesse mit Gold ausgezeichnet wurde. 

Nach dem Tod ihres Mannes zog es die Gramatneusiedlerin der Liebe wegen nach Guntramsdorf, wo sie Traditionswinzer Leopold Nowak heiratete. Die Weinproduktion wurde vergrößert.   

Pionierin auch als Jägerin

In sogenannten Männerdomänen Fuß zu fassen lag Nowak scheinbar im Blut. So führte sie als Vorsitzende der Raiffeisen Lagerhausgenossenschaft viele Jahre lang erfolgreich die Geschäfte. Für großes Stirnrunzeln in der Männerwelt habe sie gesorgt, als sie als erste Frau die Jagdprüfung meisterte, erzählt sie. „Wenn die Frauen jagen gehen, häng´ i die Büchsn in Schrank“, war die erste Reaktion des betroffenen Jagdrevier-Leiters. „Jedes Mal, wenn ich zur Jagd eingeladen wurde, fühlten sich die Männer provoziert. Es war harte Arbeit, bis ich akzeptiert wurde.“

Seit 1992 ist Leopoldine Nowak bei den Guntramsdorfer Jakobitagen tätig. Demnächst feiert sie ihr 50-jähriges Jubiläum als Kellermeisterin: „Ich wollt ja eigentlich studieren und Lehrerin werden, es ist aber anders gekommen als gedacht - und gut war´s“, resümiert sie. Mit Stolz blickt sie auch auf den weiblichen Nachwuchs: „Die Jungwinzerinnen von heute sind so motiviert, sie stehen den Männern um nichts nach, die sind sattelfest und so mutig, wie ich damals war“, freut sich die Weinpionierin. 

Kinder haben übernommen

Heute übernimmt Leopoldine Nowak nur mehr organisatorische Aufgaben in ihrem Betrieb, die Weinproduktion überlässt sie ihrem Mann Leopold und ihren Kindern. Als Jungbrunnen für ihre Vitalität genehmige sie sich hie und da aber gerne einen weißen Spritzer, erzählt sie mit einem Lächeln. 

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